#dbp19: Longlist Deutscher Buchpreis 2019

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Auf den Sommer ist Verlass, wenn es wieder heißt: Die Longlist des Deutschen Buchpreises steht, das Leseproben-Heft liegt bereit und die Neugierde steigt: „Gibt es Bücher, die ich mir beim nächsten Buchhandlungsbesuch dringend besorgen muss?“

Marina vom Blog Nordbreze und so. und ich haben uns am vergangenen Sonntag das Leseprobenheft angesehen und via Gifs auf Twitter kommentiert. Das war ein großer Spaß, aber jetzt stellt sich noch die große Frage? Welche dieser Romane stehen vielleicht auch bald in meinem Bücherregal?

Insgesamt konnte mich die Longlist nicht so sehr begeistern, nicht aus sprachlicher Perspektive, da sind schon auf den wenigen Seiten des Leseprobenhefts einige feine Schätze dabei, sondern aus inhaltlicher Natur. Es geht viel um unglückliche Familien, Heimkehr, Therapie, das Sein und bei manchen der Romane blieb ich doch eher im Dunkeln, was einen als Leser erwarten könnte.

Leseprobenheft der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2019

Die Longlist des Deutschen Buchpreises – eine Übersicht:

  • „Schutzzone“ von Nora Bossong
  • „Der junge Doktorand“ von Jan Peter Bremer
  • „Das flüssige Land“ von Raphaela Edelbauer
  • „Cherubino“ von Andrea Grill
  • „Miroloi“ von Karen Köhler
  • „Kintsugi“ von Miku Sophie Kühmel
  • „Vater unser“ von Angela Lehner
  • „Gelenke des Lichts“ von Emanuel Maess
  • „Das Leben der Elena Silber“ von Alexander Osang
  • „Hier sind Löwen“ von Katerina Poladian
  • „Der Große Garten“ von Lola Randl
  • „Nicht wie ihr“ von Tonio Schachinger
  • „Winterbienen“ von Norbert Scheuer
  • „Die untalentierte Lügnerin“ von Eva Schmidt
  • „Herkunft“ von Saša Stanišic
  • „Flammenwand.“ von Marlene Streeruwitz
  • „Brüder“ von Jackie Thomae
  • „Der Sommer meiner Mutter“ von Ulrich Woelk
  • „Wo wir waren“ von Norbert Zähringer
  • „Mobbing Dick“ von Tom Zürcher

Welche Buchpreis-Longlist-Bücher will ich mir genauer anschauen?

Deutscher Buchpreis 2019 Auswahl 01

Das flüssige Land von Raphaela Edelbauer

Inhaltsangabe des Verlages:

Ein Ort, der nicht gefunden werden will. Eine österreichische Gräfin, die über die Erinnerungen einer ganzen Gemeinde regiert. Ein Loch im Erdreich, das die Bewohner in die Tiefe zu reißen droht. In ihrem schwindelerregenden Debütroman geht Raphaela Edelbauer der verdrängten Geschichte auf den Grund. 

Der Unfalltod ihrer Eltern stellt die Wiener Physikerin Ruth vor ein nahezu unlösbares Paradox. Ihre Eltern haben verfügt, im Ort ihrer Kindheit begraben zu werden, doch Groß-Einland verbirgt sich beharrlich vor den Blicken Fremder. Als Ruth endlich dort eintrifft, macht sie eine erstaunliche Entdeckung. Unter dem Ort erstreckt sich ein riesiger Hohlraum, der das Leben der Bewohner von Groß-Einland auf merkwürdige Weise zu bestimmen scheint. Überall finden sich versteckte Hinweise auf das Loch und seine wechselhafte Historie, doch keiner will darüber sprechen. Nicht einmal, als klar ist, dass die Statik des gesamten Ortes bedroht ist. 

Wird das Schweigen von der einflussreichen Gräfin der Gemeinde gesteuert? Und welche Rolle spielt eigentlich Ruths eigene Familiengeschichte? Je stärker sie in die Verwicklungen Groß-Einlands zur Zeit des Nationalsozialismus dringt, desto vehementer bekommt Ruth den Widerstand der Bewohner zu spüren. Doch sie gräbt tiefer und ahnt bald, dass die geheimnisvollen Strukturen im Ort ohne die Geschichte des Loches nicht zu entschlüsseln sind. 

