Jahresstatistik 2017: Gute & schlechte Bücher

 

Jahresrückblick 2017

Es war ein wirklich gutes Bücherjahr 2017. Das möchte ich gerne vorweg nehmen und gerade deshalb ist die Auswahl meiner Buchtipps aus dem Jahr 2017 auch gar nicht so einfach gewesen. Die Auswahl der eher schlechten Bücher oder die Bücher, die mich einfach enttäuscht haben, war dafür gar nicht schwer. Denn von denen gibt es nicht viele. Aber lasst euch überraschen!

Gelesene Bücher 2017: 98


Meine Buchtipps aus 2017:

„Gott ist nicht schüchtern“ von Olga Grjasnowa

Buchtipps 2017_Gott ist nicht schüchternGott ist nicht schüchtern“ ist ein Roman, der mich schlichtweg einfach umgehauen hat.

Ja, Olga Grjasnowas Roman ist Fiktion und doch stecken zwischen diesen Buchseiten so viele reale Momente der syrischen Revolution, eines kriegerischen Konflikts; der Gewalt zwischen Menschen. Was können Menschen einander antun? Zu was ist der Mensch in der Lage, wenn er nur eine Motivation hat, die für ihn richtig erscheint? Brutale Momente: Folter, Gewalt, Vergewaltigung. […] Viel gewaltiger erscheint aber aus meiner Perspektive das Aufeinanderprallen der gewaltsamen Ausschreitungen der Revolution und Hammoudis Kontakt über Social Media zu seinen westlichen Freunden. Die Normalität Europas und der Zerfall Syriens; die Zerstörung von unzähligen Leben und die Zur-Schau-Stellung von bedeutungslosen Facebook-Posts im Westen.

Meine Rezension zu „Gott ist nicht schüchtern


„Das Leben nach Boo“ von Neil Smith

Buchtipps 2017_Das Leben nach BooEin spannendes und zugleich überraschendes Gedankenexperiment über ein sehr ernsthaftes Ereignis, einen Amoklauf, und dessen Konsequenzen – Freundschaft, Wahrheit und Toleranz.

Wie könnte das Leben nach dem Tod aussehen? Neil Smith kreiiert eine mögliche Welt, in der sich das Nachleben zumindest für die nächsten 50 Jahre nach dem Tod abspielen könnte. Eine Art Zwischenwelt zwischen den Lebenden und dem, was danach kommt. Denn jeder Teenager verweilt 50 Jahre in der Stadt bevor er spurlos verschwindet. Bis zu diesem Tag bleiben alle 13 Jahre alt, körperlich, auch wenn sie im Geiste altern. Aber der Autor geht noch weiter, eröffnet mehrere Ebenen in seiner Geschichte, von der die Freundschaft nur ein weiteres Thema ist. Denn die Wahrheit spielt ebenfalls eine große Rolle in „Das Leben nach Boo“.

Meine Rezension zu „Das Leben nach Boo


„Metro 2034“ von Dmitry Glukhovsky

Buchtipps 2017_Metro 2034Der zweite Band – den ich doch längere Zeit nach Band 1 „Metro 2033“ gelesen habe – hat ich noch mehr umgehauen. Ich bin so tief in die Welt der Metro eingetaucht. Es war spannend und aufregend. Besonders der Fokus auf einen Charakter auf Band 1 und dessen Geheimnisse hat dem Buch eine weitere wichtige Ebene verpasst!

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart schwankt „Metro 2034“ und dieses Kontrastbild ist bedrückend und gleichzeitig hält es dem Leser die krasse Veränderung zwischen der einstigen menschlichen Welt und der Welt nach der Katastrophe vor. In dieser ist der Mensch nicht mehr an der Spitze der Evolution. Und Dmitry Glukhovsky geht in „Metro 2034“ noch einen Schritt weiter, indem er die Frage aufwirft „Was ist ein Menschenleben wert?“. Und wann ist das Töten von einigen Menschen gerechtfertigt, um die restlichen Bewohner der Metro zu retten?

Meine Rezension zu „Metro 2034


„Giants – Sie sind erwacht“ und „Giants – Zorn der Götter“ von Sylvain Neuvel

Buchtipps 2017_Giants Sie sind erwachtBuchtipps 2017_Giants Zorn der Götter

Tagebucheinträge, Interviews, Berichte – daraus besteht Sylvain Neuvels Giants-Reihe. Aber nicht nur das Konzept der Bücher konnte mich bei dieser Roboter-Science-Fiction-Reihe überzeugen: die Figuren sind ebenfalls vielschichtig gezeichnet.

