[Bloggeralphabet] J wie Journalismus

52 Wochen – 26 Buchstaben – 26 Themen.
 Alle zwei Wochen steht ein neues Stichwort im Raum, das mit dem Bloggen verknüpft ist.
 Wie genau das Blogger-Alphabet funktioniert und wie du teilnehmen kannst, findest du hier.

Ein doch recht heikles Thema ist die Diskussion Blogger vs. Feuilleton. Dennoch versuche ich mich nun am Buchstaben „J für Journalismus“ des Bloggeralphabets.

Findest du, dass Bloggen eine Form von Journalismus ist oder sein kann?

Sicherlich kann man hier keine Verallgemeinerung vornehmen, aber neben Journalisten, die gleichzeitig auch Blogger sind, gibt es auch Blogger, die mit der klassischen Journalistik nichts zu tun haben. Dennoch würde ich deren Blogs auch unter einem journalistischen Fokus sehen. Denn Blogs sind Online-Medien, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, häufig auch aktuelle Themen ansprechen und entsprechend recherchiert sind.

Was macht für dich Journalismus aus?

Wikipedia definiert „Journalismus“ auf 3 Ebenen:

  1. Gesellschaftliche Ebene
    Auf gesellschaftlicher Ebene charakterisiert sich der Journalismus durch professionelle Fremdbeobachtung verschiedener Gesellschaftsbereiche. Themen mit Aktualität, Faktizität und Relevanz stellt er durch Publikation für die öffentliche Kommunikation zur Verfügung. Dies unterscheidet den Journalismus insbesondere von Public Relations, Werbung und Literatur.

  2. Organisatorische Ebene
    Auf der organisatorischen Ebene produzieren Medienbetriebe und -angebote kontinuierlich journalistische Kommunikation mit Aktualität, Faktizität und Relevanz. Damit unterscheidet sich der Journalismus von Medien mit fehlender Periodizität (Bücher) und fehlender Faktizität (Romanhefte, Spielfilme, Satiremagazine).

  3. Akteursebene
    Auf der Akteursebene wird der Journalismus von hauptberuflich agierenden Journalisten ausgeübt. Dafür muss ein Journalist mehr als die Hälfte seiner Einkünfte aus journalistischer Arbeit erzielen oder mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit für journalistische Medien tätig sein.

Ich persönlich sehe vor allem die Aktualität als einen wichtigen Punkt für Journalismus. Denn egal, ob es sich um Rezensionen, politische oder gesellschaftliche Themen handelt, Journalisten beschäftigen sich mit den drängenden Themen, mit der gesellschaftlichen Gegenwart, und berichten darüber, was in der Welt (der Literatur) gerade geschieht.

Wo siehst du Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Bloggern und Journalisten?

In erster Linie würde ich den Unterschied doch im beruflichen Status sehen. Journalist sein ist ein Beruf und damit greife ich die nächste Frage schon beinahe auf. Blogs sind von so unterschiedlicher Art und Qualität, dass es beinahe schon schwer ist dort Gemeinsamkeiten zu finden. Zwar gibt es inzwischen auch Blogger, die damit Geld verdienen, doch noch würde ich „den Blogger“ nicht als Berufsbezeichnung sehen, es hängt immer noch viel freiwilliges, unentgeltliches Engagement daran. Was sich in Zukunft aber durchaus ändern kann und m.E. auch wird.

„Journalist“ dagegen ist auf jeden Fall eine Berufsbezeichnung. Egal ob Print- oder Onlinemedien, Journalisten schreiben, berichten und recherchieren, weil dies ihr Beruf ist und sie dafür entlohnt werden. Ich denke sogar, dass Journalismus nur aus dieser Perspektive betrachtet werden möglicherweise zwar noch ehrenamtlich, aber auch dann ist für mich der typische Charakter des „Journalismus“ gegeben. Journalismus wird nicht als „Hobby“ betrieben, soweit ich weiß, denn dann reden wir bereits von einem Blogger —- oder? (Zumindest, wenn derjenige online unterwegs ist.)

Beiden gemeinsam ist – und bitte hier auch keine Verallgemeinerung sehen – der neugierige Antrieb, etwas öffentlich darzustellen und seine Meinung zu teilen. Wobei Journalisten häufig eben auch Neutrales wiedergeben, ohne wertendes, persönliches Urteil. Bei Bloggern steht dagegen die subjektive Perspektive im Vordergrund – zumindest im Buchblogbereich. (Oder verrenne ich mich hier?!)

Je länger ich mir darüber Gedanken mache, desto mehr solcher Assoziationsketten tauchen in meinem Kopf auf. Ich möchte es vorerst dabei belassen. Ich bin nämlich der Ansicht, dass es bei diesem prekären Thema noch ein großes Für und Wider gibt, das ich im Rahmen des Bloggeralphabets nicht aufführen kann.

Ist Journalismus „Beruf oder Berufung“ – sprich, entscheidet nur eine journalistische Ausbildung darüber, wer Journalist sein darf und wer nicht?

Von meinem Standpunkt aus betrachtet ist Journalismus ein Beruf. Ob der nur über eine Ausbildung erreicht werden kann, sei aber mal dahingestellt. Dass in diesem Beruf durchaus auch die Berufung ein Punkt sein kann, ist sicherlich sehr gut denkbar. Ganz besonders, wenn ich an Journalisten in Krisengebieten denke, die sich in Gefahr begeben – ich weiß nicht, ob das nur rein beruflicher Natur sein kann.

Siehst du diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei bestimmten Themenbereichen stärker als bei anderen?

Ja, wie sich oben schon herauskristallisiert hat. Den „Streit“ zwischen Feuilleton und Buchblogs gibt es nun schon seit längerem. In anderen Themenbereichen habe ich das nicht direkt mitverfolgt, kann mir aber auch gut vorstellen, dass es dort noch verstärkt Thema ist. Teilweise habe ich das Gefühl, dass andere Branchen die „berufliche“ Einbindung von Bloggern besser gelingt. Ganz sicher bin ich mir aber nicht, da ich die anderen Branchen nur am Rande beobachte und dann auch nur aus der Bloggerperspektive. Aber immer dort, wo sich neue Aufgabengebiete oder Jobs entwickeln oder verschieben, gibt es Spannungsfelder.

Stellst du bei deinem Blog selber einen journalistischen Anspruch an deine Beiträge?

Nein, keinen journalistischen Anspruch, aber einen qualitativen Anspruch, der mir selbst und auch euch, meinen Lesern, genügt. Das bedeutet manchmal immer wieder an einem Text herumzuschrauben, bevor ich ihn veröffentliche.

 

 

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