Games-Review | The Last of Us 2

Ellie spielt Gitarre (The Last of Us Part 2)
Ellie spielt Gitarre (© Naughty Dog)

Neben Horizon Zero Dawn 2 war wohl The Last of Us Part 2 die von mir am meisten herbeigesehnte Spiele-Fortsetzung schlechthin. Letztes Jahr habe ich endlich nochmal The Last of Us: Remastered gespielt und im zweiten Durchgang auch endlich zu Ende gespielt. Seither war ich geradezu hibbelig, endlich Part 2 spielen zu können.

Gerade mal 24 Stunden habe ich insgesamt benötigt, um das Spiel durchzuspielen. Ich hab mir dennoch viel angeschaut (ich bin überzeugt davon!) aber das Spiel hat mich geradezu dazu gedrängt herauszufinden, wie die Story weitergeht. Denn die Story hat es in sich (und ich verrate nur wenig von ihr).

Die Story von The Last of Us 2

5 Jahre sind seit dem ersten Spiel vergangen als Ellie und Joel sich quer durch Amerika aufgemacht haben, um das Abenteuer ihres Lebens in einer postapokalyptischen Welt zu erleben. Am Ende haben sie sich in Jackson, Wyoming, niedergelassen und dort beginnt die Story von The Last of Us Part 2.

Jackson hat sich zu einer florierenden Stadt entwickelt. Jeder hat in der Gemeinschaft seine Aufgaben und es herrscht eine relative Sicherheit gegenüber der Außenwelt, die bevölkert ist von Banditen ebenso wie von Zombies, die von gefährlichen Pilzsporen befallen und ihres Verstandes beraubt worden sind.

Ellie ist inzwischen zu einer jungen Frau von 19 Jahren herangewachsen. Sie ist in die lebenslustige Dina verliebt, hat Freunde gefunden und kämpft innerlich immer noch mit dem, was Joel in Teil 1 getan hat. Denn die Wahrheit über Joels Handeln hat sie in den letzten Jahren herausgefunden und sie kommt nur schwer damit klar, dass mit ihrem Tod möglicherweise eine Heilung gegen den Pilzvirus hätte gefunden werden können. Deshalb rebelliert sie immer wieder gegen Joel und hält ihn auf Abstand, doch gleichzeitig ist Joel ihr immer noch sehr wichtig. Denn das, was sie erlebt haben, hat sie zusammengeschweißt. Niemand außer Joels Bruder Tommy, seine Frau Maria und Joel wissen von Ellies Immunität gegen den Pilz.

Ellie und Dina sprechen miteinander (© Naughty Dog)

Und dann passiert das Unsagbare …

Eines Tages taucht eine Truppe Fremder auf und es passiert etwas Schreckliches: Ellie verliert eine Person, die ihr sehr ans Herz gewachsen ist. Sie muss den Mord mit eigenen Augen ansehen und überlebt mit ein paar Blessuren. Diesen grausamen Mord kann Ellie nicht vergessen und sie schwört sich die Verantwortlichen zu finden und sich zu rächen. Ein Hinweis führt sie nach Seattle, einer Stadt, die von zwei verfeindeten Gruppierungen bewohnt ist und in der rohe Gewalt auf der Tagesordnung steht.

Wen Ellie verliert, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, es war jedenfalls einer der schlimmsten Spielmomente, die ich je erlebt habe (!!!!).

Die Gegner in The Last of Us 2

Die Infizierten

Bereits aus Teil 1 sind die folgenden Gegner bekannt: Runner, Stalker, Clicker, Bloater

Neu hingegen sind die Shambler. Wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer kommen, dann wird man meist eines Besseren belehrt. So auch hier: Die Shambler sind nochmal eine Stufe schlimmer als Bloater. Sie sind gigantisch, gepanzert und versprühen gasförmige Säure, die alles in ihrer Umgebung wegätzt und einem die Sicht nimmt.

