Frankfurter Buchmesse 2017: Licht & Schatten

Frankfurter Buchmesse 2017

Keine Messe hat so ganz unterschiedliche Gefühle in mir hervorgerufen, wie die Buchmesse in diesem Jahr. Die #FBM17 war einerseits ein wahres Fest. Ich habe noch nie so viele Leute neu kennengelernt, die mir virtuell schon begegnet sind. Zumindest gefühlt, denn eine Menge von euch habe ich bereits live auf anderen Messen und Blogger-Veranstaltungen treffen können. Nein, andererseits hat diese Messe im Nachhinein einen faden Beigeschmack aufgrund der Ereignisse, von denen sicherlich die meisten inzwischen gehört haben. Warum diese Messe trotzdem besonders war & ich den Glauben an das Gute nicht aufgebe, könnt ihr im folgenden Beitrag lesen.

Die Schattenseiten der Frankfurter Buchmesse 2017

Es ist Mittwoch, der 18. Oktober, und ich schaffe es endlich einmal zumindest für den Anfang die ersten Gedanken zur Buchmesse niederzuschreiben. Einige Tage hat es gebraucht, um die gewaltsamen Ereignisse aufgrund der Anwesenheit von rechten Verlagen und Nazis auf der Frankfurter Buchmesse zu verarbeiten. Und allein die Tatsache, dass Gewalt auf der Buchmesse ausgeübt wurde, dass ich lesen muss BesucherInnen mit Migrationshintergrund hatten Angst durch eine Halle zu laufen, jagt mir einen Schauer über den Rücken.

Gewalt. Für mich bisher ein Wort, das ich glücklicherweise nur in Büchern lesen, in Filmen oder den Nachrichten sehen musste, von dem ich wusste, es existiert viel zu oft auf der Welt, aber nicht in meiner unmittelbaren Nähe. Bis jetzt. Seit der Frankfurter Buchmesse 2017 bin ich noch nachdenklicher geworden und spüre immer mehr den Drang, mich mitzuteilen. Ich war bisher ein eher unpolitischer Mensch. Ja, ich war zwar zu Studienzeiten aktiv bei Amnesty International, weil mir das einfach richtig erschien, etwas für Menschen zu tun, die große Ungerechtigkeit auf dieser Welt erfahren mussten. Ansonsten habe ich mich aber aus politischen Debatten meist rausgehalten – auch deshalb -, weil ich das Gefühl hatte, mir fehlen dazu notwendige Informationen. Es war für mich ok, die politische Welt als stille Beobachterin zu verfolgen.

Was tun in den Zeiten von heute?

Ich hatte (und habe immer noch) meine Meinung und Vorstellung von der Welt und wie sie sein sollte, nämlich gerecht für jeden Menschen egal welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe, Herkunft, welcher religiösen Zugehörigkeit oder sonstiger Dinge, die herangeführt werden, um Menschen in Klassen, Kasten oder in andere herab-würdigende Wertsysteme zu zwängen. Und genau das habe ich versucht jeden Tag zu leben, im Alltag und in besonderen Situationen – mal besser, mal schlechter.

Mich haben die Tumulte der Messe aufgeweckt. Denn was sich immer näher herangeschlichen hat, ist nun mit einem Wumms in meine Lebenswelt geraten. Schon seit Monaten beäuge ich den gesellschaftlichen Verlauf und das nicht zuletzt aus der Perspektive einer Frau, sondern eines Menschen, der ungläubig und zum Teil auch ängstlich dreinblickt über die Kaltherzigkeit und den Hass von Menschen gegen andere Menschen(-gruppen). Es hilft nicht mehr allein das Notwendige (wie Wählen zu gehen und möglichst gut zu den Menschen im eigenen Umfeld zu sein oder sich sozial zu engagieren), sondern Aktionismus ist gefragt. Sichtbarkeit für die „guten“ Stimmen zur Bejahung für das Menschlich-Sein und gegen rechte Gesinnung, Gewalt und ganz klar gegen Nazis. Für mich ist dieser Beitrag der erste (wenn auch sehr kleine) Schritt in diese Richtung.

Die Buchmesse: richtig oder falsch?

Ich will gar nicht darüber entscheiden, ob es nun gut oder schlecht war, dass die Buchmesse rechten Verlagen auf der Messe ein Forum geboten hat. Eine einfache Antwort darauf gibt es, glaube ich, nicht. Ich rechne ihr einen guten Willen an, einen Dialog herstellen gewollt zu haben und sehe auch, dass dies nicht funktioniert hat. Meinungsfreiheit ist eines der bedeutsamsten Menschenrechte, das wir haben. Die Würde des Menschen ebenso und die wurde und wird immer wieder mit Füßen getreten, von Leuten, die meinen mehr wert zu sein als andere. Es schmerzt mich und macht mich unendlich traurig. Es lässt mich erstarren innerlich wie äußerlich. Immer noch merke ich, wie sich in meinem Kopf Gedanken verknoten und oft mein Herz einspringen muss.

