Blair Witch | Games-Review (PC)

Blair Witch ist ein Spiel, das sich mein Chat für den Horrorstream-Freitag auf Twitch gewünscht hat und wer wäre ich, wenn ich diesem Wunsch nicht nachkomme!

Der Einstieg der Story ist gleich richtig unentspannt: Wir spielen Ellis, der sich mit seinem Schäferhund Bullet aufmacht nach einem vermissten Kind im Wald zu suchen. Er ist psychisch eher labil, hat wohl immer wieder Wahnvorstellungen, die er medikamentös unter Kontrolle bringt und befindet sich deshalb auch schon in Behandlung . Denn in seiner Vergangenheit gab es schon mal ein vermisstes Kind, das er allerdings nicht retten konnte. Deshalb ist er wohl auch kein Polizist im Dienst mehr, kennt aber die Kollegen, die aktuell im Wald nach dem Jungen suchen. Lediglich mit Taschenlampe und Walkie-Talkie bewaffnet, macht er sich auf eigene Faust los, um das vermisste Kind zu finden.

Um den Wald in der Nähe von Burkittsville ranken sich bereits vermehrt Gerüchte. Eine Hexe soll dort ihr Unwesen treiben. Und ganz schnell wird klar: diese Gerüchte sind nicht unwahr – oder spielt Ellis’ Gehirn ihm Streiche und das was er sieht stimmt nicht mit der Realität überein?

Polizeiauto mit Karte, Tasse und Fallakte (Blair Witch)
Polizeiauto mit Karte zu Beginn des Spiels (© Bloober Team)

Über Funk ist er immer wieder mit dem Polizeieinsatzkommando verbunden, bei denen er früher gearbeitet hat. Doch der Kontakt zu den Teams im Wald bricht immer wieder ab. Mit Bullet begibt er sich dennoch ohne zu zögern immer tiefer in den dunklen Wald, um den Jungen zu finden. Und Bullets Hundenase findet auch den ersten Hinweis auf den vermissten Jungen recht schnell. Und damit beginnt das Abenteuer zwischen Realität und Wahnsinn …

Dunkelheit und Licht, Gegenwart und Vergangenheit | Blair Witch

Das gesamte Spielsetting ist in diesem Wald angesiedelt, der immer gruseliger wird. Denn Ellis hat Blackouts und sein Herz beginnt zu rasen, wenn er Bullet aus den Augen verliert. Mit jedem Blackout geraten wir im Spielverlauf tiefer in den undurchsichtigen Wald. Ellis hat Visionen vom Krieg, die zum Teil sehr erschütternd sind. Er wacht an fremden Orten auf und wir als Spieler:innen haben keine Ahnung, wo das sein könnte, denn es gibt keine Map. Mehr als einmal  habe ich mich im Wald verlaufen, aber vielleicht gehörte genau das auch zum Spielfortschritt, so genau kann man das gar nicht sagen.

Ellis gerät immer tiefer in den Wald, hört Stimmen, die ihn rufen und ihn überzeugen wollen ihnen in die Dunkelheit hinein zu folgen. Er sieht Dinge, hört Dinge und ihm begegnen seltsame gruselige Waldwesen, die ihn auch verletzen und töten können. Lediglich mit dem Licht seiner Taschenlampe kann er ihnen am Anfang noch Herr werden. Schnell wird klar, dass er es mit übernatürlichen Dingen zu tun hat, denn wie es scheint wandelt er zwischen Gegenwart und Vergangenheit ebenso wie zwischen Wahnsinn und Realität. Selbst Bullet als Ankerpunkt für die Realität reicht irgendwann nicht mehr aus. Ellis findet eine Videokamera und Videobänder im gesamten Wald verstreut, die seltsame Szenen zeigen. Durch das Zurückspulen der Videos kann er die Gegenwart beeinflussen und Dinge wiederherstellen oder zerstören, um sich den Weg frei zu machen.

Videoaufnahmen in "Blair Witch"
Auf einem der Videos ist der vermisste Junge zu sehen (© Bloober Team)

Blair Witch: ein bisschen gruselig & dann doch sehr ernüchternd

“Blair Witch” hätte ein wirklich wirklich richtig gruseliges Spiel sein können. Was in der ersten Hälfte erstmal entspannt beginnt, wird dann immer verwirrender und man ist in ständiger Erwartung, dass etwas Schlimmes passiert. Spätestens als man sich als Spieler:in fragt: Was passiert hier eigentlich gerade? Sind wir noch in der richtigen Zeit? Und sind die Visionen Erinnerungen, Zukunftsvisionen oder doch einfach nur Wahnvorstellungen? ist das Verwirrspiel von Blair Witch eröffnet.

