Rezension | Andrea Weiss: Paris war eine Frau

Paris war eine Frau

In „Paris war eine Frau“ zeichnet Andrea Weiss eindrücklich das Leben der Frauen von der Left Bank nach. Künstlerinnen sowie Schriftstellerinnen, die in den 1920er und 1930er Jahren ihre Freiheit und Kreativität in der französischen Hauptstadt ausgelebt haben, werden mit zahlreichen Fotos, Zeichnungen und Briefausschnitten wiederbelebt. Darunter Colette, Djuna Barnes, Getrude Stein oder auch Alice B. Toklas sowie Janet Flanner.

Das Leben einer Frau – unabhängig & freizügig?

In einzelnen Kapiteln stellt Andrea Weiss nicht nur die Frauen der Left Bank vor, sondern schildert im geschichtlichen, politischen sowie sozialen Kontext Frauengeschichte. Sexuelle Freizügigkeit, Partys und Alkohol, Affären, Selbstbestimmung sind nur einige der Themen, die sie anschneidet. „Paris war eine Frau“ ist ein Buch, das ein Stück feministische Geschichte beschreibt und dabei nicht nur die positiven Seiten der Künstlerinnen in Paris schildert. Es geht um Freundschaft, Liebe, Hilfsbereitschaft, aber auch um Zank, Machtspielchen, Neid und Eifersucht sowie Aufopferung.

Sie erzählt vom literarischen sowie künstlerischen Schaffen jener Frauen, die meist unverheiratet waren oder in homosexuellen Beziehungen lebten. Sie zeigt auf, wie familiäre Unterstützung oder finanzielle Absicherung bzw. Unterstützung von Freunden dieses Leben erst möglich gemacht hat: Unabhängigkeit, häufig verbunden mit harter Arbeit oder einem eher ärmlichen Lebensstil. Ein Auf und Nieder in einer Stadt, in der alles möglich erscheint.

Weiss beschreibt das Aufkommen der sexuellen Freizügigkeit und dass diese für Mann und Frau etwas ganz Unterschiedliches bedeutet hat. Sie geht auf Genderdifferenzen ein und zeigt, wie die Frauen der Left Bank ihre Weiblichkeit voll ausgelebt haben und zugleich aber auch drohten, in die gesellschaftlichen Rollenmuster der Zeit zurückzufallen. Sie beschreibt z. B. Sylvia Beachs totale Aufopferung bei der Herausgabe von James JoycesUlysses“ und das undankbare Ende dieser geschäftlichen Beziehung.

Sie erzählt aber ebenso ganz persönliche Geschichten dieser bemerkenswerten Frauen, die fast ausschließlich Zuwanderinnen waren. Wie etwa die enge Beziehung von Getrude Stein und Alice B. Toklas, das künstlerische sowie private  Zusammenspiel der beiden Frauen und Gertrudes steinigem Weg zur Veröffentlichung ihrer Werke. Aber ebenso bleibt ihr berühmter Salon in der gemeinsamen Wohnung in der Rue de Fleurus nicht unerwähnt. Ein Salon, der nicht zuletzt besucht wurde von Pablo Picasso, Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald.

Aber auch von allgemeinen gesellschaftlichen Fragen ist das Buch „Paris war eine Frau“ durchdrungen: Konnte man als Frau in Paris erfolgreich sein, in dem man sich mehr wie ein Mann verhielt denn als Frau?

Ein Stück lesenswerte Frauengeschichte

Was mich am meisten beeindruckt hat, ist dass viele dieser Frauen von der Left Bank, die man heute noch kennt oder wiederentdeckt hat, ein Leben geführt haben, das keineswegs nur glamourös war. Sie alle haben Rückschläge erleiden müssen und wurden von Menschen enttäuscht. Jede dieser Frauen hat ihre Sonnen- und Schattenseiten, keine ist geprägt von Perfektionismus, aber von einem starken Willen, ein Leben in Selbstbestimmung zu führen, das sich nicht auf die gesellschaftlichen Konventionen stützt.

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autorin: Andrea Weiss | Genre: Feministische Literaturtheorie | Reihe: – | Gattung: Sachbuch | Verlag: Rowohlt ( 2014 ) | Medium: Taschebuch | Seiten: 236

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