[Bloggerkonferenz] LitBlog Convention in Köln

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Am 04. Juni 2016 war es soweit, die erste LitBlog Convention, organisiert von den Kölner Verlagen Bastei Lübbe, DuMont Buchverlag, DuMont Kalenderverlag, Egmont INK/LYX und Kiepenheuer & Witsch fand im Bastei-Lübbe-Gebäude in Köln-Mülheim statt. Ich war vor Ort und kann zurecht schon gleich am Anfang meines Beitrags schreiben: toll war’s mit Herzensmenschen, mir bekannten und noch unbekannten Bloggern, interessanten Sessions und Organisatoren, denen man das Engagement und die Erleichterung am Ende förmlich ansehen konnte. Aber nun zu den Details:

Die Zahlen und Fakten der LitBlog Convention sind …

… 150 Blogger, 19 Sessions in 5 Räumen + Autoren-Speed-Dating & eine Party.

Alex und ich
Alex & ich

Offizieller Startschuss war 13 Uhr, als sich das Foyer des Bastei-Lübbe-Gebäudes randvoll mit Literaturbloggern füllte. Auch vorher war es schon möglich dem anhaltenden Regenschauer zu entgehen, denn Alex und ich waren schon um kurz nach 12 Uhr am Zielort und durften uns mental mit Kaffee & Goodie-Bag bepackt, schon auf den Tag einstimmen.

Meine Wunschsession waren:

  • Wir wollen unterhalten: Von der Idee bis zum fertigen eBook – ein Blick hinter die Kulissen des digitalen Tagesgeschäfts / Bastei Lübbe
  • Die vielleicht wahnsinnigste Metropole der Welt – Literarischer Städtebau mit Jan Brandt und Jan Valk / DuMont Buchverlag
  • Feel free to judge a book by its cover! – Von de Vigan über Wolitzer bis Houellebecq: Das DuMont-Herbstprogramm auf den zweiten Blick / DuMont Buchverlag
  • The Difference A Word Makes: Zwei Lektorinnen von ONE und LYX diskutieren mit euch über Young Adult und New Adult / Egmont LYX & Bastei Lübbe

Da die Teilnehmerzahl in den einzelnen Räumen stark begrenzt war, musste man fix unterwegs sein. Ich habe es aber geschafft, an allen meinen Wunschsessions auch teilnehmen zu können. Von einigen Leuten weiß ich aber, dass diese dann wechseln mussten. Sicherlich nicht gar so schlimm, weil man dann auch über den eigenen „Interessenstellerrand“ hinausblicken konnte. Andererseits war es aber auch etwas stressig, weil man nach den jeweiligen Sessions nicht in Ruhe den Raum wechseln oder noch kurz ein paar Worte mit den Verlagsmitarbeitern/Autoren wechseln konnte – zumindest nicht, wenn man am nächsten Wunschthema unbedingt teilnehmen wollte.

Wir wollen unterhalten: Von der Idee bis zum fertigen eBook

In dieser Session erzählte das Team von Bastei Lübbe, wie sie eine Marktlücke für sich genutzt haben und eine neue E-Book-Reihe nicht nur online beworben, sondern auch auf analoge Mittel zurückgegriffen haben. Es geht um die Gayromance-Reihe differentboys. Zielgruppe der Reihe sind nicht nur schwule Männer, sondern auch Frauen zwischen 16 und 69 Jahren. Im Manga- und Animebereich hatte sich die Gayromance-Richtung bereits seit Jahren etabliert. Dem Verlag ist dieser Trend aufgefallen und deshalb wurden die differentboys komplett neu entwickelt. Dabei hatte der Verlag nicht nur Mitspracherecht bei der Reihenumsetzung und Vermarktung, sondern schon ganz zu Beginn bei der Charakterentwicklung, denn die beiden Brüder waren nicht von Anfang an „good boy“ und „bad boy“. Ursprünglich sollten beide Hauptfiguren heiße Abenteuer erleben und ihre sexuellen Begierden befriedigen. Dann stand aber andererseits auch die Liebe im Vordergrund. Dazu hat der Verlag unter anderem eine Umfrage über seine Social-Media-Kanäle durchgeführt und eben die Zielgruppe direkt befragt: Sex oder Liebe? 