Klett Cotta

Ich finde „Das flüssige Land“ klingt nach einem sehr kuriosen Roman mit echtem Tiefgang. Eine eher traurige Familiengeschichte und eine Gemeinde, die von einem großen Loch bedroht wird, sich aber mit der veränderten Geographie arrangiert, die sich mitten in der Stadt auftut. Wie lebt man damit, von einem alles verschlingenden Loch bedroht zu sein? Und wie kann dies zum Alltag werden? Warum nicht einfach die gesamte Gemeinde umsiedeln, um der Bedrohung zu entkommen? Was steckt dahinter? Neugierig hat diese Leseprobe definitiv gemacht!

Miroloi von Karen Köhler

Inhaltsangabe des Verlages:

„So eine wie ich ist hier eigentlich nicht vorgesehen.“ – Karen Köhlers erster Roman über eine junge Frau, die sich auflehnt. Gegen die Strukturen ihrer Gesellschaft und für die Freiheit

Ein Dorf, eine Insel, eine ganze Welt: Karen Köhlers erster Roman erzählt von einer jungen Frau, die als Findelkind in einer abgeschirmten Gesellschaft aufwächst. Hier haben Männer das Sagen, dürfen Frauen nicht lesen, lasten Tradition und heilige Gesetze auf allem. Was passiert, wenn man sich in einem solchen Dorf als Außenseiterin gegen alle Regeln stellt, heimlich lesen lernt, sich verliebt? Voller Hingabe, Neugier und Wut auf die Verhältnisse erzählt „Miroloi“ von einer jungen Frau, die sich auflehnt: Gegen die Strukturen ihrer Welt und für die Freiheit. Eine Geschichte, die an jedem Ort und zu jeder Zeit spielen könnte; ein Roman, in dem jedes Detail leuchtet und brennt.

Carl Hanser Verlag

Es ist ein hartes Stück, diese Leseprobe zu lesen, die so viel Traurigkeit ausstrahlt um eine Frauenfigur, die von den gesellschaftlichen Strukturen nicht die positive, sondern die negative Seite abbekommen hat. Die Tag um Tag mit diesem Druck, dem Hass, dem Anderssein existiert und – so lässt der Beschreibungstext hoffen – sich auflehnt, nicht akzeptiert runtergemacht zu werden. Ich liebe starke Frauenfiguren!

Vater unser von Angela Lehner

Inhaltsangabe des Verlages:

»Was für ein Debüt! Immerzu möchte man diese Eva gleichzeitig würgen und küssen – sie geht mir nicht mehr aus dem Kopf.« Joachim Meyerhoff 

Die Polizei hat sie hergebracht, in die psychiatrische Abteilung des alten Wiener Spitals. Nun erzählt sie dem Chefpsychiater Doktor Korb, warum es so kommen musste. Sie spricht vom Aufwachsen in der erzkatholischen Kärntner Dorfidylle. Vom Zusammenleben mit den Eltern und ihrem jüngeren Bruder Bernhard, den sie unbedingt retten will. Auf den Vater allerdings ist sie nicht gut zu sprechen. Töten will sie ihn am liebsten. Das behauptet sie zumindest. Denn manchmal ist die Frage nach Wahrheit oder Lüge selbst für den Leser nicht zu unterscheiden. In ihrem fulminanten Debüt lässt Angela Lehner eine Geistesgestörte auftreten, wie es sie noch nicht gegeben hat: hochkomisch, besserwisserisch und zutiefst manipulativ.

Carl Hanser Verlag

So richtig viel verrät die Leseprobe nicht über „Vater unser“ und doch war ich sofort gepackt von der Geschichte: Was genau ist mit Eva passiert, warum befindet sie sich in Therapie und weshalb musste die Polizei diese Frau ins Spital bringen? Fragen über Fragen, die ich eigentlich beantwortet haben will — ihr wisst Bescheid. (-;

Hier sind Löwen von Katerina Poladjan

Inhaltsangabe des Verlages:

»Dikranian. Abovyan. Petrosian. Mazavian. Mein Nachname war plötzlich in phonetischer Gesellschaft. Bisher hatte ich ihn getragen wie ein unpassendes Kleidungsstück, wie einen verbeulten Hut, den ich auch zum Essen nicht abnahm.«

1915: Die alte Bibel einer armenischen Familie an der Schwarzmeerküste ist das Einzige, was den Geschwistern Anahid und Hrant auf ihrer Flucht bleibt. Hundert Jahre später in Jerewan wird der Restauratorin Helen eine Bibel anvertraut. »Hrant will nicht aufwachen«, hat jemand an den Rand einer Seite gekritzelt. Helen taucht ein in die Rätsel des alten Buches, in das moderne Armenien und in eine Geschichte vom Exil, vom Verlorengehen und vom Schmerz, der Generationen später noch nachhallt. Und sie bricht auf zu einer Reise an die Schwarzmeerküste und zur anderen Seite des Ararat.

