10 Jahre El Tragalibros | 10 Buchempfehlungen der Gegenwartsliteratur

10 Jahre El Tragalibros - Bloggeburtstag

Bloggeburtstag | 10 Jahre El Tragalibros | Gegenwartsliteratur

Am 30. Juni 2008 war es zum ersten Mal soweit: „El Tragalibros – der Bücherwurm“ ging online, um über Lieblingsbücher, Tops & Flops, Leseeindrücke & mehr zu schreiben.

Dieses Ereignis wird gefeiert in 10 Tagen mit 10 Bücherlisten zu Lieblingsbüchern und mit tollen Buchtipps aus unterschiedlichen Genres oder Themenbereichen.

Heute widme ich mich dem Genre Gegenwartsliteratur, bei dem es gar nicht so einfach war mich nur auf 10 Bücher zu beschränken!


1) „Stadtgeschichten“ von Armistead Maupin

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Ja, ich muss sie euch einmal alle auflisten, die „Stadtgeschichten“ von Armistead Maupin, die mich über so viele Jahre hinweg begleitet haben. Selten habe ich eine Reihe aus 9 Bänden tatsächlich durchgehalten und weitergelesen. Aber Maupins Charaktere laden geradezu dazu ein, denn sie wirken wie echte Menschen und machen über die Zeit hinweg krasse Entwicklungen durch. Manche von ihnen werden von Sympathieträgern zum Objekt meiner Antipathie, andere hingegen gehen ihren Weg mit Stolz und Ehrgeiz. Doch das Leben spielt nicht immer mit in der eigenen Planung und so widerfährt ihnen das, was wir Leben nennen, das Unvorhersehbare, Unfälle, Krankheiten, eben das, was wir Schicksal oder Zufall nennen.

Kaum eine Buchreihe greift das Leben über Jahrzehnte hinweg so authentisch auf, wie es Armistead Maupin vermag.

Meine Rezension zu Band 7: „Michael Tolliver lebt“. (*hüstel* eine sehr alte Mini-Rezension)

Meine Rezension zu Band 9: „Die Tage der Anna Madrigal“.

2) „Ein möglicher Ort“ von Stephan Kaluza

10 Jahre El Tragalibros - 10 Jugendbücher - Ein möglicher Ort

Eigentlich weiß ich gar nicht so recht, wo ich bei diesem Buch anfangen soll. Das Gesamtkonzept ist einfach überaus gelungen. Stephan Kaluza erzählt eine Geschichte zwischen Imagination und Wirklichkeit, wobei er eine Erzählebene über die andere legt. Es geht um einen Schriftsteller, einen Fotografen und eine Frau sowie um die Suche nach der Rotschwanzamazone tief im Amazonas. Alternative Szenarien, Persepktivwechsel und der Wechsel der Ebenen entwerfen ein Verwirrspiel, dem der Leser gespannt und aufmerksam folgen muss, um am Ende die wirklich hohe Erzählkunst von Stephan Kaluza wertschätzen zu können. „Ein möglicher Ort“ ist ein einmaliger Roman.

Meine Rezension zu „Ein möglicher Ort“.

3) „Der weite Raum der Zeit“ von Jeanette Winterson

10 Jahre El Tragalibros - 10 Jugendbücher - Der weite Raum der Zeit

Dieses Buch gehört zur Kategorie: Nicht viel erwarten und dann ein bombastisches Leseerlebnis haben! „Der weite Raum der Zeit“ erzählt von der völligen Zerstörung einer Familie, von der blinden Wut eines Mannes, von Eifersucht, die zu rasenden Entscheidungen führen, welche Chaos, Trauer, Verlust hinterlassen. Auf mehreren Ebenen widmet sich die Autorin Jeannette Winterson dabei ihren äußerst tiefgründigen Figuren, deren Persönlichkeitsentwicklung die Leserschaft über Rückblicke in die Vergangenheit nachfühlen kann. Keine von ihnen ist schwarz oder weiß, gut oder böse, sie alle sind eine graue Mischung – abgesehen vielleicht von Wintersons Liebespaar, die durch ihre Jugend in das Chaos ihrer Familien hineingeboren wurden.

#Shakespeare400

Der weite Raum der Zeit“ gehört zum Projekt #Shakespeare400, das insgesamt 8 Roman-Adaptionen bekannter Shakespeare-Werke veröffentlicht – und das von ganz bekannten Schriftsteller*Innen. Jeanette Winterson verarbeitet in ihrem Roman ShakespearesDas Wintermärchen„.

Meine Rezension zu „Der weite Raum der Zeit“.

