Games-Review: The Medium (PC)

Marianne aus The Medium
Marianne (© Bloober Team)

“The Medium” habe ich extra für meinen Horror-Freitagsstream auf Twitch gekauft! Der Anfang war auch wirklich sehr vielversprechend, während das Spiel dann leider eine harte Wendung nahm, die sich Bugs nennt und damit im Stream zuletzt unspielbar wurde. Nichtsdestotrotz möchte ich euch heute ein Thirdperson-Psycho-Horrorgame vorstellen, das ohne Bugs durchaus interessant sein könnte. (Ich habe es Off-Stream auch zu Ende gespielt.) Aber beginnen wir am Anfang …

Die Story von The Medium

Hauptfigur des Spieles ist Marianne, die eine besondere Fähigkeit besitzt: Sie ist ein Medium, das in die spirituelle Parallelwelt reisen kann und dort u.a. Verstorbenen den Weg ins Licht weist, die sich verirrt haben.

Doch mit dem Tod ihres Ziehvaters erhält sie den Anruf eines Unbekannten. Dieser versetzt sie in Staunen: Angeblich gibt es noch jemanden wie sie, der die Geisterwelt betreten kann. Doch dieser jemand hat Angst vor der immer größer werdenden Dunkelheit und bittet Marianne um Hilfe.

Mit nur wenigen Informationen macht sich Marianne auf den Weg nach Niwa, einem alten und verlassenen Resort, tief im Wald verborgen und mit einer düsteren Vergangenheit. Denn in Niwa hat sich einst ein brutales Massaker ereignet, Auf dessen Spuren begibt sich Marianne. Und gerät dabei gleichzeitig in ungeahnte Verwirrungen zwischen Realität und Geisterwelt. Wer ist der Fremde Thomas wirklich und welche Verbindung hat er zum Resort und dem Unglück, das dort geschah?

The Medium – Zwischen Realität und Geisterwelt

Und hier kommt der erste Clue aus Spielendensicht, der mich wirklich gleich zu Beginn des Games begeistern konnte: Der Wechsel in die Geisterwelt ist nicht immer ein Hin und Her, sondern häufig erlebt man ein Screensplitting und Mariannes Selbst in der Realität und ihr geisterhaftes Selbst in der anderen Welt. Sowohl hier als auch dort kann sie dann durch Räume gehen, sich verschiedene Gegenstände anschauen, die je Welt anders aussehen. Und sie muss Rätsel lösen, um weiter in die Geschichte von Niwa eintauchen zu können. Die Rätsel sind recht einfach gehalten. An der einen oder anderen Stelle bleibt man vielleicht etwas hängen, aber grundsätzlich sind diese recht easy zu knacken und erfordern kein besonderes Rätsel-Können der Spielenden. Überall findet sie Hinweise auf die brutalen Ereignisse vor einigen Jahren, aufgrund derer das Resort geschlossen wurde. Überall klebt Blut und liegen noch Habseligkeiten der ehemaligen Bewohner herum.

Marianne hört immer wieder Echos, die in Gegenständen versteckt sind. Das sind quasi Rufe aus der Vergangenheit, Erinnerungen von Personen, die sich in diesen Dingen gespeichert haben. Marianne kann diese mittels ihrer medialen Fähigkeiten abrufen. Manchmal läuft einem bei diesen Echos ein kalter Schauer über den Rücken. Denn die Geschehnisse in Niwa waren von wirklich außerordentlich schrecklicher Natur.

Marianne in den 2 Welten (The Medium)
Marianne in den zwei Welten (© Bloober Team)

Die Gegner in The Medium

„The Medium“ ist ein storybasiertes Spiel, das sich insgesamt darum dreht die Geschichte des Resorts und seiner Bewohner sowie Mitarbeitenden zu entschlüsseln – und natürlich die von Marianne. Ein paar wenige Gegner gibt es dennoch für unsere Hauptfigur. Mit diesen gibt es an der einen oder anderen Stelle durchaus etwas Gruselstimmung. Aber wirklich gruselig ist das Spiel ansonsten nicht. The Medium ist also durchaus für Gamer:innen geeignet, die vor echten Horrospielen (wie Resident Evil, Layers of Fear oder Outlast) zurückschrecken.