Ground ZERO Gegner: In Ground Zero trifft man dann noch auf eine weitere Form neuer Infizierter. Hier möchte ich aber aus Spoiler-Gründen nicht zu viel verraten. Aber der Grundsatz Schlimmer geht’s immer, gilt auch hier. (-;

Die Menschen

Die Washington Liberation Front, WLF, ist eine schwerbewaffnete und gut ausgebildete Miliz. Die Woolfs sind eine Widerstandsgruppe aus der ehemaligen Quarantänezone Seattle, die gegen das US-Militär gekämpft und dieses letztendlich auch vertrieben haben. Sie sind in Besitz von schweren Waffen, sind äußerst gut organisiert und erschießen jeden ungefragt, der nicht zu ihnen gehört. Sie liegen mit den Seraphiten im Krieg.

Die Gruppe, hinter der Ellie her ist, gehört der WLFs an. In Seattle macht sich Ellie auf die Suche nach den Mitgliedern und findet mit jedem einzelnen ihr eigentliches Ziel: Abby.

Die Seraphiten-Sekte: Die Seraphiten sind religiöse Fanatiker, die sich Narben ins Gesicht ritzen, weshalb sie auch als „Scars“ bezeichnet werden. Sie huldigen einer Märtyrerin, von der man überall in Seattle Wandmalereien und Bilder oder Holzfiguren finden kann.

Die Gegner-KI konnte insgesamt auch wirklich überzeugen, sobald sich Ellie/Abby in einem Feindgebiet bewegen und die Gegner auf der Suche nach einem Eindringling sind, ist Vorsicht geboten, denn von einem entdeckt, wird sofort weiterkommuniziert, dass man gesehen wurde. Auch die Spurensuchhunde haben es in sich, wenn sie dem Besitzer sofort anschlagen, wenn sie eine Spur aufgenommen haben. Viel schleichen und gekonntes Ausschalten von Gegnern ist in diesem Spiel gefragt.

Ellie ist zu allem bereit (© Naughty Dog)

Überlebenskampf in Seattle: The Last of Us 2

Schwierigkeitsgrad: 

  • Sehr leicht: Einfach nur die Story genießen ohne herausfordernde Kämpfe
  • Leicht: Etwas herausfordernder, viele Ressourcen und die Gegner sind mäßig schwer zu besiegen
  • Mittel: ausgeglichenes Spielerlebnis. Die Ressourcen sind begrenzt und man muss sich gut überlegen, welche man herstellt oder schnell verballert.
  • Schwer: Nur sehr begrenzte Ressourcen, die Gegner sind ziemlich gefährlich
  • Überlebender: für die Hardcore-Gamer unter euch: Ressourcen: kaum vorhanden. Gegner: lebensgefährlich.

Wie immer habe ich mich für die goldene Mitte entschieden und war damit gut bedient. Ich musste manche Passagen mehrmals spielen, aber nicht allzu viele. Zwischendrin war es möglicherweise doch zu leicht, aber so konnte ich die Story genießen und mein Drang zu wissen, wie das Spiel endet war sehr sehr sehr hoch!

Außerdem ist es möglich den Schwierigkeitsgrad des Spiels individuell anzupassen. Hier gibt richtig viele Einstellmöglichkeiten, die ich vielleicht in meiner 2. Runde ausprobieren werde. Aber erst nachdem ich mich emotional von diesem Spiel erholt habe und das wird noch ein paar Monate dauern. (-;

Steuerung

An die Steuerung muss man sich tatsächlich erst wieder richtig gewöhnen. Besonders der Nahkampf verführt dazu die falschen Tasten zu drücken, aber hat man sich erstmal eingeruckelt mit der Steuerung, dann läuft das im Verlauf des Spiels ganz smooth.

