[Rezension] Abedi, Isabel: Isola

Details:

Originaltitel: Isola
Autor: Isabel Abedi
Genre: Roman
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: Arena ( 2007 )
Seiten: 321

Klappentext:

Sie sind zu zwölft und sie haben das große Los gezogen. Drei Wochen allein auf einer einsamen Insel vor Rio de Janeiro – als Darsteller eines Films, bei dem nur sie allein die Handlung bestimmen. Doch nicht nur für die siebzehnjährige Vera, die ganz eigene Gründe hat, auf der Insel zu sein, wird das paradiesische Idyll zu einem schillernden Gefängnis. Was verbirgt der melancholische Solo, der Veras Gefühle auf ganz ungewöhnliche Weise berührt? Wer ist die hübsche Moon, die sanfte Pearl, der provozierende Joker, wer sind sie alle in Wirklichkeit? Ein jeder von ihnen kommt der Wahrheit näher, als der exzentrische Regisseur die Jugendlichen mit einem Spiel überrumpelt, auf das niemand vorbereitet ist. Ein Spiel, das bald tödlicher Ernst wird.

Inhalt:

Es sollte ein Filmexperiment der anderen Art sein. Quint Tempelhoff, ein berühmter deutscher Regisseur, lädt zwölf Jugendliche auf eine Insel vor Rio de Janeiro ein. Darunter unter anderem Film- und Theaterschauspieler oder Tänzer. Es gibt kein Drehbuch, die Jugendlichen bestimmen also selbst, wie die Handlung des potenziellen Filmes verlaufen soll. Doch dabei werden sie Tag und Nacht von Kameras beobachtet und von Mikrofonen abgehört. Und ein mörderisches Spiel bestimmt bald ihre gesamte Existenz …

Meinung:

Eine paradiesische Insel, zwölf Jugendliche und drei Wochen. Ein Experiment, auf das sich Vera, die eigentlich Joy Reichert heißt, eingelassen hat. Jeder Teilnehmer darf lediglich drei private Dinge mit auf die Insel nehmen. Außerdem konnte sich jeder einen Inselnamen aussuchen: Vera, Elfe, Moon, Pearl, Krys, Darling, Alpha, Milky, Lung, Neander, Joker und Solo nennen sich die Auserwählten. Der deutsche Regisseur Quint Tempelhoff will einen Film drehen, in dem es kein Drehbuch gibt, nur eine Insel und die zwölf Darsteller, welche den Inhalt des Filmes selbst bestimmen dürfen. Doch auf Isola erwartet die potenziellen Schauspieler eine Überraschung:

Tempelhoff hat ein Spiel geplant: Zwölf Karten werden gezogen und die Jugendlichen somit unterteilt in elf Opfer und einen Mörder. Wer es schafft in den kommenden Wochen dem unbekannten Mörder aus dem Weg zu gehen und somit auf der Insel verweilen darf, siegt, oder der Mörder bleibt als Einziger auf der Insel zurück und hat damit alle seine Mitspieler ausgeschaltet. Aber als das Spiel aus dem Ruder läuft und tatsächlich ein Opfer fordert, gerät jeder unter Verdacht der Mörder zu sein.

Isabel Abedis Idee erinnert an Agatha Christies Krimi Und dann gab’s keines mehr, welcher mein Lieblingsbuch dieser Autorin ist. Auf den Gedanken kommen auch die Figuren des Buches, als sie vom gefährlichen Spiel des Regisseurs erfahren. Gefangen auf der Insel bleibt ihnen aber nichts anderes übrig, als sich darauf einzulassen.

Aus der Perspektive von Vera nimmt der Leser an dem verworrenen Spiel teil und kann ihre Ängste und Sorgen nachempfinden. Mit elf ihr bisher unbekannten Personen muss sie drei Wochen auf einer Insel fern der Heimat ausharren. Jeder trägt seine Vergangenheit mit sich, die in dem scheinbaren Paradies nichts zählt, neu erfunden werden oder alles bedeuten kann. Als das Spiel beginnt steigert sich die Anspannung der Teilnehmer noch viel mehr, denn sie werden nun nicht mehr lediglich beobachtet und abgehört, sondern gleichzeitig auch noch von einem ihrer Mitstreiter gejagt.

Besonders die Figuren in Isola haben mir sehr gut gefallen. Jede Person hat spezielle Eigenschaften und Charakterzüge, die teilweise im Dunkeln bleiben, teilweise aber auch weiter ausformuliert und aufgeklärt werden. Vera, die Protagonistin, hat dem Regisseur nicht zugesagt, um berühmt zu werden, sondern aus einem ganz privaten Grund, der ihr ganzes Leben beeinflussen kann – sie ist auf der Suche nach Esperança, der sie es zu verdanken hat, dass sie in Deutschland aufwachsen konnte.

Außerdem wäre noch Solo zu nennen, der seinen Hund Mephisto mit auf die Insel gebracht hat, ein Einzelgänger, der Veras Herz vom ersten Augenblick höher schlagen lässt und Elfe, ein molliges Mädchen mit lila Haaren, das ununterbrochen redet oder Joker, dessen Tante Käthe – eine Gummipuppe – für Unterhaltung sorgt.

Keinem von ihnen würde man es zutrauen der Mörder zu sein, geschweige denn einen wirklichen Mord – oder war es doch ein Unfall? – zu begehen und dennoch geschehen schreckliche Dinge auf Isola und Tempelhoff greift nicht ein. Ist alles ein abgekartetes Spiel oder steckt weit mehr dahinter, als die Darsteller des Films ahnen? Diese und viele weitere Fragen stellen sich dem Leser und werden ihm auch im Verlauf des Buches beantwortet.

Dennoch kommt die Lösung der Autorin unerwartet und auf eine Art und Weise, die der Leser wohl in keinem Fall hätte vorausahnen können. Zwar erscheinen viele Ereignisse im Nachhinein in einem neuen Licht, gleichwohl konnte der Leser diesen Ausgang nicht vorhersehen, was doch etwas schade war, da man vielleicht lieber aus dem Verhalten und Handeln der Figuren auf eine entsprechende Auflösung hätte kommen wollen. Mehr möchte ich zum Ende des Buches allerdings nicht verraten.

Fazit:

Der Jugendroman Isola von Isabel Abedi besticht vor allem durch die Zeichnung seiner Figuren. Die zwölf Jugendlichen auf der Insel könnten wohl unterschiedlicher nicht sein. Jeder für sich trägt eine geheime Vergangenheit mit sich herum und kann sich doch vollständig neu erfinden. Den Agatha-Christie-Stoff webt die Autorin auf gekonnte Art und Weise in ihr Buch ein und zieht den Leser durch viel Spannung und Überraschungsmomenten in den Bann. Das Ende war dennoch so unerwartet, dass der Leser selbst nicht auf eine Lösung hätte kommen können, lässt allerdings viele vorangegangene Ereignisse in einem neuen Licht erscheinen.

Daher gibt es von mir 4 von 5 möglichen Sternen.

3 Kommentare

  1. die inhaltsbeschreibung hört sich schon mal spannend an und ’nen jugendroman von frau allende hab ich noch nie gelsen … wäre ja mal was! kommt also gleich mal auf meinen wunschzettel! 🙂 :zweidaumen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.