“Was passiert hier eigentlich  gerade?” ist eine Frage, die man sich ziemlich häufig für das gesamte restliche Spiel stellt. Denn durch Ellis’ Wahnvorstellungen und Visionen verliert man schnell die Zusammenhänge. Was man am Anfang noch erhofft zu erfahren, stellt sich gegen Ende heraus: Das Spiel will gar nicht so viel konkret verraten. Das Verwirrspiel bleibt und als Spieler:in kann man nur erraten, was es mit all dem auf sich hat. Es passieren hier und da ein paar Schocker. Nach den ersten Spielstunden war ich auch immer froh nach 2 Stunden eine Pause einlegen zu können. Denn das trübe Waldsetting drückt doch auf die eigene Stimmung. Rückblickend hingegen betrachtet gibt es nur wenige echte Schockmomente, stattdessen aber viele Wiederholungen der immer gleichen Schemata. Bösartige Geistwesen, die man mit Licht verscheucht und später bösartige Geistwesen, die man im Dunkeln nicht ansehen darf (weshalb man mit stockdunklem Bildschirm herumkriechen muss).

Blair Witch – Die Ausrüstung

Der ehemalige Polizist Ellis macht es genau richtig (Achtung Ironie!). Auf der Suche nach einem vermissten Jungen ohne Waffen in einen verfluchten Wald gehen. Mehr als einmal habe ich ihn verflucht, warum er denn keine anständige Waffe dabei hat. Schließlich gibt es im Wald nicht nur Übernatürliches, sondern auch einen wahnsinnigen mordenden Waldmann.

  • Taschenlampe: Für besonders düstere Momente und zum Vertreiben der Waldwesen notwendig
  • Handy: Seltsame SMS und Anrufe, Minispiele, die ich nie gespielt habe und an sich einfach nur die Verwirrung steigernde Nachrichten
  • Walkie-Talkie: Gelegentliche Kontaktaufnahme zum gruseligen Waldmann sowie zum Suchkommando der Polizei
  • Videokamera: Versteckte Hinweise und die Beeinflussung der Realität ist mit Hilfe der aufgezeichneten Videos möglich
  • Inventar: Sammlung von Dingen, die Ellis im Wald findet, z.B. seltsam geschnitzte Holzfiguren oder Polaroids von Menschen, die an Wände starren

Blair Witch – Die Gegner

  • Waldwesen im Dunkeln: Bei Nacht ist der Wald noch viel gefährlicher, denn dann tummeln sich dort gefährliche Waldwesen, die Ellis töten können, wenn er sie nicht rechtzeitig mit seiner Taschenlampe verscheucht
  • Im zweiten Teil des Spieles sind diese Waldwesen vom Licht angezogen und Ellis muss an ihnen vorbeisneaken (in völliger Dunkelheit und immer den Blick auf die Wand gerichtet => einige Jumpscare-Momente kann man hier sammeln
  • Gefährliche Blätterhaufen: Diese Rauschen an bestimmten Plätzen im Wald, erzeugen Vergangenheitsbilder und verletzten Ellis auch, wenn er nicht rechtzeitig flüchten kann.
  • Der mörderische Waldmann: Er hält die Fäden in der Hand und hat den Jungen tief im Wald versteckt. Er gibt Ellis immer wieder Anweisungen und Hinweise: Ellis tut was er verlangt und kommt dafür dem Jungen immer näher. Aber was will der Mann wirklich von Ellis?

Blair Witch – Das Gameplay

Das Gameplay ist recht einfach. Es gibt keine komplizierte Steuerung und neben dem Umschalten der einzelnen Bereiche (Handy, Taschenlampe, Videokamera, etc), kann man zusätzlich noch Kommandos für Bullet geben. Das funktioniert alles ziemlich intuitiv. Die Verbindung zu Bullet hat angeblich auch Einfluss auf das Spiel, was ich so genau nicht nachvollziehen konnte. Auch sind die Befehle für Bullet relativ überflüssig. Manchmal muss man ihn bei sich halten, damit er die Aufmerksamkeit der Waldwesen nicht auf einen lenkt. Ansonsten sind diese zwar nett gemeint (und Bullet ist ein großer Pluspunkt für das Spiel), aber so richtig wichtig für das Spiel sind sie nicht.