Sylvain Neuvels Debüt ist beachtlich, denn er hat nicht nur eine tolle Idee mit den „Giants“ und ihrer Herkunft […], sondern er vermischt auf gekonnte Art und Weise viele Ebenen miteinander. Macht und Kontrolle, Wissenschaft und Neugierde, Ehrgeiz, Gehorsam und Treue sind zentrale Elemente dieses Buches, welches ein Netzwerk aus unterschiedlichsten Verbindungen erzeugt.

Meine Rezension zu „Giants – Sie sind erwacht

Meine Rezension zu „Giants – Zorn der Götter


„The Hate U Give“ von Angie Thomas

Buchtipps 2017_The Hate U Give Ein Hype-Buch, das seinem Hype wirklich gerecht wird. Eigentlich meide ich solche Bücher, aber an diesem Buch über Rassismus bin ich dann doch nicht vorbeigekommen und ich bin so froh es gelesen zu haben: aufrüttelnd, bewegend und wichtig!

Manche Bücher sorgen dafür, dass wir zu besseren Menschen werden. Dazu zähle ich auch „The Hate U Give“ von Angie Thomas. Es ist ein schamlos ehrliches Buch mit einer Protagonistin, die zwischen zwei Welten gefangen ist. Sie erlebt eines der schlimmsten Dinge: willkürliche Polizeigewalt und befindet sich plötzlich im Mittelpunkt einer Hetzjagd, auch wenn ihr Name aus den Medien gehalten wird. Sie muss vor ihren Freunden leugnen, dass sie Khalil kannte, um die Vorurteile und den Schmerz, den sie hat, nicht öffentlich auszubreiten, um nicht angreifbar zu sein.

Meine Rezension zu „The Hate U Give


„Illuminae“ von Amie Kaufman & Jay Kristoff

Buchtipps 2017_Illuminae Es hat mich Monate gekostet, um „Illuminae“ zu lesen. Warum steht des dennoch bei meinen Buchtipps? Weil es einfach grandios ist. Ich hab es relativ frühzeitig abgebrochen – nicht bewusst, sondern ich hatte dann einfach Lust auf andere Bücher. Als ich nach einer längeren Pause aber dann wieder angefangen habe dieses Buch weiterzulesen, war ich hin und weg. Ich war so gespannt, wie es weitergeht und welche Überraschungen die Autoren noch so bereit halten. Denn Überraschungen gibt es jede Menge in „Illuminae„.

Allein das Konzept und die Aufmachung des Buches ist einmalig und faszinierend. Der Fokus liegt immer auf den Figuren und man bekommt als ein Leser der „Illuminae-Files“ die Ereignisse um den Angriff auf Kerenza und die Flucht der Überlebenden in Raumschiffen hautnah mit. Spannung und Figurentiefe gepaart mit einem Science-Fiction-Setting. Was will ich persönlich mehr?


„Palast der Finsternis“ von Stefan Bachmann

Buchtipps 2017_Palast der Finsternis Von Stefan Bachmann hab ich bereits „Die Seltsamen“ und „Die Wedernoch“ gelesen. Bücher, die tolle, phantasiereiche Ideen beinhaltet haben. Doch immer hat noch der Funke gefehlt, dass sie einfach großartig sind. Sie waren irgendwie noch nicht ganz vollständig. Mit „Palast der Finsternis“ hat Stefan Bachmann diesen Schritt geschafft. Ich liebe dieses Buch! Es ist voller spannender Elemente, eine Mischung aus Horror, Fantasy und Abenteuerroman.

Was macht ein gutes Buch aus? Die Story muss stimmen, aber noch wichtiger sind mir die Figuren und dieses Mal – auch wenn Anouk am Anfang doch eher unsympathisch war – hat Bachmann es geschafft ihnen mehr Tiefe zu verleihen. Sie sind vielschichtig, nicht immer sympathisch, aber doch so sympathisch, dass man auch ihr Handel verstehen kann und sie Handeln – ein ganz wichtiger Punkt.

Ein düsteres und unterirdisches Labyrinth, ein bisschen geisterhaft, sehr spannend und auf der Linie zwischen Wirklichkeit und Fiktion.


„Der weite Raum der Zeit“ von Jeanette Winterson

Buchtipps 2017_Der weite Raum der ZeitDas Buch, das mich 2017 wohl am meisten überrascht hat: „Der weite Raum der Zeit“ war sprachlich und inhaltlich eine absolute Überraschung von mir. Es ist Teil des Projekts #Shakespeare400 und war bisher das beste von allen Shakespeare-Adaptionen (aber noch fehlt mir ja Margaret Atwoords Roman ^^).

