[Rezension] A.G. Howard: Dark Wonderland – Herzbube

Details:
Autorin: A.G. Howard | Originaltitel:  | übersetzt von: Michaela Link | Genre: Jugendbuch | Reihe: Dark Wonderland | Band innerhalb der Reihe: 2 | Gattung: Roman | Verlag: cbt  ( 2015 )

Dark Wonderland 2 - Herzbube von A.G. HowardAlyssa Gardner hat endlich Ruhe gefunden. Ihre Mutter ist wieder sie selbst und nach Jahren im Sanatorium lebt sie nun endlich wieder bei ihrer Tochter und ihrem Mann. Alyssa ist glücklich, denn bereits seit einem Jahr ist sie mit Jeb zusammen, der ihr ins Wunderland gefolgt, für sie gestorben ist und seine Erinnerungen verloren hat, als Preis dafür, dass er lebt. Doch das Wunderland streckt seine Klauen nach Alyssa aus. Zwanghaft fertigt sie weiterhin Mosaike an, dieses Mal nicht aus Insekten, sondern aus Steinen und ihrem eigenen Blut und die Szenen, die dabei entstehen, lassen sie erstarren: Königin Rot kehrt aus dem Totenreich zurück und Blut wird fließen, während das Wunderland in Chaos und Schrecken versinkt.

Wahrheit und Lüge

Von Alice Liddel, der wahren Alice aus Lewis Carolls Geschichten, stammt Alyssa ab und mit dieser Abstammungslinie ist ein Teil ihrer Selbst ein Netherling, jene Gestalten, die sich im Wunderland tummeln, düster und geheimnisvoll sind und zugleich hinterhältig, gefräßig und auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Netherlinge haben eine dunkle Seite und erreichen ihre Ziele oftmals durch Lügen und Intrigen. Alyssa versucht diese Seite an sich zu unterdrücken, sie hat sich bewusst für ihr Leben als Mensch entschieden, obwohl sie im Wunderland die Krone für sich ergattern konnte. Ihr Leben mit Jeb und ihrer menschlichen Familie scheint ihr aber bedeutender. Doch diese Zuversicht gerät ins Schwanken, als Morpheus wieder in ihrem Leben auftaucht. Denn schon seit Wochen zeigen Alyssas Mosaike, die sie mit ihrem eigenen Blut vermischt, grausame Visionen und pures Chaos: Drei Königinnen kämpfen um die Krone von Wunderland, am Ende kann aber nur eine siegen. Ist Königin Rot zurückgekehrt?

Wahrheit und Lüge halten sich wiederum die Waage. Morpheus spielt wie immer nicht mit offenen Karten und Alyssa kann nicht einschätzen, ob er es tatsächlich ehrlich meint, ob er für sie in den Kampf zieht oder nur seine eigenen, niederträchtigen Ziele verfolgt. Ihrer Mutter kann sich Alyssa nicht anvertrauen, denn die will mit dem Wunderland nichts zu tun zu haben, aber je weiter sie sich wieder in diese Welt vorwagt – denn Jeb ist in Gefahr und Königin Rot scheint ins Menschenreich gelangt zu sein, um Rache zu üben -, desto erschrockener ist Alyssa darüber, dass nicht nur sie unehrlich zu ihren Mitmenschen ist, sondern auch diese ihr die Wahrheit verschweigen.

Die Zerstörung Wunderlands ist eingeleitet, böse Träume und ein gruseliger Clown aus Kindertagen verfolgen Alyssa in ihrer Welt. Und je weiter die Geschichte voranschreitet, desto wütender wird Alyssa. Sie gibt ihrer Netherlingsseite immer mehr Raum, denn es fühlt sich gut an, nicht immer einstecken zu müssen, sondern selbst einmal die Oberhand zu gewinnen. Alysse fühlt immer mehr, dass die Menschliche Welt nicht unbedingt ihre Heimat ist, sondern dass ihre Herkunft und das Erbe von Alice Liddel ihre einen Platz im Wunderland schenkt. Wieder einmal schafft A.G. Howard die Waagschale von Wahrheit von Lüge, von Gut und Böse, von Menschenwelt und Wunderland mit spannenden Verstrickungen zu füllen, denn auch als Leser ist man zwiegespalten, welchen Weg Alyssa gehen soll: Netherling oder Mensch?

Die wahre Natur der Alyssa Gardener

Die eigene Identität zu finden, ist ein schwieriges Unterfangen, doch im Fall von Alyssa scheint es schier unmöglich. Sie hat sich für ihre menschliche Identität entschieden, doch jeder in ihrer Umgebung versucht sie in eine bestimmte Richtung zu lenken und nicht zuletzt Morpheus, der sie als Netherlingskönigin im Wunderland sieht. Doch auch Alyssas Unterbewusstsein, ihre Träume und ihre Gefühle spielen verrückt und so muss sie sich immer stärker fragen: Wer bin ich und wer will ich sein? Alyssa steckt in einer Identitätskrise, der sie sich nicht mehr verschließen kann, denn auch ein harmonisches Zusammenspiel ihrer beiden Seiten scheint nicht möglich zu sein. Und die beiden Männer in ihrem Leben stehen für unterschiedliche Pole, die auseinanderdriften, sich bekämpfen und keine Kompromisse eingehen.

A.G. Howard hat trotz der Wunderland-Vorlage, die sie verwendet, eine ganz eigene Geschichte und eine eigene fiktive Welt geschaffen. Auch der zweite Teil von „Dark Wonderland“ hat mir sehr gut gefallen, denn die Geschichte setzt sich fort und wiederholt sich nicht in Band 2. Obwohl die Thematik eigentlich nicht wechselt, schafft die Autorin es durch ihre Vertrickungen und Halbwahrheiten, verschlungene Wege zu beschreiten, die Zweifel und Geheimnisse entwerfen. Lüge oder Wahrheit stehen im Zentrum des zweiten Bandes und das Gerangel um die eine oder andere Seite und genausowenig wie Alyssa ihren Weg kennt, kann der Leser vorhersagen, in welche Richtung es weitergeht; oder aber in welche Richtung man möchte, dass es weitergeht. Denn Pro und Contra kämpfen in diesem Band miteinander, einen wirklichen Favoriten gibt es nicht. „Herzbube“ ist eine Geschichte ganz nach meinem Geschmack mit düsteren und magischen Momenten.

Rezension zu Band 1 „Herzkönigin“:

 

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