4) „Euphoria“ von Lily King

10 Jahre El Tragalibros - 10 Jugendbücher - Euphoria

Besonders mitgerissen hat mich der Erzählstil von Lily KingsEuphoria„. Sie verleiht ihren Figuren eine ganz starke Erzählstimme, indem sie die Perspektiven wechselt und den Leser dazu zwingt immer wieder neu zu lauschen, mit welcher Figur er sich gerade bewegt. Es entspannt sich vor den Augen des Leser ein weites Netz aus Geheimnissen, Emotionen und dem Unbekannten der Urwälder.

Drei Menschen mit ähnlicher Gesinnung, ähnlichem kulturellen Hintergrund und einem Ziel treffen in der Wildnis aufeinander und doch ist jede der Figuren ganz anders. Lily King unterstreicht diesen Unterschied durch die Familiengeschichten, die sie gekonnt in ihre Handlung einbindet, und verdeutlicht damit, dass die Vergangenheit großen Einfluss auf unseren Charakter und unser Handeln hat. Mitten in Neuginea, Anfang der 1930er Jahre arbeitet die junge und bereits berühmte, aber auch umstrittene Ethnologin Nell Stone und ihr Ehemann Fen daran, die Stämme im Landesinneren zu erforschen. Dabei treffen sie auf den Anthropologen Andrew Bankson. Faszination und Bewunderung, Missgunst, Neid und Freundschaft sowie Liebe vermischen sich in den Tiefen der Urwälder entlang des Sepiks miteinander.

Meine Rezension zu „Euphoria“.

5) „Als Hemingway mich liebte“ von Naomi Wood

10 Jahre El Tragalibros - 10 Jugendbücher - Als Hemingway mich liebte

Eigentlich bin ich eher skeptisch gegenüber Romanen, die historische Persönlichkeiten nehmen und sie in eine halb-reale, halb-fiktive Welt einbauen. Von Naomi Woods Roman „Als Hemingway mich liebte“ war ich allerdings sehr fasziniert. Sie zeichnet ein Charakterbild des exzentrischen Mannes und Schrifstellers Ernest Hemingway und gibt dabei den Frauen in Hemingways Leben eine eigene Stimme. Sie zeigt die unterschiedlichen Persönlichkeiten, die sich von diesem Autor angezogen fühlten – sowohl Frauen als auch Männer. Naomi Wood zeigt so auch sich wiederholende Dramen und Muster auf, lässt hinter den Schriftsteller Hemingway blicken, der keinesfalls nur glamourös war.

Nicht nur strukturell überzeugt der Roman, der in die vier Frauenperspektiven aufgeteilt ist und durch Rückblenden auf bereits beschriebene Ereignisse zurückgreift, den Leser somit vollends ins Bild setzt, was geschehen ist, und die Zwiespältigkeit des Lebens rigoros präsentiert.

Meine Rezension zu „Als Hemingway mich liebte“.

6) „Gargoyle“ von Andrew Davidson

10 Jahre El Tragalibros - 10 Jugendbücher - Gargoyle

10 Jahre ist es her, dass ich „Gargoyle“ von Andrew Davidson gelesen habe und immer noch ist es eines dieser Bücher, das eine ganz bestimmte Lesestimmung bei mir hinterlassen hat; eine, die einmalig war! Das Buch handelt von einem Mann, der durch einen Autounfall schwerste Verbrennung erlitten hat und während der schmerzhaften Phase seiner Rekonvaleszenz nur an eines denkt: Selbstmord.

Doch dann taucht an seinem Krankenbett plötzlich eine mysteriöse Frau auf, die behauptet einst seine Geliebte gewesen zu sein: vor 700 Jahren, als sie eine Nonne und er ein Söldner auf der Flucht war. „Gargoyle“ ist ein Roman, der eine gewisse Mystik besitzt, einen Zauber, der sich zwischen der grausam-schmerzlichen Realität bewegt und der Hoffnung auf eine grenzenlose Liebe.

7) „Wurfschatten“ von Simone Lappert

10 Jahre El Tragalibros - 10 Jugendbücher - Wurfschatten

Ada lebt in ständiger Angst. Regelrechte Panik steigt in ihr hoch, schnürt ihr die Kehle zu, raubt ihr die Luft. Eine unbenannte, schleichende Panik vor Umweltkatastrophen, Krankheiten, Menschen. Ada möchte Schauspielerin werden, doch dieser Traum ist noch in weiter Ferne, stattdessen hat sie Mietprobleme und fürchtet sich davor, dass sie eines Tages doch entlarvt wird von ihrer Umwelt: Ihre Wohnung ist ihr einziger Schutzraum und in diesen bricht plötzlich Juri ein, der Enkel ihres Vermieters, der sich in Adas ehemaligem Therapiezimmer einnistet. Von jetzt an, muss die junge Frau auch in ihrem Schutzraum der Wohnung vorsichtig sein, damit Juri ihre verkorkste, panische Seele nicht entschlüsselt.

