#littripNL16: Wie bereitet sich der Verlag Klaus Wagenbach auf den FBM-Ehrengast vor? (+ Gewinnspiel)

littripNL16

Die literarische Reise in die Niederlande macht heute bei mir Halt! Mit dem Hashtag #littripNL16 stellen Bloggerinnen und Blogger eines der Gastländer zur Frankfurter Buchmesse 2016 im Vorfeld näher vor: die Niederlande. Details & wie ihr selbst mitmachen könnt, findet ihr im Eröffnungsbeitrag. Außerdem lohnt es sich auf der Facebook-Veranstaltung vorbeizuschauen  - denn auch dort gibt es tolle Verlosungen!

Das Interview habe ich mit Lena Luczak geführt. Sie studierte Literatur-, Theater- und Kulturwissenschaften, arbeitete in verschiedenen Verlagen und ist seit 2009 Lektorin im Wagenbach Verlag.

1. Mit wie viel Vorlauf beginnen Sie im Verlag, sich mit der Literatur des Gastlandes auseinanderzusetzen?

Lena Luczak: Konkret habe ich schon anderthalb Jahre vor der Veröffentlichung der Bücher unseres Niederlande-Schwerpunkts begonnen, an der Zusammenstellung der Titel zu arbeiten. Aber natürlich beginnt die Auseinandersetzung mit der Literatur eines Landes bereits lange vorher und setzt jahrelange Beschäftigung und vor allem Lektüre voraus, damit man dann auch die richtige Auswahl treffen kann.

2. Wie wichtig ist das Gastland für das kommende Wagenbach-Programm im Allgemeinen?

Lena Luczak: Die Aufmerksamkeit der Presse und des Buchhandels für die Literatur eines bestimmten Landes ist im Gastlandjahr immer besonders groß. Die junge niederländische Autorin Wytske Versteeg aus unserem Programm beispielsweise hat bereits lange vor Frankfurt sehr viele Einladungen zu Veranstaltungen in Deutschland bekommen. Wir hoffen natürlich auf noch mehr Rückenwind für die niederländische Literatur durch den Gastlandauftritt, aber wir sind jetzt schon sehr zufrieden mit der positiven Resonanz.

3. Haben Sie immer Gastland-Titel im Programm oder nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob das Gastland der Frankfurter Buchmesse auch zum Verlag passt?

Lena Luczak: Wir beteiligen uns am Gastlandprogramm, wenn sich die jeweilige Sprache oder das Land ohnehin in unserem Programm widerspiegelt, weil wir in der Lektoratsrunde gerne gemeinsam entscheiden und dafür in der Originalsprache lesen wollen. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Argentinien, Brasilien und natürlich Italien gemacht und werden nächstes Jahr viele besondere Titel aus Frankreich veröffentlichen. Die Niederlande war insofern eine Art Experiment, weil wir aus dieser Sprache bisher selten Übersetzungen in Auftrag gegeben hatten. Aber wir waren alle so begeistert von der Vielfalt der Literatur dieses Landes und der Letterenfonds hat uns auch in jeglicher Hinsicht solch großartige Unterstützung zukommen lassen, dass wir das Wagnis eingehen konnten.

4. Für die Niederlande & Flandern haben Sie nicht nur viele Titel im Programm, sondern darüber hinaus sogar ein eigenes Design von 6 Titeln entworfen. Wie entstand diese Idee?

Lena Luczak: Jedes Jahr im Frühjahr bringen wir fünf bis sechs Titel in einer besonderen Taschenbuchaktion heraus zu einem übergeordneten Thema. Das kann, muss aber nicht mit einem bestimmten Gastland zusammenhängen. Wir hatten auch schon als Thema „Starke Frauen“ oder „Literarische Krimis“ etc. Diese Bücher sind immer inhaltlich wie äußerlich zusammengebunden und unterscheiden sich gestalterisch vom übrigen Programm. In vielen Buchhandlungen gibt es dazu oft besondere Schaufenster u.ä. mit den Aktionstiteln. Das hilft den Büchern auf dem Weg zum Publikum.