Die Lichtseiten der Frankfurter Buchmesse 2017

Frankfurter Buchmesse 2017 - Lisa und Brösel
Lisa von Schmetterlingsliteraturreise und die liebe Brösel (-:

Eigentlich wollte ich gar nicht mit den Schattenseiten, sondern den sonnigen, schönen Seiten der Buchmesse anfangen. Aber wie ihr seht, haben mich die düsteren Gedanken, die, die endlich rauswollten, nicht losgelassen. Aber trotz der extrem unerfreulichen und schockierenden Ereignisse auf der Messe, war die Frankfurter Buchmesse 2017 für mich auch ein wunderbarer Ort.

Frankfurter Buchmesse 2017 - Dagmar und Sandra
Dagmar (GeschichtenAgentin) & Sandra (Booknapping)

Die Menschen – live und in Farbe

Ich glaube noch auf keiner Messe sind so viele Leute auf mich zugekommen, weil sie mich erkannt haben und treffen wollten. Das hat mich unendlich gefreut. Besonders über die Begegnungen mit Friederike, die Buchbloggerin, und Lisa von Schmetterlingsliteraturreise habe ich mich riesig gefreut. Es waren diese spontanen Überraschungstreffen, die in mir ein kleines Glücksgefühl hervorgerufen haben. 

Frankfurter Buchmesse 2017 - Blogger united!
Brösel, Pinkfisch und Papiergeflüster aka Dani, Sarah & Simone!

Aber die geplanten Treffen waren nicht weniger besonders. Mit den beiden Damen Maike und Mareike von Herzpotenzial war ich nicht nur Abendessen – in gesellig-spontaner Runde u.a. von Malu & Sarah -, sondern unsere Wege haben sich mehrmals gekreuzt und unser erstes, gemeinsames Foto hat sich dann zum Glück auch noch schießen lassen (danke liebe Brösel!).

Frankfurter Buchmesse 2017 - Cross Cult
Neele von Cross Cult – endlich mal live gesehen!

Außerdem habe ich meine Comic-Kollegen am Cross Cult am Stand besucht und dort endlich Neele kennengelernt, mit der ich immer unsere Aktionen auf LovelyBooks via E-Mail bespreche. Ein paar feine Ideen für die nächsten Wochen stehen auch schon! (-;

Außerdem hatte ich die Gelegenheit die Autorin Nnedi Okorafor zu treffen und mir das neue Buch von ihr signieren zu lassen: „Das Buch des Phönix„. Das Mini-Comic-Bloggertreffen mit Simone (Papiergeflüster) und Sandra (Booknapping) hat auch am CC-Stand stattgefunden und es war einfach toll – (auch wenn mich die Kopfschmerzen leider schnell niedergestreckt haben) – @Sandra: Berichte mir, wie du „Lagune“ findest!!!

Frankfurter Buchmesse 2017 - Herzpotenzial
Herzpotenzial: Maike und Mareike

Die Bloggertreffen auf der Frankfurter Buchmesse 2017

Da ich dieses Mal (wie eigentlich meistens) nicht nur privat als Bloggerin auf der Messe unterwegs war, sondern auch beruflich (ihr wisst ja sicherlich inzwischen, dass ich auch in einem Verlag arbeite), habe ich mich mit Bloggertreffen relativ zurückgehalten.

Zeit für insgesamt drei ganz unterschiedliche Treffen war trotzdem: Cocktails trinken mit den Buchjournal-Bloggern, tolle Lesungen & das neue Programm beim Diogenes Verlag und ein Umtrunk am Stand vom Suhrkamp Verlag. Bei letzterem hatte ich auch noch die Gelegenheit Hanna und Ingrid von Buchsichten kennenzulernen. Sehr nett!

Buchjournal-Cocktailabend

Cocktails schlürfen? Gerne doch und immer. In geselliger Runde gab es beim Buchjournal am Messemittwoch nicht nur Cocktails, sondern sowohl Buchjournal-Blogger als auch die Blogger vom Deutschen Buchpreis. Es war eine gemütliche Runde, u.a. organisiert von der wunderbaren Kiki, die uns immer mit dem neuesten Buchjournal samt persönlicher Notiz versorgt! (Das letzte Goodie muss ich euch sogar noch zeigen – bald poste ich es auf Instagram!) Auf diesem Treffen gab es auch einen kleinen Goodie-Umschlag mit einem bunten Lesezeichenkalender, Hot-Dog-Gutschein und der Cocktail-Flatrate!

Diogenes-Bloggertreffen

Eigentlich gehört das jährliche Diogenes-Bloggertreffen auf der Frankfurter Buchmesse schon zum Pflichtprogramm. In einem extra Raum werden die Blogger dort von Susanne Bühler nicht nur mit Getränken und Knabbereien versorgt, sondern auch mit dem kommenden Verlagsprogramm. Mein Highlight waren die Ankündigungen zur japanischen Literatur (in GROSSBUCHSTABEN) —- ein neues Buch von meiner Lieblingsautorin aus Japan wird erscheinen: Banana Yoshimoto und das nächste Werk von Fuminori Nakamura, dem Autor von „Der Dieb„, das mich total begeistern konnte. Außerdem durfte ich noch ein Leseexemplar zu „Palast der Finsternis“ von Stefan Bachmann mitnehmen (und ich dachte schon, da gäbs keine mehr, weil es so ein beliebter Titel ist!)