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Was also auch ein Marketinginstrument ist, wurde gleichzeitig als Recherchequelle genutzt, welche Inhalte im Bereich Gayromance die Leserschaft interessiert. Als der Inhalt erst einmal stand, wurde kräftig die Werbetrommel gerührt. Neben Online-Aktionen gab es auch Bewerbung in einschlägigen Printmagazinen, u.a. auch auf dem Christopher Street Day, auf dem Promoter aktiv die neue Reihe an die Zielgruppe gebracht haben.

Aber auch um das Thema E-Book ganz konkret ging es, denn der E-Book-Dschungel ist groß! Rezensionen vor dem Erscheinungstermin eines E-Books sind dabei entscheidend, denn durch gute Bewertungen werden die Online-Shops auf den Titel aufmerksam und geben ihm mehr Sichtbarkeit im Shop. Darüber hinaus spielt auch Suchmaschinenmarketing eine entscheidende Rolle, Bannerwerbung, Social Media und auch die Bezahlung von YouTubern/Vloggern.

Was wird noch so als E-Book bei Bastei Lübbe verlegt?

Besonders bemerkenswert fand ich die Zahl 15. Denn das E-Book-Geschäft hat bei Bastei Lübbe insgesamt einen Anteil von 15 %, was wahnsinnig viel ist auf dem deutschen Buchmarkt. Neben der Erschließung neuer Genres wie der Gayromance, nutzt der Verlag E-Books auch dafür, um alte Schätze, die es nicht mehr im Print gibt, wieder auf den Markt zu bringen, aber ebenso werden dort die immer noch begehrten Themen gespielt, wie etwa Vampire, die im Buchhandel nicht mehr gut laufen. Aber auch kurze Stoffe (ca. 100 Seiten) werden im E-Book verarbeitet und neue Autoren erhalten mit dem elektronischen Buch viel eher die Chance, verlegt zu werden.

Die vielleicht wahnsinnigste Metropole der Welt

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Lektor Jan Valk (DuMont Buchverlag)

Während ich mich im E-Book-Geschäft schon ziemlich gut von allen Seiten her auskenne, war der Autor Jan Brandt für mich bis zur LitBlog Convention noch relativ unbekannt. Nach dieser Session stehen aber zumindest zwei Werke des Autors auf meiner Wunschliste, denn meine Neugierde wurde sehr groß!

Den denkbar schlechtesten Platz hatte ich mir für dieses Session ausgesucht, denn ich saß direkt hinter dem Autor, konnte somit keine guten Fotos schießen. Getroffen habe ich aber zumindest photographisch den DuMont-Lektor Jan Valk, der zum Einstieg die Taschenbuchausgabe des Romans „Tod in Turin“ samt Wickelfalzumschlag präsentierte – druckfrisch.

Danach ging es aber auch schon um den Autor weiter, der einige Monat ein L.A. lebte und schrieb, nämlich das Buch „Stadt ohne Engel“. Über ein Stipendium hatte Jan Brandt die Möglichkeit in der Villa Pacific Palisades Los Angeles zu erkunden, die Stadt sozusagen „einzusaugen“, zu erleben und sein Werk, das aus literarischen Reportagen, Essays & Kritiken besteht, zu verfassen bzw. Recherche dafür zu betreiben. Dabei ist ihm schnell klar geworden, dass er nicht eingesperrt in der Villa vor sich hinschreiben konnte, sondern dass er das Leben in L.A. aus der Perspektive seiner Bewohner entdecken musste. So hat er u.a. einen Ganster-Rapper – dessen Namen übersetzt „Kleine Unterhose“ lautete – dafür bezahlt, ihn durch sein Viertel zu führen. Jan Brandt hat einen Skateboard-Mord miterlebt und sich auf die Suche nach Begegnungen gemacht und hat dabei mehr als einmal eine Kettenreaktion erlebt. Seine Recherche-Arbeit hat ihm so viele Geschichten vor die Nase geführt, dass er am Ende Schwierigkeiten hatte die 300-Seiten-Vorgabe des Verlags einzuhalten.

