Rezension | Barbery, Muriel: Die Eleganz des Igels

Details:

Originaltitel: L’Élégance du hérisson
Genre: Erzählung
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: dtv ( 2008 )
Seiten:364

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: Schon so viel Gutes habe ich über dieses Buch gelesen, obwohl ich es wahrscheinlich so nie in die Hand genommen hätte, denn bei Bestsellerbüchern bin ich immer sehr vorsichtig. Als ich neulich dann doch einmal den Klappentext gelesen habe, war ich hin und weg. „DAS spiegelt doch mein Seelenleben wieder!“ dachte ich mir und siehe da, plötzlich stand es in meinem Regal und lag auf meinem neuen Mini-SuB ^^

Klappentext: „Ich heiße Renée. Ich bin vierundfünfzig Jahre alt. Seit siebenundzwanzig Jahren bin ich Concierge in der Rue de Grenelle 7, einem schönen herrschaftlichen Stadthaus mit Innenhof. Ich bin Witwe, klein, häßlich, mollig, ich habe Hühneraugen und in gewissen Morgenstunden einen Mundgeruch wie ein Mammut. Doch vor allem entspreche ich so genau dem Bild, das man sich von den Conciergen macht, daß niemand auf die Idee käme, ich könnte gebildeter sein als all diese selbstgefälligen Reichen.“

„Ich heiße Paloma, bin zwölf Jahre alt, ich wohne in der Rue de Grenelle 7 in einer Wohnung für Reiche. Meine Eltern sind reich, meine Familie ist reich, und meine Schwester und ich sind folglich potentiell reich. Doch ich weiß schon lange, daß die Endstation das Goldfischglas ist, die Leere und der Unsinn des Erwachsenenlebens. Warum das weiß? Der Zufall will, daß ich sehr intelligent bin. Daher habe ich meinen Entschluß gefaßt: Am Ende dieses Schuljahres, an meinem dreizehnten Geburtstag, werde ich Selbstmord begehen.“

Inhalt und Aufbau: Zwei Charaktere, wie sie – meiner Meinung nach – nicht sympathischer sein könnten. Paloma und ihr Fabel für die japanische Kultur, für Mangas und traditionelle japanische Spiele. Sie ist auf der Suche nach der einen Sache, für die es sich lohnt keinen Selbstmord zu begehen und stattdessen ins Erwachsenenleben zu treten. Und Renée, die Concierge in einem Luxushaus ist. Heimlich liest sie dort die komplette Weltliteratur, interessiert sich für Philosophie und tausend andere Dinge. Bildung steht bei ihr ganz hoch.

Eines Tages zieht der Japaner Kakuro Ozu in das Haus ein und bringt das Leben der beiden Damen völlig durcheinander. Gibt es vielleicht doch einen Sinn im Leben und Menschen, die Gleichgesinnte im Denken, Fühlen und Leben sind?

Meine Meinung:

Muriel Barbery schreibt mit so viel Wehmut und gleichzeitig einem lebensbejahendem Ton. Der eigene Weg, unabhängig von seiner Umwelt, von gesellschaftlichen Normen oder von den Erwartungen der anderen ist immer noch der Beste. Aber lohnt es sich trotzdem die Erwartungen der anderen zu erfüllen und damit eine Art Lebensschauspiel aufzuführen, um niemanden auf den Schlips zu treten? Ein philosophisches Traktat, ein Tagebuch in die Gedankenwelten zweier Figuren, die sich so sehr ähneln und doch nicht unterschiedlicher sein könnten. Alltägliches wird in diesem Buch umgewandelt zu höchst philosophischen Fragen. Durch die Japanverbundenheit und meine eigene Liebe und Interesse zur japanischen Literatur und Kultur habe ich mich sofort mit Paloma angefreundet. Auch Renée ist eine beeindruckende Persönlichkeit, die selbst auf sich viel hält, es aber anderen nicht zeigt. Bildung und Literatur sind wichtige Themen. Ein Buch, bei dem meine Gedanken auch beim Nicht-Lesen dran geklebt haben. Daher 5 von 5 möglichen Sternen.

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