Wurfschatten“ ist ein Roman über eine Heldin, die mit einer beklemmenden Angst und einer schleichenden Panik kämpft, die immer wieder die Oberhand gewinnen. Der Roman glänzt durch seine atmosphärische Dunkelheit, durch welche man mit Ada schreitet. Simone Lappert zeigt aber nicht nur diese unbändige Angst auf, sondern auch die Masken, die wir als Menschen tragen, um alle Arten von Ängsten zu verstecken, unter anderem deshalb, um unsere Existenz in dieser Welt ein Stückchen einfacher zu gestalten.

Meine Rezension zu „Wurfschatten“.

8) „Amerikanisches Solo“ von Katja Eichinger

10 Jahre El Tragalibros - 10 Jugendbücher - Amerikanisches Solo

Ein Protagonist mit einer sonderbaren Selbstreflexivität, eine obsessive Mission und die vollkommene Fehlinterpretation der Welt: Das ist Harry Cups, berühmter Jazzmusiker, der sich eine Auszeit vom Tournee-Trubel gönnt.

Katja Eichinger lässt ihren Protagonisten in einem fortlaufenden reflexiven Monolog einen Blick in seine Vergangenheit werfen und stückweise seine Identität entschlüsseln. Zwischen Narzissmus und Sehnsucht nach Gesellschaft, erfindet sich dieser einsame Musiker immer wieder selbst. Bis aus seiner Selbst-Reflexivität eine gefährliche Fixierung auf eine junge Frau wird …

Ein Spiel aus Macht und Unterwerfung, ein Blick in die Tiefe einer Figur, die der völligen Fehlinterpretation der Realität verfällt. Ein faszinierender Blick in die menschliche Psyche.

Meine Rezension zu „Amerikanisches Solo“.

9) „Die Geschichte von Blue“ von Solomonica de Winter

10 Jahre El Tragalibros - 10 Jugendbücher - Die Geschichte von Blue

Mit „Die Geschichte von Blue“ hat Solomonica de Winter einen bemerkenswerten Roman geschrieben. Er beschreibt die traurige Geschichte von Blue, deren Vater Ollie viel zu früh stirbt, mit deren Mutter sie ständig Kämpfe ausfechten muss und die beschließt nach Ollies Tod nicht mehr zu sprechen. Statt mit der Außenwelt zu kommunizieren, lebt sie in der Welt von Oz, dem Lieblingsbuch ihres Vaters. Doch tief in ihrem Inneren brodelt es, denn ihr Vater wurde umgebracht und Blue will den Mörder büßen lassen.

Die Geschichte von Blue“ handelt von Freundschaft, von Liebe und von unbändigem Hass. Was treibt einen Menschen dazu einen anderen zu töten? Was muss geschehen, welche Ereignisse müssen zusammentreffen, um eine solche Tat zu vollbringen? Das Debüt von Solomonica de Winter besitzt nicht nur eine kraftvolle Handlung, sondern eine ebenso starke Sprache, die mich vollkommen begeistert hat.

Meine Rezension zu „Die Geschichte von Blue“.

10) „Die Vegetarierin“ von Han Kang

10 Jahre El Tragalibros - 10 Jugendbücher - Die Vegetarierin

Lange musste ich über dieses Buch nachdenken, das mich zum Teil sogar verstört hat. „Die Vegetariern“ ist kein Buch, das man am Ende als „schön“ beschreiben würde und dennoch zeigt es auf, was mit einem Menschen passiert, der unter dem gesellschaftlichen und familiären Druck, unter den (Macht-)Strukturen, die beide Bereiche durchziehen, zusammenbricht. Eine Frau, die sich auf außergewöhnliche Art und Weise von den gesellschaftlichen Erwartungen befreit. Han Kang beschreibt eine Lebensentscheidung, die knallhart ist – „Die Vegetariern“ ist verstörend und gerade an diesem Punkt realistischer als manch anderer Roman über das Leben.


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Morgen gibt es die letzte Liste & euch erwartet noch einmal ein Gewinnspiel: Meine All-Time-Favorites – die tollsten Bücher überhaupt!

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