Comic-Rezension | Gung Ho

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Gung Ho

Gung Ho“ ist ein dystopischer Endzeit-Comic, der auf 5 Bände angelegt ist. Bisher sind 4 Bände bei Cross Cult erschienen, der Abschlussband erscheint voraussichtlich 2021 – weshalb man noch genügend Zeit hat, die Welt von Gung Ho zu erkunden!

Der Mensch wurde als stärkstes Wesen der Nahrungskette abgelöst. Die weiße Pest hat den Großteil der Menschheit abgeschlachtet. Die weiße Pest sind äußerst aggressive Affenwesen, die sich in Rudel zusammentun, um auf Jagd zu gehen. Die Menschen haben sich in Forts zusammengerottet, Balustraden und hohe Mauern errichtet, um die gefährlichen Wesen fernzuhalten. Sowohl in den Städten als auch in den abseits gelegenen Forts herrschen strenge Regeln und wer sich widersetzt, muss mit harten Konsequenzen rechnen, denn ein Regelverstoß kann zum Tod vieler führen.

In diese Welt sind die Goodwoody-Brüder Archibald (Archer) und Zacharias (Zack) hineingeboren. Sie sind Waisen die aus dem Waisenhaus der Stadt geworfen wurden, weil sie zu viel Unruhe gestiftet haben. Als letzten Stopp vor dem Rauswurf aus der Gemeinschaft landen sie in der Gemeinde von Fort Apache, einem Außenposten.

GUNG HO ist ein aus dem Chinesischen abgeleiteter Amerikanismus und bedeutet „motiviert, engagiert“ und „in Harmonie zusammenarbeiten“. Mit der Zeit erlangte er verschiedene Bedeutungen, z. B. wurde er im 2. Weltkrieg von den Marines im Pazifik als Kampfschrei verwendet. In unserer Geschichte ist GUNG HO ein Slang-Begriff für „hitzköpfig und übermotiviert, ohne Rücksicht auf Verluste“.

Gung Ho, Bd. 1, Schwarze Schafe, S.4

Gung Ho: Fort Apache – kein Platz für Schwarze Schafe

In Fort Apache muss jeder seinen Beitrag leisten. Es gibt strenge Regeln und Disziplin steht an oberster Stelle, denn die Lebensmittel sind reguliert und die Gefahren um das Fort herum sind echt. Doch der Schein trügt, wenn man glaubt, dass im Fort alles mit rechten Dingen zugeht.

Es gibt die Leute, die glauben alles im Griff zu haben und diejenigen, die sich gerne bestechen lassen, um Sonderwünsche zu erfüllen. Von den Jugendlichen wird verlangt, dass sie sich ohne zu Murren an die Regeln halten und sich ansonsten still verhalten. Archer und Zack können auch in Fort Apache nicht überleben, indem sie die Füße stillhalten. Unter den Jugendlichen finden sie Freunde aber auch Feinde und ein Ausflug in die postapokalyptische dschungelähnliche Wildnis fordert unumstößliche Konsequenzen.

Archer – der große Bruder

Archer ist der größere Bruder der beiden Goodwoody-Brüder und er besitzt einen starken Beschützerinstinkt gegenüber seinem kleinen Bruder. Er nimmt das Leben locker und hat keinen Respekt vor den Erwachsenen. Er sorgt für sich und seinen Bruder, doch hält er sich ein gewisses moralisches Regelwerk aufrecht: Nicht über jede Leiche will er gehen. Doch die Erwachsenen sehen in ihm nur einen störrischen gerade mal volljährig gewordenen Unruhestifter, der an Selbstüberschätzung leidet. Sie vertrauen ihm nicht.

Zack – der kleine Bruder

Zack ist auf den ersten Blick zurückhaltender als sein großer Bruder. Doch an seinen Narben erkennt man, dass er bereits einiges durchgemacht hat. Er will gerne zur Gemeinschaft gehören und knüpft Kontakte zu den anderen Jugendlichen. Doch wenn es hart auf hart kommt, beweist er Mut, Stärke und Überlebenswillen.

Die Zeichnungen in Gung Ho

Die Zeichnungen in Gung Ho finde ich ganz besonders. Ich kann keinen guten Vergleich nennen, versuche mich aber an einer Beschreibung: Die Zeichnungen sind allesamt weich und wirken vor allem durch den starken Hell-Dunkel-Kontrast. Dieser steht im Vordergrund des gesamten Comics. Er verleiht diesem etwas in die Ferne Gerücktes, ein Bild aus einer anderen Zeit beinahe.

Die Figuren sind energetisch gezeichnet in einem unverkennbar eigenen Stil und obwohl sie allesamt mit kräftigen Konturen, Falten, Narben – man sieht ihnen das harte Leben dieser endzeitlichen Welt an – ausgestattet sind, umgibt sie alle eine Art Weichzeichnung, sodass sie mit dem Hintergrund ideal in Zusammenspiel gestellt werden.

Die Hintergründe sind zum Teil ganz grob gefasst und an anderer Stelle beinahe animations-filmisch detailliert gezeichnet. Im Verlauf der Bände ändert sich die Farbtonalität sehr. Während im ersten Band die meisten Panels in einem goldenen Licht getaucht sind, strahlt der vierte Band vor allem durch kühle kräftige Farben. Der Wandel der Farben beschreibt somit auch den Wandel der Geschichte, die immer härter und brutaler wird.

Mein Fazit zu Gung Ho

Und doch sei eines gesagt: Die Charaktere in „Gung Ho“ sind knallhart, verrückt, abgefahren, gewaltsam, aggressiv. Es gibt kaum eine Figur, die man einfach nur sympathisch findet oder gern hat. Hinter den meisten steckt eine abgedrehte Persönlichkeit. Es geschehen abgrundtief schreckliche Dinge im Fort und draußen in der Wildnis. Ungestümes, absurdes Verhalten, Korruption, Missbrauch. In „Gung Ho“ wird die menschliche Gesellschaft im Kleinen betrachtet, und ganz tief in die Untiefen der menschlichen Seele geblickt, wenn das Recht des Stärkeren gilt und ein Rechtsstaatssystem nicht mehr existiert.

Gung Ho“ empfehle ich nicht unbedingt als Einsteiger-Comic. Wer allerdings Endzeit-Geschichten mag, die von Freundschaft, Gewalt, dem Menschsein in einer unmenschlichen Welt handeln, der sollte sich diese Comic-Reihe nicht entgehen lassen.

Bibliographische Angaben zu den Comics:

Autor: Benjamin von Eckartsberg | Zeichnungen: Thomas von Kummant | Genre: Dystopie, Postapokalypse | Reihe: Gung Ho | Band innerhalb der Reihe: 1-4 | Gattung: Comic | Verlag: Cross Cult ( 2014, 2015, 2017, 2019)

  • Band 1: Schwarze Schafe
  • Band 2: Ohne Rücksicht auf Verluste
  • Band 3: Sexy Beast
  • Band 4: Zorn
  • Band 5: erscheint voraussichtlich 2021

Weitere Rezensionen zu den Comics:

Letterheart | Zombiac

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