Auswahlmöglichkeiten für Bullets Befehle (Blair Witch)
Bullet und die Befehlsmöglichkeiten für den Schäferhund (© Bloober Team)

Gegen Ende wurde das Spiel dann leider einfach nur noch nervig. Es gibt immer mehr Psychomomente, man konnte richtig spüren, wie mit jedem Schritt Ellis noch wahnsinniger wurde. Gleichzeitig gibt es sich ständig wiederholende Schockmomente, die schnell nicht mehr schockiert haben, sondern einfach nur noch langweilig waren. Sneaken in stockdunkler FInsternis ist weder im Realen noch im Game wirklich ansprechend. Sowohl repetitive Szenen als auch Spielquests, die mehr willkürlich als mit System funktionieren, störten mich als Spielerin doch sehr. So richtig Lust hat man dann aber nicht mehr, denn es wiederholt sich alles ständig. Die häufigen Handy-Unterbrechungen waren darüber hinaus auch nicht wirklich storytreibend, sondern haben nur für Unterbrechungen gesorgt, mit denen man in den meisten Fällen nicht wirklich etwas anfangen konnte.

Insgesamt läuft man sehr viel durch den Wald. Bullet findet nach dem ersten Hinweis nur recht wenig Neues und er dient eigentlich dann vor allem als Angelpunkt für Ellis, bei dem immer mehr Realität und Wahnsinn zu einem riesigen Knäuel aus Chaos werden. Wirkliche Erleuchtung findet man weder in der Story noch im Spielverlauf. Das Ende ist recht ernüchternd, mehr möchte ich dazu auch nicht verraten, aber es lässt viel offen über den Wahrheitsgehalt der gesamten Story.

Die Grafik in “Blair Witch”

Am Anfang fand ich den Verschwimmungseffekt an den Seiten des Bildschirms recht schwierig. Da man aus einer First-Person-Sicht spielt, wurde mir dabei sogar leicht schlecht. Das hat sich glücklicherweise mit ein bisschen Zeit gegeben und nachts war der Effekt darüber hinaus kaum sichtbar (der einzige Pluspunkt für die Nacht ^^). Ansonsten fand ich die Grafik vollkommen okay, das Spiel spielt sehr mit Licht/Dunkel-Effekten, den Schatten, in denen sich etwas verbergen könnten und dem Alleinsein im Wald.

Bullet der Schäferhund in "Blair Witch"
Bullet ist das Beste am Spiel, auch wenn er nicht sehr hilfreich ist … (© Bloober Team)

Blair Witch – mein Fazit

Ich fürchte mich recht schnell bei Horrorgames und ja auch bei “Blair Witch” hatte ich meine Kreischmomente und die drückende Stimmung im Wald hat auch meine Stimmung beeinflusst. Wenn ich das gesamte Spiel aber rückblickend betrachte, dann halten sich die echten Schockmomente in Grenzen. Es gibt keine richtigen Kämpfe, nur immer diese gruselige Vorahnung, dass etwas passieren könnte. Wirklich viel passiert dann aber nicht. Und so begibt sich Ellis hauptsächlich auf Spurensuche und ich hätte dem Spiel verzeihen können, dass es nur durchschnittlich gruselig war. Aber auch in der Story kommt man nicht so richtig weiter: Bis zuletzt bleibt viel Interpretationsspielraum für das, was sich ereignet hat.

“Blair Witch” ist ein verwirrendes Spiel, das aus einem nicht ganz so entspannten Waldspaziergang gepaart mit Wahnvorstellungen, kleinen JumpScares, Herzklopfen und Ohmachtsanfällen besteht. Und diese in unzähligen Wiederholungssträngen, was doch irgendwann an der Spielfreude zehrt (ich hätte aufgehört zu spielen, wenn wir es nicht im Stream gespielt hätten!), da weniger hier tatsächlich mehr gewesen wäre. Ich hätte mir deutlich mehr Aufklärung der Geschichte gewünscht. So war sie a) recht chaotisch und b) dann doch irgendwie zu platt (zumindest wie ich das Ende interpretiere). Es hätte so viel mehr sein können, aber am Ende besteht “Blair Witch” aus recht wenigen Schockmomenten und vielen Wiederholungen, die das Spielerlebnis runterfahren, weil sie Spiel-Längen erzeugen.

  • Psycho-Horror-Game
  • Entwickler: Bloober Team
  • erschienen: 2020
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https://youtu.be/m50j3t52TtY

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