Das Monster im Resort:

In der Geisterwelt lauert ein nach menschlichen Körpern dürstendes Monster, das die Welt der Geister verlassen will. Denn nur mit einem lebenden Körper kann es in der Menschenwelt existieren und möglichst viel Schaden anrichten. Es ist groß und hässlich und kann Marianne riechen, die durch ihren Medium-Status etwas Besonderes zu sein scheint. Vielleicht ist sie genau der richtige Körper, um in der menschlichen Welt länger zu existieren als andere Menschen und Tiere?

Die Motten in der Geisterwelt:

Riesige Mottenschwärme treiben sich in der Geister-Parallelwelt umher, die Marianne töten können, wenn sie sich zu lange in ihnen befindet. Mit dem Energielicht, das sie absorbiert, kann sie ihnen aber Herrin werden und einen Schild erzeugen, der sie unantastbar macht. Eine echte Gefahr stellen die Motten daher nicht wirklich dar.

Das Ding, das Unsagbares getan hat:

Zu diesem möchte ich an dieser Stelle nicht wirklich etwas verraten, weil hier zu viel von der Story verraten wird!

Schwierigkeitsgrad:

Gibt keinen zur Auswahl.

Steuerung:

Die Steuerung ist recht intuitiv und für PC-Gamer:innen keine echte Herausforderung. Was hingegen doch herausfordernd war, ist der Perspektivwechsel während des Laufens. So läuft man schnell mal rückwärts, weil die Kameraperspektive sich verändert hat und man damit eine andere Taste zum geradeaus weiterlaufen drücken muss. Das bekommt man während des Spiels dann ganz gut raus, richtig smooth „läuft“ es sich damit aber dennoch nicht.

Hier und da zeigen sich aber auch weitere Schwächen, die doch auch irgendwie stören: in der Geisterwelt muss man immer wieder Tierhäute durchschneiden, die den Weg versperren. Und das geht ganz schön langsam mit dem Messer, das man mit der Maus immer weiter und weiter nach unten ziehen muss – ein ganz schönes Maus-Geruckel ist das!

Die Ausrüstung in The Medium:

Ich gehe an dieser Stelle nur auf Mariannes “Waffen” ein, da sie der Main-Charakter des Spiels ist. Wirkliche Waffen besitzt sie nicht. Allerdings kann sie nicht nur die Geisterwelt sehen oder diese betreten, sondern ihre medialen Fähigkeiten ermöglichen ihr noch einiges mehr:

  • Das Echo der Vergangenheit: In Gegenständen sind Echos aus Erinnerungen von Personen gespeichert, die sie abrufen kann
  • Astralkörper: In der Geistewelt kann sich Marianne auch von ihrem Körper loslösen und somit Hindernisse überwinden, die sie eigentlich nicht durchqueren kann (denn sie kann sich nur dort hinbewegen wo sie sowohl in der Realität als auch in der Geisterwelt hingelangt).
  • Manche Erinnerungen sind so stark, dass sie Marianne in der Geisterwelt absorbieren  und somit als Energie abspeichern kann. Damit kann sie dann in der realen Welt Elektrizität erzeugen oder sich in der Parallelwelt vor riesigen Mottenschwärmen schützen, die dort lauern.
  • Geisterhafter Blick: mit diesem kann Marianne die Echos aktivieren, aber ebenso in der realen Welt Gegenstände aufspüren, die versteckt sind.
  • Außerdem erhält Marianne immer wieder Gegenstände, die sie einsetzen oder kombinieren kann (diese halten sich aber tatsächlichen Grenzen).

Charaktere in The Medium

Neben der Hauptfigur Marianne spielt man zeitweise auch Geister-Thomas in der Parallelwelt. Wo der echte Thomas ist, bleibt bis zum Schluss ein Geheimnis. Mit ihm erlebt man aber nochmal eine andere Perspektive und ein paar weitere mediale Fähigkeiten.

Geister-Thomas aus The Medium
Geister-Thomas in der Geisterwelt (© Bloober Team)

Die Grafik von The Medium

Die Grafik hat mir wirklich gut gefallen. Besonders das Gegenüberstellen von realer Welt und Geisterwelt fand ich persönlich richtig gelungen und auch einfach spannend anzusehen, wie sehr sich diese Welten doch unterscheiden und wie sie durch die Ereignisse von damals beeinflusst wurden.