Jeanette Wintersons Roman „Der weite Raum der Zeit“ ist ein spannendes Buch, denn es besteht aus mehreren Ebenen und hat tiefgründige Figuren. Keine von ihnen ist schwarz oder weiß, gut oder böse, sie alle sind eine graue Mischung – abgesehen vielleicht von Wintersons Liebespaar, die durch ihre Jugend in das Chaos ihrer Familien hineingeboren wurden. Aber von einer klassischen Liebesgeschichte kann bei „Der weite Raum der Zeit“ nicht die Rede sein, denn Winterson verpackt ihren Roman in ein Familiendrama in der Vergangenheit und lässt die Figuren in der Gegenwart aus dem angerichteten Chaos herauskriechen – jede auf ihre Art.

Meine Rezension zu „Der weite Raum der Zeit

„Der Dieb“ von Fuminori Nakamura

Buchtipps 2017_Der DiebIch liebe die japanische Literatur und bin umso glücklicher, dass ich 2017 diesen Autor neu entdeckt habe: Fuminori Nakamura. Sein Roman „Der Dieb“ hat so einen atmosphärischen Sog  – einfach richtig toll!

Mit „Der Dieb“ hat der japanische Autor Fuminori Nakamura einen atmosphärischen Roman verfasst, der sich mit der düsteren Seite Tokios beschäftigt. Dort, wo illegale Dinge geschehen, Erpressung, Mord und Überfälle geplant und durchgeführt werden. Das Innenleben des Diebes steht dabei im Fokus und dieses Suchen nach dem eigenen Existenzgrund,  der Balance zwischen seinem Leben und dem Leben der anderen Menschen, das Wühlen in der Vergangenheit erschafft eine düstere Atmosphäre, von welcher das Buch lebt. Mit jeder Seite rutscht die Hauptfigur tiefer in die Vergangenheit aber gleichzeitig auch tiefer in die Gegenwart hinein und der Leser wird mitgezogen auf den Straßen Tokios.

Meine Rezension zu „Der Dieb


„Als ich Amanda wurde“ von Meredith Russo

Buchtipps 2017_Als ich Amanda wurde Für Meredith Russos Roman habe ich bisher noch nicht die richtigen Worte gefunden, weshalb es bisher auch noch keine Rezension dazu gibt. Aber die will ich auf jeden Fall noch schreiben, denn mich hat das Buch echt von sich überzeugt.

Amanda wurde als Andrew geboren. Schon sehr früh hat er bemerkt, dass er eigentlich eine sie ist, auch wenn sein Vater ihn immer wieder in die Richtung von „Männer- oder Jungssachen“ geschoben hat. Die Handlung setzt ein, als aus Andrew bereits Amanda geworden ist. Sie wechselt die Schule, zieht zu ihrem Vater – denn ihre Eltern sind inzwischen geschieden – und will als Mädchen ein neues Leben beginnen, fern von dem Ort, an welchem ihr Schlimmes widerfahren ist.

Amanda will das Leben voll auskosten. Endlich in der Gestalt für ihre Umwelt sichtbar, welche sie innerlich schon immer hatte. Meredith Russo beschreibt auf einfühlsame Art und Weise Amandas Wesen, ihr Leben und auch ihre Vergangenheit mittels Rückblicken. Eine Geschichte, die mich immer noch rührt und beeindruckt.


„Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Patrick Ness und Siobhan Dowd

Buchtipps 2017_Sieben Minuten nach MitternachtNeuen Schwung hat dieses Buch sicherlich durch die Verfilmung im Kino erhalten. Die habe ich tatsächlich noch nicht gesehen, ich habe sie aber zum Anlass genommen endlich dieses viel gelobte Buch zu lesen. Und ja, ich kann all die Lobeshymnen auf dieses Buch verstehen. Besonders wenn man selbst einen geliebten Menschen durch Krebs verloren hat, versteht man „Sieben Minuten nach Mitternacht“ noch viel besser. Ich habe Rotz und Wasser geheult. Eigentlich reicht das schon als Aussage für die Qualität des Buches, denn nur sehr wenige Bücher bringen mit zum Weinen!

Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist ein Buch, das sich direkt in mein Herz gebohrt hat und dort für immer einen Platz haben wird!


