[Themenkolumne #01] Wenn Bücher einem das Leben retten

Manchmal ist es doch einfach so, dass das Leben sagt „Leck mich!“, sei es mit fiesen Kollegen oder einem schimpfenden Chef, sei es eine Freundin, die einen enttäuscht, Krankheit, Leid, eine zu Ende gehende Liebe oder der Verlust eines Menschen. Immer wieder gibt es im Leben kleine und große Baustellen und Brocken, die einem in den Weg geworfen werden – ansonsten wäre das Leben auch zu schön und ja vielleicht auch zu langweilig.

Was hat das mit Büchern zu tun, fragt ihr?

Viel, würde ich sagen. Denn in solchen Momenten, wenn das Leben ein Arschloch ist und mich hinunter auf den Boden zieht, dann hilft manchmal nicht nur tief Durchatmen, sondern dann braucht man den Zuspruch von wahren Freunden und wenn die gerade nicht da sind, dann sitzen hin und wieder ein paar Protagonisten, wirklich starke Figuren, auf meiner Schulter und ich denke darüber nach, was sie wohl tun würden. Würden sie in Anbetracht meines Handelns den Kopf schütteln oder wohlwollend nicken? Habe ich das Recht mich gerade selbst zu bemitleiden, oder sollte ich die Pobacken zusammenkneifen, aufrecht stehen und dem Leben direkt in die Augen schauen?

Ich denke da beispielsweise an den seit seiner Geburt entstellten August aus „Wunder“ oder an die an Zerebralparese erkrankte Melody aus „Mit Worten kann ich fliegen“. Beiden hat das Leben übel mitgespielt und nicht nur das, auch ihre Umwelt, die Menschen, die ihnen begegnen, reagieren so grausam und das nicht immer aus Absicht, sondern aus Unwissenheit. Sie müssen damit leben anders zu sein, nicht der Norm anzugehören und mich haben sie gelehrt, dass in Menschen viel mehr steckt, als man auf den ersten Blick erkennt – etwas, das jeder eigentlich wissen sollte, auf das ich persönlich aber seit diesen Büchern noch mehr achte. Nicht nur für mich selbst, sondern auch für andere.

Oder ein ganz anderes Beispiel: Vesper Gold aus „Grimm“, die kein Blatt vor den Mund nimmt, sondern das ausspricht was sie denkt und ihr Gegenüber damit zwar aus dem Konzept bringt, aber das sagt, was einmal gesagt werden muss, wenn Menschen meinen sie hätten für alle Gemeinheiten einen Freifahrtschein.

Wenn Bücher einem das Leben retten

Vielleicht übertreibe ich hier etwas – wahrscheinlich sollte ich eher schreiben, wenn Bücher einem das Leben erleichtern. Aberu für mich sind sie manchmal wahre Lebensretter und zwar nicht nur, wenn ich ein Buch zum richtigen Zeitpunkt oder in der richtigen Lebenslage lese, sondern auch danach, wenn ich mir die Mühe mache, darüber nach zudenken, was ich eigentlich aus den verschiedensten Büchern mitgenommen habe. Welche Wertevorstellunge, welche Gedanken oder welche Gefühle.

Kennt ihr solche Hauptfiguren?

Habt ihr auch solche Protagonisten, die Freunde oder Vorbilder für euch geworden sind? Welche Bücher sollte man unbedingt nur wegen einem einzigen Charakter (oder mehreren) lesen, weil sie das eigene Leben bereichern? Ich würde mich über eure Leseempfehlungen freuen!

6 Kommentare

  1. Eine sehr tolle Kolumne, die mich direkt mal nachdenklich gemacht hat. Mir geht es auch oft so, dass Bücher manchmal die besseren Seelentröster sind als Freunde, nicht nur, weil man für eine Weile seine eigenen Probleme mal vergessen kann, sondern auch weil die starken Charaktere einem zeigen, dass man vielem trotzen kann. Und oftmals gibt es auch ein Happy End 😉
    Für mich ist ein solches Buch “The Perks of being a Wallflower”: Die Realität und das oftmals harte Leben werden darin so glaubhaft eingefangen, aber mit Charlie lernt man auch, dass man alles überstehen kann, dass es nicht so aussichtslos ist wie es manchmal scheint und dass das Leben durchaus schöne Seiten bereithält 🙂

  2. Ich persönlich finde es immer sehr schwer zu lesen, wenn ich gerade arge Probleme habe, wenn es aber nur “kleine” Störfaktoren sind, dann geht es mir genau wie dir, Laura. Dann lese ich von anderen Problemen und Menschen, und vergesse dabei für kurze Zeit meine eigenen. “The Perks of being a Wallflower” habe ich gleich einmal auf meiner Wunschliste notiert. Mich beeindrucken Bücher, die mir zeigen “durchhalten lohnt sich, auch wenn es aussichtslos scheint”.

  3. Ich war leider nicht so begeistert von dem Buch, aber ich glaube das lag am Hörbuch. Durch den sprecher fande ich Charlie sehr naiv und kindlich und konnte mich überhaupt nicht mit seiner Gedankenwelt arrangieren oder einen Bezug zu ihm finden. Manchmal ist “lesen” statt “hören” wirklich besser.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.