[Blogparade] Duyns, Cherry: Eine Rose für Onkel Ying

Meli hat wieder einmal eine neue Blogparade ins Leben gerufen. Diesmal unter dem Motto:

Stelle EIN Buch vor!

Klappentext: Als Kitty Loon ihr Ende nahen spurt, begibt sie sich gemeinsam mit ihrem Sohn Robert auf eine schmerzlich-schöne Erinnerungsreise in ihre Vergangenheit. Da ist das Rascheln von Papierblumen, die Kitty bastelte, um die kleine Familie am Leben zu erhalten. Und vor allem ist da Onkel Ying, der schweigsame chinesische Straßenverkäufer. Ein Onkel, der zu einem aufregenden, exotischen Teil von Roberts Kindheit wurde – und den eine stille Liebe mit Kitty verband, die doch unerfüllt bleiben musste…

Details: 174 Seiten | Originaltitel: De Chinese knoop |  | Droemer (2006)

 

»Onkel Ying existiert nur noch in dünner, nachtblauer Tinte. Sein Schädel und seine Gebeine sind aus der Erde geholt und zu Hunderten anderer Schädel und Gebeine in eine große Grube gebettet worden. Den Stein, der seinen Namen trug, hat man zertrümmert.« (S.13)

Inhalt: Robert Loons Mutter Kitty ist tot. Kurz bevor sie gestorben ist, kehrte ihr Sohn zum Ort seiner Kindheit zurück und ihr war es vergönnt Erinnerungen aus der Vergangenheit wieder hervorzuholen und sie ihrem Sohn zu erzählen. Aber auch Robert Loon erinnert sich im Haus seiner Mutter an die damalige Zeit, an die Ereignisse und Geräusche seines früheren Lebens. Diese Geschichten, die wie Erinnerungsfetzen auftauchen, handeln aber nicht nur von Robert und seinen Eltern, sondern auch von Onkel Ying, einem chinesischen Einwanderer, seiner Herzlichkeit und seinem bitteren Schicksal. Robert lässt die letzten Wochen mit seiner Mutter Kitty Revue passieren und taucht dabei in seine frühen Kindertage ein, als er mit Onkel Ying am Meer stand, sie heimlich Teng Teng ausgetauscht haben oder einfach nur glücklich waren.

 
Sterblich sind auch die Lieder,
Keines tönt ewig wieder,
Alle verweht der Wind:
Blumen und Schmetterlinge,
Die unvergänglicher Dinge
Flüchtiges Gleichnis sind.
(Hermann Hesse)
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Warum ich genau dieses Buch vorstellen möchte:

Gekauft habe ich mir das Buch, weil der Einband so wunderschön ist. Ich habe es gesehen und mich direkt darin verliebt, auch wenn es nicht gerade viele Seiten umfasst, der Preis war es mir wert. Wenn man mit den Fingern über das Buch streift, dann fühlt es sich ein klein wenig seidig an. Ich weiß allerdings gar nicht genau aus welchem Stoff der Buchbezug ist. Jedenfalls empfand ich Bild und Einband gleich mit Magie versehen, die mir eine wundervolle Geschichte erzählen wollen. Das erste Mal habe ich dieses Buch im Jahr 2006 gelesen und seitdem ist mir zwar der Inhalt etwas abhanden gekommen, aber das Gefühl, das man doch so oft bei richtig guten Büchern hat, ist mir immer geblieben.

Das Buch beginnt mit den Gedanken Roberts, der das Haus seiner Mutter auflöst und nach Hause fahren will, nachdem alle letzten Dinge erledigt sind. Er spricht mit seiner verstorbenen Mutter, die ihm nahe legt einfach zu gehen. Cherry Duyns schreibt mit einer derart poetischen Sprache, dass die Melancholie und die Traurigkeit, die eine solche Szene ausmacht, für den Leser direkt spürbar werden. Aber dennoch fließt gleichzeitig auch die Schönheit der Sprache mit hinein, weshalb Seite für Seite nur so dahin fliegen.

Das Buch besteht zumeist aus einzelnen Erinnerungssequenzen die wunderschön zu lesen sind. Immer schwingt diese gewisse Traurigkeit mit, denn fast alle Personen – bis auf Robert, der sie erzählt – sind schon tot. Der Tod ist auch ein wichtiges Element dieses Buches. Es steht sozusagen auf der Klippe zwischen den Lebenden und den Toten, zwischen Gegenwart und Vergangenheit und nicht zu vergessen, der Zukunft, die die Lebenden leben müssen.

Auch beim wiederholten Lesen hatte ich wieder genau dasselbe melancholische Gefühl mit einem kleinen Tropfen – ich will nicht sagen Freude – aber Schönheit. Das Buch durchzieht eine Wehmut, die ich nur selten bei Büchern bisher wiedergefunden habe. Es zeigt den Schmerz einer Mutter, deren Sohn ins Ausland zieht, den Schmerz von Freunden, das Schicksal eines engen Freundes nicht verhindert haben zu können und den Schmerz eines Sohnes, der seine geliebte Mutter verliert. Manche Details der Geschichte bleiben allerdings auch im Dunkeln, doch genau das verschafft dem Leser noch etwas mehr Nähe zur Wirklichkeit, in der sich auch nicht immer alles aufklärt. Daher – wie man sicher vermuten kann – 5 von 5 möglichen Sternen.

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Die Parade läuft noch bis zum 07.08.2009, für all diejenigen, die vielleicht noch daran teilnehmen möchten :ausrufezeichen:

2 Kommentare

  1. Und nun ist das Buch auf dem Weg zu mir…nachdem ich jetzt weiß, wie man über Amazon Marketplace kaufen kann, bin ich heute schwach geworden…hach, hoffentlich ist es bald da… Zum Glück ist das Buch ja nicht dick, so wird es sicherlich schnell vom SUB wieder runter sein :hihi:

  2. Ich mach auch manchmal Dünn-Buch-Käufe, weil mein SuB sich dann nur ganz ganz kurz erhöht und schnell wieder abbaut… sowas, eigentlich richtig dumm *ggg* Aber sind trotzdem meistens gute Bücher dabei! :schieflach:

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