Wagenbach-Reihe zur FBM 2016

5. Die Cover der Bücher vergisst man nicht so schnell, besonders wenn man sie einmal aufgereiht nebeneinander in der Buchhandlung entdeckt hat. Wie sind Sie bei der Gestaltung vorgegangen?

Lena Luczak: Uns war klar, dass in der Gestaltung eine Hommage an das einzigartige niederländische Design sichtbar werden sollte. Dann hat die Graphikerin drei tolle, sehr unterschiedliche Vorschläge gemacht, bei der aber diese Layout besonders herausragte. Der Karton mit seiner speziellen Haptik wurde übrigens von einer niederländischen Firma aus Agrarabfällen gefertigt.

6. Wie haben Sie die Titel für diese „Reihe“ ausgewählt und wo genau liegen die Gemeinsamkeiten (thematisch unterscheiden sie sich die einzelnen Bücher ja doch)?

Lena Luczak: Die Gemeinsamkeit ist, dass alle sechs Titel Lieblingsbücher sind, manche davon hierzulande bekannt, andere noch neu zu entdecken. Andreas Burniers ist eine interessante, hier noch wenig beachtete Autorin, deren autobiographische Erzählung in der Niederlande Schullektüre ist. Anna Enquists psychologische Figurenzeichnung hat wiederum bereits viele Fans. Dass Marcel Mörings wunderbare Novelle „Modellfliegen“ in Deutschland nicht mehr lieferbar war, mussten wir dringend ändern, ebenso wie Harry Mulischs frühen Roman „Schwarzes Licht“ der Vergessenheit zu entreißen – mit Hilfe des fantastischen Übersetzers Gregor Seferens. Um noch ein anderes beliebtes Genre unterzubringen, haben wir Reisereportagen von dem allseits beliebten Cees Nooteboom ausgewählt und haben dann besonders gründlich nach einer herausstechenden Stimme der jüngeren Generation gesucht. Der Roman „BOY“ von Wytske Versteeg erzählt so eindringlich die tragische Geschichte eines adoptierten Kindes, dass man von ihr zukünftig noch viele beeindruckende Romane erwarten kann.

Es gibt inhaltlich durchaus Überschneidungen zwischen den Büchern, der Zweite Weltkrieg spielt mehrmals eine Rolle ebenso wie das Zerbrechen einer Ehe, aber im Ton sind alle sehr eigen.

7. Hat das Verhältnis der Anzahl von flämischen Titeln zu niederländischen Titel oder auch das Verhältnis von Autorinnen zu Autoren eine Rolle gespielt hat, um eine Reihe herauszubringen?

Lena Luczak: Die Flamen sind leider bei uns bislang noch etwas unterberücksichtigt ebenso wie Literatur aus den ehemaligen Kolonien, aber das kann ja zukünftig noch nachgeholt werden. Und was das Verhältnis zwischen Autorinnen und Autoren angeht, sind wir stolz, dass wir da absolut ausgewogen unsere Auswahl getroffen haben.

8. Neben der „Reihe“ haben Sie auch den einzelnen Band „Amsterdam. Eine literarische Einladung“ herausgebracht. Wieso haben Sie sich dafür entschieden, dieses Buch separat zu veröffentlichen und nicht als Teil der Reihe?

Lena Luczak: Die „Amsterdam“-Anthologie ist Teil einer anderen Reihe unseres Verlags. Wir bringen in jedem Programm immer in der Salto-Reihe (aus rotem Leinen) eine „Literarische Einladung“ heraus, bei der eine Stadt mit Textauszügen (Erzählungen, Gedichten, Romanausschnitten) von dort lebenden Autoren und Autorinnen beschrieben wird. Die Einladung nach Amsterdam war schon lange überfällig und wir sind glücklich, dass sie nun von Eva Cossée, einer leidenschaftlichen Bücherfrau und Verlegerin aus Amsterdam, herausgegeben wurde. Außerhalb der Taschenbuchaktion ist zudem im August in unserem Sachbuchprogramm das reich bebilderte Werk des Historikers und Niederlande-Experten Anton van der Lem „Die Entstehung der Niederlande aus der Revolte. Staatenbildung im Westen Europas“ erschienen.