S. Fischer Verlage

Den Anfang der Leseprobe fand ich unspektakuläre, das Ende hat mich etwas verstört zurückgelassen und je länger ich darüber nachdenke, desto neugieriger werde ich. Ich muss definitiv noch einmal in dieses Buch hineinlesen, weil ich bisher nicht entscheiden kann, ob es etwas für mich ist oder nicht.

Deutscher Buchpreis 2019 Auswahl 02

Der Große Garten von Lola Randl

Inhaltsangabe des Verlages:

»Ein Trieb wird als unwiderstehlicher Drang empfunden. Pflanzen und Tiere denken gar nicht daran, diesem Trieb etwa entgegenzusetzen, wohingegen der Mensch seine Triebe immer häufiger aufschiebt oder umwandelt.« Ein Roman über die Schwierigkeit, auf dem Land der Fülle des modernen Lebens zu entkommen und in Ruhe sein Gemüse zu ziehen. Und wenn sich dann zum Mann und den Kindern noch die Mutter, ein Liebhaber, ein Analytiker und Wühlmäuse in den Garten gesellen, weiß selbst die Therapeutin aus der Stadt nicht mehr weiter.

Eines Tages beschließt die Filmemacherin Lola Randl dem Berliner Stadtleben den Rücken zu kehren und in Ruhe einen Garten zu bewirtschaften. Im Herzen der Uckermark, dem am wenigsten bevölkerten Landstrich Westeuropas, beschäftigt sie sich mit Saatzeiten und Bodenqualitäten, Schädlingen und Unkraut, Beschnitt und Lagerungstechniken. Doch so richtig will die Hinwendung zur Natur und einem einfachen, unkomplizierten Leben nicht gelingen: zum Ehemann gesellt sich der Liebhaber, und als das Verhältnis mit ihrem Analytiker zu eng wird, wird dieser von einer Therapeutin abgelöst. Während Randl die Stadt aufs Land bringt und versteht, dass man vor sich selbst nicht davonlaufen kann, beginnt der Garten ebenso bunt zu blühen wie das Dorfleben, bereichert um kochende Japanerinnen, Künstler, Utopisten und Glückssucher aller Art.

Verlag Matthes & Seitz Berlin

An Marinas #samstagspflanzenshow auf Instagram musste ich natürlich sofort denken, als ich die Leseprobe zu „Der Große Garten“ gelesen habe. Mich hat allerdings nicht das Garten/Pflanzenthema angesprochen, sondern die Protagonistin, von der ich noch nicht so ganz weiß, was ich halten soll. Weiß sie was sie will oder sucht sie ihren Weg? Ist sie vollkommen auf dem falschen Weg oder befindet sie sich auf dem Abenteuer ihres Lebens?

Herkunft von Saša Stanišic

Inhaltsangabe des Verlages:

HERKUNFT ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt.

HERKUNFT ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.

HERKUNFT ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre. HERKUNFT ist traurig, weil Herkunft für mich zu tun hat mit dem, das nicht mehr zu haben ist. 

In HERKUNFT sprechen die Toten und die Schlangen, und meine Großtante Zagorka macht sich in die Sowjetunion auf, um Kosmonautin zu werden. 

Diese sind auch HERKUNFT: ein Flößer, ein Bremser, eine Marxismus-Professorin, die Marx vergessen hat. Ein bosnischer Polizist, der gern bestochen werden möchte. Ein Wehrmachtssoldat, der Milch mag. Eine Grundschule für drei Schüler. Ein Nationalismus. Ein Yugo. Ein Tito. Ein Eichendorff. Ein Saša Stanišic.

Luchterhand Verlag

Besonders der Sprachstil und Ideenreichtum haben mich auf den wenigen Seiten der Leseprobe gepackt. Wer über Herkunft schreibt und gleichzeitig Drachen erwähnt, der sammelt bei mir sofort Pluspunkte!

