Rezension | Kleist, Heinrich von: Die heilige Cäcilie oder Die Gewalt der Musik

Details:

Originaltitel: Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik
Genre: Legende
Reihe: –
Gattung: Erzählung
Verlag: Reclam (1986)
Seiten: 108

Der Autor: Heinrich Wilhelm von Kleist wurde 1777 in Frankfurt an der Oder geboren. Er ist heute zu einem der bekanntesten deutschen Erzähler, Lyriker und Dramatiker geworden und wer hat nicht schon mal eines der folgenden Werke gelesen: Der zerbrochene Krug (Lustspiel), Das Käthchen von Heilbronn („historische Ritterschauspiel“), Die Marquise von O…, Michael Kolhaas (Novellen), Penthesilea (Trauerspiel), Prinz Friedrich von Homburg oder Das Erdbeben in Chili. Heinrich von Kleist starb am 21. November 1811 im heutigen Berlin.

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Exkurs: Die Heilige Cäcilia, Patronin der Kirchenmusik, Musiker, Instrumentenbauer, Sänger, Orgelbauer und Dichter

Die Legende um die Heilige Cäcilia spielt im antiken Rom. Angeblich soll sie heimlich mit Jesus Christus verlobt gewesen sein, ihre Eltern – keine Christen – verlangten aber von ihr, dass sie einen heidnischen Mann, namens Valerianus, heiraten sollte. Cäcilia fügte sich dem Willen ihrer Eltern und glaubte an Gott, der ihr seinen Weg schon zeigen würde. In der Hochzeitsnacht offenbart Cäcilia sich ihrem Mann, dass sie von Gott mit einem Engel gesegnet ist, der ihre Reinheit bewahren soll. Erst als Valerianus sich daraufhin selbst taufen lässt, ist er in der Lage dieses Gottesgeschenk, also den Engel, zu sehen. Dieses Erlebnis und die Überzeugungskraft Cäcilias haben ihn endgültig auf den „richtigen Weg“ geführt und nachdem er auch seinen Bruder von christlichen Glauben überzeugt hatte, haben sich die drei für die verfolgten Christen in Rom eingesetzt, ihnen Schutz geboten und begruben die hingerichteten Christen, was verboten war.

Aufgrund dieser Vergehen wurden aber alle drei zum Tode verurteilt und die Legende besagt, dass Cäcilia in kochendes Wasser getaucht wurde, was ihr nichts anhaben konnte, woraufhin ein Henker sie enthaupten sollte, was ebenfalls nicht funktionierte. Nach drei qualvollen Tagen starb Cäcilia dann im Glauben an Gott.

Inhalt und Aufbau: (mit Spoiler!)

Die heilige Cäcilie ist eine ganz kurze Erzählung von Kleist, die gerade mal ca. 13 Seiten umfasst. Sie spielt Ende des 16. Jahrhunderts und erzählt von vier Brüdern, die sich in einem Gasthaus niederlassen, in dem die Neuigkeit herumgeht, dass die Nonnen aus dem nahe gelegenen Kloster der heiligen Cäcilie am Fronleichnamstag eine festliche Zeremonie planen. Die vier Brüder – voll von Schwärmerei – beschließen daraufhin an diesem Tag das Kloster zu zerstören. Sie suchen viele Gleichgesinnte, die ebenfalls gegen den katholischen Glauben sind und gehen gemeinsam bewaffnet zum Kloster.

Die leitende Äbtissin hat bereits vom nahenden Schicksal ihres Klosters erfahren und bittet den kaiserlichen Offizier und seine Truppe um Hilfe, dieser aber verweigert sich, woraufhin die Nonnen ihrem Schicksal nur ins Auge blicken können. Das Kloster ist bekannt für seine faszinierende und mitreißende Musik, doch leider ist die Nonne, Schwester Antonia, erkrankt und kann die Partitur einer uralten, italienischen Messe nicht spielen und so scheint jede Hoffnung verloren.

Doch am Tag des Festes kommt alles ganz anders. Alle haben sich versammelt, auch die aufrührerischen Jünglinge, doch die Messe findet ihr Ende ohne Zwischenfälle und bald wird klar, dass die vier Brüder auf wundersame Weise gottgläubig geworden sind, dem weltlichen Leben entsagt haben und kaum noch ansprechbar sind. Stattdessen singen sie in regelmäßigen Abständen das gloria in excelsis.

Sechs Jahre später kommt eine Frau zu genau diesem Gasthof und erfährt die Geschichte ihrer Söhne, die sie all die Jahre gesucht hat und nicht glauben kann, dass aus ihren Kindern solche gottesfürchtigen, apathischen Menschen geworden sind – doch als sie in die Irrenanstalt kommt findet sie sich genau vor diesem Schicksal wieder. Nachdem sie mit der Äbtissin über die genaue damaligen Vorfälle gesprochen hat und erfährt, dass die heilende, wundersame Musik von Zauberhand gespielt worden ist, kehrt sie nach Hause zurück und wird kurz darauf eine gläubige Katholikin.

Meine Meinung:

Die heilige Cäcilie oder Die Gewalt der Musik ist eine Legende, die von einem Wunder erzählt, nämlich der Rettung eines Klosters – das mit Hilfe wunderbarer Musik aus vier ungläubigen Brüdern, gottesfürchtige Menschen werden lässt, die den Rest ihres Lebens in der Irrenanstalt verbringen, da sie für nichts anderes mehr zu gebrauchen sind.

Sie erzählt aber auch das Konvertieren einer Frau – nämlich der Mutter der jungen Männer – aus freien Stücken, da sie von dem Ereignis so ergriffen wurden und von der Macht Gottes überzeugt war.

Die Erzählung führt aus, wie machtvoll Musik sein kann, wie überzeugend und wie einflussreich. Auch in der heutigen Zeit hat Musik immer noch viel Macht über uns. Sie kann als Ausdruck unserer Gefühle dienen, egal ob wir Künstler oder Rezipient sind, sie kann uns trösten, wenn es uns schlecht geht, oder uns erheitern, wenn wir sowieso schon fröhlich sind. Musik ist ein Medium, das in den unterschiedlichsten Situationen angewandt werden kann.

Musik als modernes Wunder von heute. Daher 5 von 5 möglichen Sternen.

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