Frankfurter Buchmesse 2017 - Diogenes
Susanne und ihre Kollegin erzählen vom kommenden Programm!

Nach der Programmvorstellung gab es dann noch zwei Lesungen, nämlich von Klaus Cäsar Zehrer zu „Das Genie“ und vom französischen Autor Grégoire Hervier zu „Vintage„. Beide Bücher passen nicht so ganz in meine Buchwelt, dennoch fand ich besonders Herrn Hervier sehr interessant. Er war zum ersten Mal auf der Frankfurter Buchmesse, obwohl er schon seit 10 Jahren schreibt.

Fun Fact: Was ich bisher nicht wusste ist, dass typische Lesungen, bei denen ein Autor liest, wohl nur in Deutschland so typisch sind. In Frankreich schlägt der Autor bei einer Lesung wohl erst gar nicht das Buch auf, um daraus zu lesen. Spannend, dass ein solches Konzept so „deutsch“ ist oder?  Grégoire Hervier jedenfalls fand es toll, genauso wie den nahen Kontakt zu uns LeserInnen!

Umtrunk beim Suhrkamp Verlag

Bei Suhrkamp hatte ich dann endlich die Gelegenheit, Demian Sant’Unione kennenzulernen, den Leiter für Online- und Lesermarketing bei Suhrkamp. Bereits seit ein paar Jahren standen wir hin und wieder in Kontakt, zuletzt für das Blogprojekt zum Ehrengast Frankreich, das ich mit Ramona von Kielfeder organisiert habe. Der Umtrunk war eine nette Zusammenkunft, die Wunschliste ist wieder etwas größer geworden und ich muss gestehen, der Suhrkamp-Stand gehört zu meinen liebsten Ständen auf der Messe. Er hat einfach so ein ganz bestimmtes Flair.

Alle meine Begegnungen kann ich hier überhaupt nicht festhalten, es war so toll ständig von A nach B zu huschen und dabei bekannte Gesichter wiederzusehen und das meist ganz überraschend.

Einer der größten Momente in meinem buchigen Dasein:
Margaret Atwood

Frankfurter Buchmesse 2017 - Margaret Atwood

Mein Buchmesse-Highlight habe ich euch aber noch gar nicht erzählt (nun gut, wer mir im Social Web folgt, dem schon ^^). Mein Ex-Kollege Markus hat mir einen der größten Momente auf der Frankfurter Buchmesse 2017 und in meinem bisherigen buchigen Dasein geschenkt: Er hat mich mitgenommen zum Pressegespräch mit Margaret Atwood. Und wie ihr sicherlich nachvollziehen könnt, bin ich ein großer Fan dieser kanadischen Schriftstellerin, die auch live einen Witz versprüht, der mich mehrmals zum Lachen gebracht hat. Frau Atwood ist clever, intelligent und humorvoll. Sie ist für mich ein ganz großes Vorbild, nicht nur, weil ihre Bücher einfach grandios und ihre Worte eine Sprachgewalt vermitteln, die mich beeindruckt. Sie ist Meinungsgeberin und politisch aktiv, eine starke Frau mit Herz.

Der Report der Magd – the Handmaid’s Tale

Natürlich ging es im Pressegespräch auch sehr viel um ihr derzeit wohl am meisten besprochenes Werk „Der Report der Magd“ (lesen!!). Eine Anekdote dazu, ist mir stark im Gedächtnis geblieben. Vor 30 Jahren hat Margaret Atwood diesen Roman geschrieben, um genau zu sein im Jahr 1984 (Orwell lässt grüßen), aber nicht irgendwo, sondern gerade in Westberlin nahe der Mauer. Wenn ich den Roman noch einmal zur Hand nehmen sollte (ja sollte ich!), dann werde ich ihn sicherlich ganz anders lesen. Denn dieser groß(artig)e literarische Moment ist einfach zu gut — <3

Frankfurter Buchmesse 2017 - Margaret Atwood
Margaret Atwood signiert mein Buch. <3

Und wer sich nun wundert, dass ich hier kein argumentativ stichhaltigen Bericht verfasst habe: Das war gar nicht mein Ziel. Ich wollte stattdessen einen Teil meiner Gedankenwelt festhalten, der mir wieder ein Stücken weiterhilft mich in dieser Welt zurechtzufinden und vielleicht auch ein Stückchen mutiger macht, weiterzugehen.


Bilder von der Frankfurter Buchmesse 2017

Nur sehr wenige, denn für Fotos war einfach nie genügend Zeit! (Ich gelobe Besserung und bis dahin hoffe ich, euch hat mein Bericht zur Frankfurter Buchmesse 2017 gefallen.)

Frankfurter Buchmesse 2017 - #BücherDJ bei VLB-TIX

Frankfurter Buchmesse 2017 - Mitbringsel

Wie war eure Frankfurter Buchmesse 2017? Was habt ihr mit nach Hause genommen (egal in welcher Form)?

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