Rückblick an Ellies Zeit in Jackson (© Naughty Dog)

Die Ausrüstung: Waffen

Besonders spannend fand ich, dass man die einzelnen Waffen an Werkbänken optimieren kann und Ellie bzw. Abby dafür richtig Hand anlegen und an ihren Waffen herumschrauben. Ich fand das deshalb so toll, weil es deutlich realistischer dargestellt wurde als bisher in jedem anderen Spiel, das ich gespielt habe. Normalerweise geht das immer ruckzuck und die Charaktere haben verbesserte Waffen. In TLOU 2 merkt man, dafür muss die spielende Figur einiges tun.

Über die Waffen hinaus ist es auch möglich die Charakterfähigkeiten auszuarbeiten und Schwerpunkte zu setzen, welche Eigenschaften der Figur verbessert werden sollen.

Ellies Waffen:

  • Kurzwaffen: Halbautomatische Pistole, Revolver
  • Langwaffen: Repetiergewehr, Pumpgun, Schallgedämpfte Maschinenpistole
  • Bogen
  • Sonstiges: Molotowcocktail, Schockbombe, Sprengfalle

Abbys Waffen:

  • Kurzwaffen: Militärpistole, Jagdpistole
  • Langwaffen: Halbautomatisches Gewehr, doppelläufige Schrotflinte, Flammenwerfer
  • Armbrust
  • Sonstiges: Rohrbombe

Die Grafiken von The Last of Us 2

Ich war schon sehr beeindruckt vom ersten Teil, mit Part 2 haben sich die Entwickler aber nochmal selbst übertroffen. Die Grafik ist grandios und der Detailgrad von Gebäuden, Wäldern, dem Wind der um die Gebäude weht, und auch Charakteren ist beeindruckend. Der Weg, den Ellie geht, ist hart und das sieht man ihr auch an. Man leidet mit ihr , wenn sie verletzt ist, blutet oder sich aus einem reißenden Fluss herauswindet, tropfnass und mehr tot als lebendig.

Von den Emotionen, der Mimik und der Gestik, ganz zu schweigen, die jede einzelne Szene in The Last of Us 2 transportiert. Die Kämpfe – besonders die Nahkämpfe – sind so real animiert, sie reißen einen regelrecht mit.

Die Hauptcharaktere von The Last of Us 2

Ellie

In Teil 2 von The Last of Us spielt man aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Zum einen natürlich Ellie, die sich auf einer Rachemission befindet und dabei einer Abwärtsspirale aus Gewalt und Hass begegnet. Seattle ist Kriegsgebiet. Hinter jeder Ecke können Gegner lauern, die ohne zu fragen auf einen schießen. Ellie wird mit jedem Schritt, mit jedem Getöteten, erbarmungsloser in ihrem Handeln. Sie sucht Abby aufs Bitterlichste. Sie ist bereit für ihr Ziel alle Menschen aus dem Weg zu räumen, die ihr im Weg stehen. Hat sie einst nur getötet, um zu überleben, tötet und foltert sie nun auch um Informationen zu erlangen. Sie ist fokussiert auf Abby, die ihr einen traumatischen Verlust hinterlassen hat und sie glaubt ihn nur überwinden zu können, indem sie ihr gleichermaßen heimzahlt, was sie getan hat.

Ellie am Ende ihrer Kräfte (© Naughty Dog)

Ellies Erzfeindin Abby

Was für mich dieses Spiel zu einer sehr krassen Spielerfahrung gemacht hat, ist die Tatsache, dass man Ellies Erzfeindin Abby spielt. Am Anfang hat man einen extremen Gegenwillen auch nur einen Schritt als Abby zu unternehmen, denn schnell wird eine klar: Sie muss diejenige sein, die Ellie auf den Weg bringen wird. Und zu Beginn ist Abby diejenige, die ein unaussprechlich grausames Verbrechen begangen hat, mach hasst sie und wünscht sich nichts sehnlicher als dass Ellie ihre Rache bekommt.