Der Sommer meiner Mutter von Ulrich Woelk

Inhaltsangabe des Verlages:

Sommer 1969. Während auf den Straßen gegen den Vietnamkrieg protestiert wird, fiebert der elfjährige Tobias am Stadtrand von Köln der ersten Mondlandung entgegen. Zugleich trübt sich die harmonische Ehe seiner Eltern ein. Seine Mutter fühlt sich eingeengt, und als im Nachbarhaus ein linkes, engagiertes Ehepaar einzieht, beschleunigen sich die Dinge. 

Tobias, eher konservative Eltern freunden sich mit den neuen Nachbarn an, und deren dreizehnjährige Tochter, Rosa, eigenwillig und klug, bringt ihm nicht nur Popmusik und Literatur bei, sondern auch Berührungen und Gefühle, die fast so spannend sind wie die Raumfahrt. Auch die Eltern der beiden verbringen viel Zeit miteinander, zwischen den Paaren entwickelt sich eine wechselseitige Anziehung – „Wahlverwandtschaften“ am Rhein. Und während Armstrong und Aldrin sich auf das Betreten des Mondes vorbereiten, erleben Tobias und seine Mutter beide eine erotische Initiation.

Ulrich Woelk erzählt spannend, atmosphärisch dicht und herzzerreißend von einem Aufbruch, persönlich und politisch, der tragisch endet.    

C.H. Beck Verlag

Mondlandung? Ich bin dabei! Aufbruch in ein offeneres, weitsichtigeres Leben? Ich bin dabei – zumindest habe ich das aus der Leseprobe mitgenommen und da ich passionierte Jeans-Trägerin bin, fand ich auch die Szene der Leseprobe sehr gelungen, um mehr wissen zu wollen. (-:

Wo wir waren von Norbert Zähringer

Inhaltsangabe des Verlages:

In der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969 betritt Neil Armstrong als erster Mensch den Mond.
Abermillionen verfolgen auf der Erde die Fernsehübertragung. Das machen sich einige zunutze. Martha Rohn etwa, wegen Mordes verurteilt, entkommt in jener fernsehstillen Nacht aus dem Frauenzuchthaus, und ihr fünfjähriger Sohn Hardy flieht aus dem Kinderheim, in das er als vermeintliches Waisenkind „Nummer 13“ nach ihrer Verurteilung gesteckt wurde. Er weiß nichts über sie, weiß nicht einmal, dass sie noch lebt. Ein Ehepaar nimmt sich seiner an, bietet ihm ein Zuhause in der Neubausiedlung am Kahlen Hang, im Rheingau. Da träumt er davon, eines Tages Astronaut zu werden, und tatsächlich – Jahre später, in Amerika, ist die Verwirklichung des Kindheitstraums zum Greifen nah.

„Wo wir waren“, ein breit gefächerter, ein gesamtes Jahrhundert umspannender Roman einer zerrissenen Familie, ist ungeheuer farbig und einfallsreich erzählt, mal rasant, mal nachdenklich, ein großes Tableau, das Zeiten, Länder, Geschichtliches und vor allem eine Vielzahl von Schicksalen verschränkt, von Cliffhanger zu Cliffhanger vorwärtsjagend und dann wieder anrührend und zart. Ein Roman über das Flüchten und Auf-der-Flucht-Sein, über Heimat und Fremde, Zufall und Verwandlung und immer wieder die Frage: Wo waren wir, und wo werden wir einmal sein?

Rowohlt Verlag

Mondlandung! (Schon wieder!) – Da kann ich nicht drüber hinweglesen, da werde ich einfach sofort neugierig. Ein Traum, eine Familiengeschichte und die Frage nach dem, was sein wird. Klingt spannend!

Welche Bücher der Longlist wollt ihr unbedingt noch lesen? Oder habt ihr sogar schon gelesen?

2 Kommentare

  1. „Das flüssige Land“ wartet auch schon in meinem SUB-Körbchen auf mich, ich bin so wahnsinnig gespannt! Von der Longlist spricht mich sonst nur noch „Mobbing Dick“ an, alles andere finde ich irgendwie unspektakulär. 🙁

    Viele liebe Grüße
    Tina

    1. Liebe Tina,

      ja, insgesamt muss ich auch gestehen, dass mich weniger Bücher von Anfang an angesprochen haben. Es ist eher ein verhaltenes Interesse, deshalb will ich demnächst auch noch in ein paar Romane reinlesen, manchmal packt es einen dann ja doch erst nach ein paar mehr Seiten!

      Viele Grüße
      Ramona

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