[Kurzrezension] Lily Brett: New York

Rezension Lily Brett New York

New York von Lily Brett ist eine Sammlung ihrer Kurzgeschichten über die amerikanische Metropole, die sie mit all ihren Schrulligkeiten, dem Lärm, der Anonymität, aber auch deren Charme und Eigenheiten liebt. Aber nicht nur diese berühmte und faszinierende Großstadt New York steht im Fokus ihrer kurzen Erzählungen von maximal drei Seiten, sondern auch sie als Person. Lily Brett vermag es mit wenigen Worten eine schier überwältigende Bandbreite an Themen aufzufassen. Jede ihrer Kurzgeschichten ist dabei ganz einzigartig, denn sie verrät dem Leser nicht nur etwas über die Stadt, sondern auch über ihr Denken und greift dabei Fragen auf, die jeden von uns bewegen – ganz klein und auch ganz groß.

Vom Unerwarteten über Alltagsdinge, gar menschliche Sinnfrage bis hin zu ihrer Person und menschlichen Beziehungen beschreibt Lily Brett in ihren Kurzgeschichte die Bewohner New Yorks, die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts sowie den Kern unseres Dasein in einer Welt, die nicht perfekt ist, aber nach Perfektionismus strebt.

Chinatown ist vor meinem inneren Auge auferstanden, obwohl ich noch nie dort war. Das Bewusstsein, dass menschliche Beziehungen und Menschen nicht perfekt sind, sondern fehlerhaft, geradezu danach schreien Missverständnisse hervorzurufen, beschreibt die Autorin so detailreich, nimmt sich selbst nicht heraus aus dieser nur allzu menschlichen Gleichung. Wie kommt man von der Schönheitschirurgie zur Notwendigkeit des perfekten Friseurs? Lily Brett schafft das mit einer Leichtigkeit, die mir gefällt.

Die Kurzgeschichten Lily Bretts über New York sind konzis formuliert, haben genau die richtige Fülle an Informationen und behandeln zahlreiche Themen. Die Autorin weiß, wie sie genau die richtige Mischung zwischen Ernsthaftigkeit, Spaß und Ironie miteinander kombiniert. Sie versteht es, ihre eigene Meinung in den Texten widerzuspiegeln, ohne sie als unumstößliche Wahrheit zu präsentieren. Peinlichkeiten hat sie zahlreiche erlebt und scheut sich nicht davor sie zu erzählen und auch wenn man als Leser nie wissen kann, wie viel Fiktion sich in den einzelnen Kurzgeschichten mit tatsächlichen Ereignissen verknüpfen, so glaubt man Lily Brett. Ihre Texte transportieren eine Glaubwürdigkeit, der man einfach trauen möchte, denn ihre Erzählstimme ist sympathisch und schafft genau das, was sie soll: das Leben zu feiern in einer außergewöhnlichen und facettenreichen Stadt.

Details zum Buch: Autorin: Lily Brett | Originaltitel: New York | übersetzt von: Melanie Walz („Toiletten“ von Anne Lösch  | Genre: Gegenwartsliteratur | Reihe: – | Gattung: Kurzgeschichten | Verlag: Suhrkamp ( 2015 )

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