Rezension | Hoffmann, E.T.A.: Der goldene Topf

Details:

Originaltitel: Der goldne Topf
Genre: Märchen
Reihe: –
Gattung: Erzählung
Verlag: Suhrkamp ( 2002 )
Seiten: 107 ( mit Anhang 157 )

Wie ich zu dem Buch gekommen bin: E.T.A. Hoffmann gehört zu meinen Lieblingsautoren, außerdem ist das Buch wichtig für meine Abschlussarbeit…

Klappentext: »Man mag von mir denken, was man will, man mag mich für einen Narren halten oder nicht – genug! – an dem Türklopfer grinzte mir das vermaladeite Gesicht der Hexe vom schwarzen Tore entgegen; was nachher geschah, davon will ich lieber gar nicht reden.« E.T.A. Hoffmann, Der goldene Topf

Inhalt und Aufbau: Der Student Anselmus ist von Natur aus der Schusseligkeit verfallen, was sich in seinem alltäglichen Leben widerspiegelt. Als er Äpfel und Kuchen eines alten Weibes umstößt, beschimpft diese ihn und sagt ihm – während er flieht – voraus, dass er bald „ins Krystall“ fallen wird.

Als er nach diesem Vorfall im Wald landet, kommt er an einem Holunderbusch vorbei, an dem es singt und klingt und wuselt. Er hört verlockende Mädchenstimmen und sieht drei goldengrüne Schlänglein im Busch. Eine von ihnen hat tiefblaue Mädchenaugen, die ihn verzaubern. Doch eine unbekannte Männerstimme sorgt dafür, dass die Schlangen verschwinden und Anselmus ist allein, kein Krystallklingeln und auch sonst kein Zwischen bleibt zurück. Als eine bürgerliche Familie vorbeikommt, erklärt sie ihn für betrunken, da er den Holunderbaum umklammert hält.

Durch Glück erhält Anselmus eine Anstellung als Kopierer – denn er ist ein guter Schreiber – beim Archivarius Lindhorst. Als er am verabredeten Tag dort erscheint, verwandelt sich der Türklopfer in das Äpfelweib vom schwarzen Tor und im nu sieht sich der Student in einem wahren Albtraum wieder. Er erwacht erst im Haus des Konrektors Paulmann, der zufälligerweise dort vorbeikam und den bewusstlosen Anselmus fand.

Zwar vergisst Anselmus diesen Vorfall ziemlich schnell wieder, doch etwas Unbekanntes zerrt an seinem Inneren. Als er eines Tages auf den Archivarius trifft, erzählt er ihm alles, was geschehen ist – schließlich ist er nie zum verabredeten Termin erschienen – und dieser klärt ihn auf: Die drei reizenden Schlänglein sind seine Töchter und in eine von ihnen hat sich Anselmus verliebt, doch kann das wirklich wahr sein? Außerdem gibt es da noch eine andere Frau, Mamsell Viktoria, die viel für den Studenten empfindet.

Meine Meinung:

Hoffmanns Märchen habe ich jetzt schon zum zweiten Mal gelesen, diesmal zwar weniger zum Spaß und mehr aus literaturwissenschaftlicher Sicht, aber dennoch bietet die Erzählung viel Unterhaltung. Neben den unendlich vielen Zeichen über Edelsteine, Spiegel und Zaubertränke, besteht dieses Märchen aus zwei Ebenen. Der „Realität“ und dem wunderbaren Reich Atlantis, aus dem der Archivarius Lindhorst stammt und sein Schicksal ihn in die menschliche Welt verbannt hat, dorthin, wo die Menschen es verlernt haben die Sprache der Natur zu verstehen. Anselmus ist kein wirklicher Held, er ist schusselig und verliert sich sofort in den wunderschönen blauen Augen einer Schlange. Von den Bürgern wird er deshalb für verrückt gehalten, denn wer glaubt schon daran, dass Lindhorst ein Salamander ist, der verbannt wurde und dessen drei Töchter goldengrüne Schlangen sind? Hoffmann versteht es wie kein anderer mit Worten Traum und Wirklichkeit verschwimmen zu lassen. Dieses Werk bietet so viele Interpretationsmöglichkeiten, dass ich gar nicht weiß, ob ich überhaupt je alle herausfinden kann. Daher 5 von 5 möglichen Sternen.

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