Vielen Dank, Lena Luczak, für das schöne Interview!


Gewinnspiel: Amsterdam. Eine literarische Einladung

Und jetzt habt ihr noch die Chance darauf, ein Exemplar des in rotes Leinen gebundenen Buches „Amsterdam. Eine literarische Einladung“ zu gewinnen.

Wie das geht?

Kommentiert bis einschließlich Samstag, 8. Oktober 2016, 23:59 Uhr, und beantwortet folgende Frage: Warum solltet gerade ihr eine literarische Einladung nach Amsterdam erhalten? Ich freue mich auf eure kreativen Antworten.

Teilnahmebedingungen:

Bitte nur Teilnehmer mit Wohnsitz in Deutschland. Personen unter 18 Jahren bitte nur mit Einwilligung der Eltern teilnehmen.

Viel Glück bei der Buchverlosung!

Gewinnspiel. Amsterdam. Eine literarische Einladung. Wagenbach


Morgen geht die literarische Reise weiter bei Barbara – Ein Topf Heimat!

11 Kommentare

  1. Weil ich als Wagenbach-Anhängerin weiß, dass es sich mit den Büchern aus diesem Verlag besonders gut verreisen lässt – die literarischen Reisen führen einfach immer auch zu neuen Entdeckungen, zu literarischen Perlen abseits des Mainstreams.
    Liebe Grüße, Birgit

  2. Liebe Ramona,
    gerne würde ich mir diese Amsterdam-Anthologie zu Gemüte führen um mittels der publizierten, von dort lebenden Autoren und Autorinnen verfassten Erzählungen, Gedichten und Romanausschnitten einen differenzierten und lebensechten Blick auf die Stadt erhalten zu können!
    Viele Grüße
    Falko

  3. Liebe Ramona,

    vielen Dank für dieses wundervolle Interview, ich habe es sehr gerne gelesen! 🙂

    Den Verlag kenne ich ja noch gar nicht, umso mehr würde ich mich über die Amsterdam-Anthologie freuen!
    Ich persönlich liebe ja die Niederlande und Amsterdam ist meine absolute Lieblingsstadt.

    Viele liebe Grüße und Dir noch einen schönen Abend,
    Hannah
    <3

  4. Diese literarisches Einladung nach Amsterdam sollte ich gewinnen, weil ich die niederländische Literatur liebe und dieses Buch als Anlass nehmen würde einen Trip nach Amsterdam zu planen, denn diese Stadt ist einfach wundervoll.

  5. Liebe Ramona,

    der außergewöhnliche Wagenbach Verlag hat mich bisher aus persönlichen Gründen überwiegend nach und durch Italien reisen lassen. Dort wurde ich zum Erkunden von Städten und Landschaften, Genießen von kulinarischen Spezialitäten und wandern durch einsame Gegenden verführt.
    Dann hat der beste aller Lieblingsitaliener mein Herz erobert und ist mir in das für seine Verhältnisse kalte Deutschland gefolgt.
    Jetzt hat er einen Wunsch: Er möchte nach Amsterdam! Die Vorbereitung darauf muss doch mit der Hilfe von Wagenbach geschehen. Literarisch würde ich ihn gern schon mal dahin einladen und der Rest kommt bestimmt auch sehr bald.
    Ich würde mich über einen schönen Vorleseabend in gemütlicher Atmosphäre freuen.

    Viele Grüße

    Andrea

  6. Weil ich die Salto-Reihe liebe und gern mal mit dem Amsterdam-Titel gewappnet in die Stadt meiner Kindheit umhergehen würde. Sie hat sich seit dem sehr geändert, aber ist immer noch einer der schönsten und liebenswertesten Städte, die ich kenne <3

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