Das heruntergekommen und verlassene Niwa ist sehr atmosphärisch gestaltet und selbst wenn man keine Echos aus der Vergangenheit hätte: allein die Gestaltung des Ortes zeugt davon – hier ist etwas Schreckliches Geschehen. Definitiv ein gruseliger Ort!

Mein Fazit zu The Medium

Ich glaube die Spielemacher hatten eine wirklich tolle Idee für „The Medium“. Deren Umsetzung ist aber an einigen Stellen doch leider eher misslungen. Zum einen wäre da natürlich der Bug, dass das Spiel gegen Ende einfach abstürzt und so nicht mehr spielbar im Stream war. Auch habe ich von Freunden gehört, dass Spieleabstürze bei ihnen ganz ohne Stream vorkamen.

Ohne Stream hab ich es dann wieder zum Laufen gebracht. Bei einem gut programmierten Spiel sollte das aber natürlich nicht der Fall sein. Was das bedeutet, überlasse ich eurer Phantasie. Außerdem gab es Tonprobleme: Immer wenn man stirbt oder neu ins Spiel hineingeht, war der Ton einfach weg. Und zwar musste man ihn immer (!) wieder über die Einstellungen aktivieren (was besonders in Verfolgungsszenen doof war).

Die Komplexität der Story

Die Geschichte ist recht kompliziert und die Bruchstücke, setzen sich nur langsam zu einem vollständigen Bild zusammen. Wer ist Thomas? Wer ist Richard? Und was hat es mit der kleinen Sadness auf sich, die als Geistermädchen durch Niwa wandert?

Es hätte eine wirklich spannende und ja – auch gruselige – Story sein können. Doch die Macher haben sich auf ihrem Weg die Komplexität der Geschichte noch zu steigern einfach verstrickt: Antisemitismus und Missbrauch sind zentrale Themen, die – wie ich finde – einen argen Beigeschmack haben. Denn für diese Story wären sie einfach überhaupt nicht notwendig gewesen. Nicht nur dienen sie zum Teil als Erklärung für das „Böse“ was jemand gemacht hat; nämlich weil er in seiner Kindheit Gewalt erfahren hat. Allein durch die Existenz der Geisterwelt hätte man sich hier gut auch eine andere Begründung ausdenken können, die logisch gewesen wäre. Dieser fade Beigeschmack bleibt auch irgendwie während des restlichen Spiels bestehen und die einstige Neugierde auf die Wahrheit weicht einem drängenden Bedürfnis der Hoffnung, dass es doch noch eine Wendung in der Story gibt … leider vergeblich.

Lobenswert erwähnt sein sollte an dieser Stelle zumindest, dass es am Anfang des Games eine Triggerwarnung gibt.

Und nicht zuletzt fand ich an Marianne doch recht irritierend, dass sie bei all dem, was ihr im Resort Niwa passiert, sie kein bisschen erschrocken wirkt. Sie macht einfach immer weiter, ist davon getrieben herauszufinden, ob vielleicht auch sie etwas mit den damaligen Ereignissen zu tun hat, da sie eine Waise ist und ihre biologischen Eltern nicht kennt. Aber ohne Waffen, ohne echte Verteidigungsmöglichkeiten geht sie einfach immer tiefer in den Schlamassel hinein und – das fand ich wenig nachvollziehbar – sie erwähnt kein einziges Mal, dass sie vielleicht doch einfach umkehren und gehen sollte.

Tolle Spielidee!

The Medium“ hätte ein wirklich richtig gutes Spiel werden können, leider ist die Kombination aus Bugs und misslungener Storyerklärung doch too much, um es wirklich empfehlen zu können. Wirklich spooky kann man es auch nicht nennen. Es hat zwar ein paar Horror-Elemente, aber wirklich kämpfen muss man nicht, um diesem Horror zu entkommen – es passiert also sehr viel eher im Kopf und den Erwartungen des Spielenden. Es braucht nur ein paar glückliche sowie einfache Tastenkombinationen und man erzielt den gewünschten Spielfortschritt.

  • Psycho-Horror-Game
  • Entwickler: Bloober Team
  • erschienen: 2021
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https://youtu.be/ve5QM0d9fP4

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