Und darum geht es im Buch:

stadtohneengel_janbrandtLos Angeles ist die Stadt der erfüllten und unerfüllten Sehnsüchte. Keine Stadt auf der Welt ist medial so allgegenwärtig wie diese, keine Stadt produziert so viele Mythen und Legenden – und keine kann so hart, brutal und zerstörerisch sein.
Jan Brandt bringt diesen schillernden Metropolenkosmos auf unerhörte Weise zum Sprechen. Er erzählt von Menschen, denen er auf Streifzügen begegnet ist: von Starköchen und Schriftstellerinnen über Filmemacher bis zu Hauswächtern und Gangsta-Rappern. Es sind Geschichten von Glücksrittern, die versuchen, trotz aller Widerstände den Amerikanischen Traum zu leben.

›Stadt ohne Engel‹ versammelt literarische Reportagen, Kritiken und Essays. Persönliche Begegnungen und Beobachtungen verbinden sich mit Zeitungsartikeln, Twitter-Meldungen und Facebook-Nachrichten zu einem kollektiven urbanen Rauschen. Es ist ein Buch über Fremdheit und Annäherung, denn natürlich ist Jan Brandt immer zweierlei zugleich: Tourist und Journalist, Autor und Spion – ein deutscher Gast, der außer-halb steht und dem es dennoch gelingt, mitten hineinzukommen: in das Innenleben der vielleicht wahnsinnigsten Stadt der Welt.

Quelle: DuMont Buchverlag

Feel free to judge a book by its cover!

LitBlog Convention CoverbriefingIn der dritten Session wurde es aktiv und kreativ. Ebenfalls vom DuMont Buchverlag organisiert, ging es dabei um die Covergestaltung und vor allem die Coverauswahl. Der Verlag arbeitet mit einer Kölner Grafikagentur zusammen, die alle Cover des Verlages erstellt. Dabei ist besonders das Coverbriefing am Anfang sehr wichtig, also noch bevor es einen einzigen Entwurf gibt:

  • Inhalt
  • Zielgruppe
  • Vergleichstitel
  • USP des neuen Buchtitels
  • Anmutung des Buches: Welches Grundgefühl wird angestrebt? | Tonalität | Illustrationsstil

An mehreren Titeln aus dem Herbstprogramm haben wir unseren Geschmack erproben und erläutern dürfen, warum wir dieses oder jenes Cover für den entsprechenden Titel gewählt hätten. Der Lektorin Antonia Marker lag besonders der Roman „Ein Monat auf dem Land“ am Herzen, der mich persönlich nicht so richtig ansprechen konnte. Zum einen durch den Titel, denn ich bin einfach keine „Landfrau“ *hust*. Dann wurde meine Neugierde aber doch noch geweckt, denn die Covergestaltung hat eine große Entwicklung durchgemacht und das Cover, das am Ende dabei herauskam, hat – so meine Meinung – wirklich viel Stil und bringt genau das rüber, was die beiden DuMont-Mitarbeiterinnen uns vermitteln wollten:

EinMonataufdemLand

 

The Difference A Word Makes: Young Adult vs. New Adult

Auch in dieser Session ging es teilweise um Cover, denn in diesen manifestiert sich auch der Unterschied zwischen Young Adult und New Adult. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir nicht wirklich Gedanken darüber gemacht, dass es hierbei überhaupt einen Unterschied gibt. Ich zählte mich und zähle mich auch immer noch zu den Young-Adult-Lesern und das schon seit Jahren. Mir ist der neue Begriff „New Adult“ zwar schon über den Weg gelaufen, aber er hatte für mich bisher keine Bedeutung. Die beiden Lektorinnen von LYX und ONE haben mit viel Leidenschaft, Freude und Engagement über ihre Arbeit berichtet, denn jede für sich ist ihrem „Genre“ treu ergeben.