Doch die Spielstunden mit Abby sind viele und langsam aber sicher wendet ich das Blatt. Denn man erkennt: Abby ist auch nur ein Mensch. Ein Mensch mit einer Vergangenheit., der Verluste erlitten hat. Ein Mensch, dessen Herz gebrochen wurde, ein Mensch, der geprägt ist von einer grausamen Welt und der nichts anderes übrig geblieben ist als zu kämpfen, um zu überleben.

Abby auf der Hut (© Naughty Dog)

Und diese Konstellation macht das Spiel zu etwas Besonderem. Denn es geht darum, dass diese postapokalyptische Welt jeden einzelnen Menschen geprägt hat. Jeder Einzelne hatte Glück oder weniger Glück und der Weg, den wir gehen, ist nicht immer der Weg, den wir uns wünschen. Es gibt wenige, die tatsächlich nur böse sind oder nur gut. Menschen bestehen aus vielen Schichten und so auch die Figuren in The Last of Us Part 2.

Mein Fazit zu The Last of Us 2

The Last of Us 2 ist ein figuren- und storygetriebenes Spiel, das mich emotional echt an meine Grenzen gebracht hat. Als Spieler*in wird man automatisch früher oder später ganz tief in das Innenleben der Figuren hineingezogen. Denn man begleitet nicht nur Ellie auf ihrem Rachefeldzug, sondern findet auch heraus, warum Abby ihre schreckliche Tat begangen hat. The Last of Us Part 2 zeigt auf, was aus Menschen werden kann, die in einer tödlichen und jederzeit gewaltbereiten Welt leben und überleben müssen. Es zeigt auf, dass keiner dieser Menschen frei von Traumata ist. Die Welt, wie sie durch den Pilzvirus geworden ist, hat tiefe Wunden bei jedem hinterlassen. Durch Verluste, durch Gewalt, durch schreckliche Erlebnisse.

Und als Spieler*in muss man sich damit auseinandersetzen – genau wie die zu spielenden Figuren – was ist moralisch noch vertretbar, wann kippt das eigene Handeln und ist nicht mehr vertretbar mit den eigenen Zielen. Wann begeht man selbst Grausamkeiten, die einen unwiederbringlich verändern? Wer sind die Guten und wer sind die Bösen? Am Anfang hat man das noch ganz klar vor Augen, doch mit jeder Spielminute, in welcher man auch Abby und ihre kleine Truppe kennenlernt, gerät dieses Weltbild ins wanken.

Dieses Spiel ist fordernd. Es treibt einen an die eigenen Spielgrenzen, wenn man widerwillig Dinge tun muss, die man eigentlich gar nicht tun will. Es führt an die Grenzen des Ertragbaren und darüber hinaus. Ebenso wie die Charaktere zwischen Rache und blankem Überlebenswillen, tiefer Trauer, Verlust und Wut ihre Grenzen überschreiten. Und über allem schwebt immer die Frage „Wann ist der Moment erreicht, ab dem sie sich selbst verlieren?“.

  • Survival-Horror
  • Entwickler: Naughty Dog
  • erschienen: 2020
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https://www.youtube.com/watch?v=qPNiIeKMHyg
Trailer „The Last of Us 2“

2 Kommentare

  1. Dein Artikel ist ja leider nicht wirklich spoilerfrei. Gerade wenn du von den vielen Spielstunden / Waffengebrauch etc. mit Abby erzählst, vermiest du damit leider den Artikel und verrätst für all diejenigen, die sich Spoilerfrei informieren wollten, echt zu viel.

    1. Liebe Marie,

      das tut mir sehr Leid, dass der Artikel für dich nicht spoilerfrei ist. Hätte nicht gedacht, dass man das als Spoiler ansieht, da ich das in jede meiner Games.-Reviews einbaue. Ich ergänze gerne, dass mein spoilerfrei nur für die Story gilt.

      Viele Grüße
      Ramona

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