„Unorothodox“ von Deborah Feldman

Buchtipps 2017_UnorthodoxNicht zuletzt möchte ich euch auf ein ganz großartiges Buch hinweisen! In „Unorthodox“ erzählt Deborah Feldman, wie ihre Kinderheit und Jugend in einer chassidisch-jüdischen Gemeinde in Williamsburg ausgesehen hat. Welche radikalen Erziehunsgmethoden sie erlebt hat, welcher Druck auf jedem Einzelnen in einer solchen radikalen Gemeinschaft lastet, erzählt sie in einer derart poetischen Sprache, dass ich nicht nur auf den Inhalt der autobiographischen Erzählung hinweisen muss, sondern auch auf die Sprachkunst der Autorin.

Deborah Feldman hat mich mitgenommen auf eine Reise in ihre Vergangenheit, die besonders faszinierend ist, wenn man weiß, dass sie heute eine Aussteigerin aus dieser Gemeinschaft ist und als Autorin mit ihrem Sohn in Berlin lebt. Eine Rezension habe ich zum Buch noch nicht gefasst, weil mir meine eigenen Worte diesem Werk bisher noch nicht gerecht wurden – ich hole das aber definitiv nach!


Bücher, die mich 2017 enttäuscht haben:

„Die fünfte Welt“von Raoul Schrott

Buchenttäuschungen 2017_Die fünfte Welt Dieses Buch habe ich in einer Buchhandlung entdeckt und dachte mir: vielleicht ist das ein kleiner Buchschatz.

Allerdings war die Leseerfahrung eher ernüchternd. Eine Rezension dazu habe ich mir sogar ganz gespart. Ein literarisch-weltliches Abenteuer habe ich erwartet und doch konnte mich Raoul Schrott nicht auf diese Reise mitnehmen. Ich war geistig völlig losgelöst von seinen Erzählungen und blieb einfach am Startpunkt zurück. Besser beschreiben kann ich es nicht. Viel übrig geblieben ist von diesem dünnen Büchlein leider nicht – außer das traurige Gefühl, dass diese Buchentdeckung in der Buchhandlung hätte bleiben können.

Wirklich schade, weil ich gerne fremden Welten durch Buchseiten entdecke.

Was war eure letzte Enttäuschung, die ihr bei einem Buchladen-Bummel entdeckt habt?


„Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ von Walter Moers

Buchenttäuschungen 2017_Prinzessin Insomnia Ich liebe Walter Moers‘ „Die Stadt der träumenden Bücher„. Es gehört zu den liebsten Büchern, die ich im Regal stehen habe und lange Zeit war es mein liebstes Buchgeschenk, weil es einfach so viele unterschiedliche LeserInnen anspricht!

Deshalb hatte ich natürlich bei dem neuesten Werk des Autors hohe Erwartungen – auch wenn ich schon wusste, dass mich nicht alle Moers-Bücher ohne Weiteres ansprechen. Doch „Prinzessin Insomnia“ hat mich doch recht enttäuscht, denn inhaltlich passiert nicht viel und das chaotische Jonglieren mit der Sprache war für mich einfach nur sinnloses Gequassel. Die Figuren taugten mir darüber hinaus überhaupt nicht —- außer die wunderbaren Zwielichtzwerge (<3).

Meine Rezension zu „Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr


„London“ von Christoph Marzi

Buchenttäuschungen 2017_London Die Uralte Metropole gehört zu meinen liebsten Fantasy-Reihen. Zumindest Band 1-3. Danach hätte Christoph Marzi sich einfach dauerhaft anderen Projekten zuwenden sollen, denn mit „London“ zeigt sich einmal mehr, dass zu viel einfach stagniert in dieser Geschichte. Sowohl der Erzählstil als auch die Figuren haben sich nur geringfügig weiterentwickelt. Es war dadurch zwar irgendwie wie ein „Nach Hause kommen“ aber zugleich auch ein ödes Leseerlebnis, das sich zwar am Ende ganz extrem gesteigert hat, aber eben erst am Ende.

An Ideenreichtum mangelt es den Autor dagegen nicht und doch: die Mischung hat einfach nicht ganz gestimmt.

In meiner literarisch-phantastischen Welt gehören die Bücher der „Uralten Metropole“ zu einem nicht wegzudenkenden Kern. Allerdings gilt das nur für die Trilogie „Lycidas„, „Lilith“ und „Lumen„. Was danach folgte sind nur Schattenbilder der großartigen Ideen aus diesen drei Bänden. In „London“ hat sich Christoph Marzi dieses Mal durchaus etwas Neues einfallen lassen, das mir auch gefallen hat. Dennoch war sein Stil auch hier viel zu ähnlich zu den anderen Büchern.

Meine Rezension zu „London


Welche Bücher haben euch 2017 begeistert oder enttäuscht? Welches muss ich unbedingt noch lesen?

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