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Young Adult bei ONE

Schubladendenken ist manchmal gar nicht so verkehrt, besonders dann, wenn es darum geht Genres von einander zu trennen, die sich nur marginal von einander unterscheiden:

  • Alter der Protagonisten: 16, 17 oder 18 Jahre – max. 21
  • wohnen noch Zuhause ==> Ausnahme: Fantasy
  • Happy End – must have!
  • Sex & Gewalt meist nicht vorhanden ==> gehört zu New Adult | aber Achtung: u. a. durch die Tribute von Panem kommt es hier zu einer Verschiebung!

New Adult bei LYX

  • der Fokus: Liebesgeschichten
  • Protagonisten: 18 Jahre alt – erwachsen & die Frage: was jetzt?
  • zeitgenössische Literatur (also im Hier und Jetzt, nicht in Fantasywelten)
  • erste Male: Sex, Liebe, die Welt erkunden, der erste Job, etc.
  • die Verarbeitung von Young Adult – das, was in der Jugend/Vergangenheit passiert ist

Die LitBlog Convention in Bildern

LitBlogConvention_begruessung
Das Organisationsteam eröffnet die LitBlog Convention
Buchmesseselfie reloaded
Herzensmenschen aka Buchblogger: Dani, Anja, ich & Sandra (v.l.)
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Das Foyer des Bastei-Lübbe-Gebäudes
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Bücherwand im Foyer

Die LitBlog Convention – Mein Fazit

Als ich von der LitBlog Convention erfahren habe, war ich erst einmal skeptisch, denn das Programm versprach Vorträge von Autoren und Verlagsmitarbeitern aber eben keine Blogger-Workshops. Als ich mich dann dazu entschieden hatte, doch zur LitBlog Convention zu fahren, da einige Herzensbloggerinnen ebenfalls vor Ort sein würden, war ich also schon darauf eingestellt, dass es in Köln darum geht, die Verlage und ihr Programm sowie einige Autoren kennenzulernen und einen Einblick in deren Arbeit zu bekommen. Genau das hat sich auch bestätigt, die Sessions, die ich mir ausgesucht habe, fand ich aber unter diesem Gesichtspunkt sehr gut, weil man nicht nur Einblicke in die Verlagsarbeit erhalten hat, sondern weil die Verlagsmitarbeiter auch deutlich interessiert an uns Bloggern war, wie wir arbeiten, Kooperationen durchführen und auch was unsere Meinung zu unterschiedlichen Themen ist.

Die Diskussionen sind allerdings etwas kurz gekommen, weil man nach jeder Session schnell in den nächsten Raum wechseln musste, um noch einen Platz für das Wunschthema zu erhalten. Hier hätte ich mir also etwas mehr Auflockerung gewünscht, um tatsächlich noch in richtigen Kontakt mit den Verlagen treten zu können. Auch eine etwas längere Pause zur „Halbzeit“ hätte sich gelohnt, denn den ganzen Nachmittag habe ich es nicht geschafft ins Foyer zu gehen, um mir einen kleinen Snack zu holen, das hat erst am Ende des Nachmittags geklappt.

Besonders gut hat mir auch die Mischung der Literaturblogger gefallen, die vor Ort war. Ich kannte viele Blogger schon real und virtuell, aber ebenso viele Blogger waren mir unbekannt und es war spannend zu hören, wie deren Sichtweise zu den besprochenen Themen war. Letztendlich habe ich aber nur ganz wenige neue Blogger persönlich kennengelernt, weil man sich doch wieder eher in den „eigenen Bloggerkreisen“ (Dani, Anja, Sandra – <3) aufgehalten hat. Meine Idee deshalb: zu Beginn der Convention ein freiwilliges Blogger-Speeddating einführen, bei dem man sich schon mal kennenlernen kann.

Was haltet ihr davon?

4 Kommentare

  1. Hallo Ramona
    du warst noch nie in einer geschlossenen Buchhandlung – ich noch nie bei der LitBlog Convention. All die Workshops stelle ich mir interessant vor.
    Vielleicht schaffe ich es auch einmal, falls sie mal näher an der Schweizer Grenze liegt und das Datum passt.

    Liebe Grüsse
    Anya

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