[Rezension] Atwood, Margaret: Oryx and Crake

Oryx and Crake von Margaret Atwood

Details:
Deutscher Titel: Oryx und Crake
Autor: Margaret Atwood
Genre: Dystopie
Reihe: MaddAddam-Trilogy
Band innerhalb der Reihe: 1
Gattung: Roman
Verlag: virago press ( 2009 )
Seiten: 433

Inhalt:

Die Menschheit existiert nicht mehr. Nur noch Snowman ist übrig geblieben, der einst Jimmy genannt wurde. Seine Erinnerungen berichten von der Vernichtung der Menschheit, welche nach dem Ende aller Krankheiten, nach der Unsterblichkeit gestrebt und sich damit selbst vernichtet hat. Jimmy spielte dabei eine entscheidende Rolle, hätte er die Katastrophe verhindern können?

Meinung:

Der Protagonist von Margaret Atwoods Dystopie Oryx and Crake ist Snowman, der wohl letzte Mensch auf Erden. Früher hieß er einmal Jimmy, doch das ist schon lange her und die Kinder am Strand, Children of Crake – die Jungen – und Children of Oryx – die Mädchen, sind genveränderte Experimente, die von der Katastrophe, welche die Menschheit ereilt hat, nichts wissen. Sie sehen zum Einsiedler, der in einem Baum am Rande der Lagune lebt, auf. Er ist ganz anders als sie selbst: Snowman trägt ein Laken um seinen Körper gewickelt, die Kinder hingegen sind nackt, mit dicker Haut, die sie vor der ultravioletten Strahlung schützt. Und noch viel wichtiger, er besitzt das Wissen einer vergangenen Menschheit.

Snowman passt auf die menschenähnlichen Wesen auf, wenn sie am Strand Treibgut aufsammeln, das aus der alten Welt stammt, die sie nicht kannten. Er warnt sie vor gefährlichen Dingen und erzählt ihnen Geschichten zu Sachen, die für den Leser selbstverständlich sind, aber was ist Toast, was ist Brot und was ist ein Toaster, der das Brot toastet? Jimmy muss seine ganze Kreativität aufwenden, um den Kindern diese Dinge zu erklären und manchmal erfindet er dazu Geschichten, denn was bringt es, ihnen von der Welt zu berichten, die es nicht mehr gibt? Er erzählt ihnen von Crake und Oryx – seinen besten Freunden –, von denen die Kinder abstammen, die sie geschaffen haben.

In Flashbacks erfährt der Leser die Ereignisse, welche zum Untergang der Menschheit geführt haben. Aber diese erzählen auch die Geschichte von Jimmy, von seinem besten Freund Crake und seiner Liebe Oryx. Nach und nach ergeben die einzelnen Puzzleteile ein komplexes Bild und Snowman scheint ein wichtige Rolle in den Ereignissen zu spielen.

Margaret Atwood schafft es nicht nur durch die geschickte Struktur ihres Romans Spannung zu erzeugen und den Leser in die komplexen Hintergründe der Handlung einzuweihen, sondern auch ihre Sprache trägt viel dazu bei, dass dieses Buch ein wahrer Schatz ist. Von Beginn an fühlt man mit Snowman, der ein einsames Leben führt, verankert in den vergangenen Ereignissen, immer mit dem Gedanken behaftet, was wäre gewesen, wenn er anders gehandelt hätte. Eine Traurigkeit schwingt in der Sprache mit, die direkt zum Leser transportiert wird. Nicht nur Rückblenden sorgen für eine melancholische Stimmung, sondern auch die Stimmen, welche Snowman in einsamen Stunden wahrnimmt, die ihm aus der Vergangenheit zuflüstern.

Gezwungenermaßen nimmt Snowman den Weg auf sich nicht nur gedanklich in die Vergangenheit zu reisen, sondern sich auch im Hier und Jetzt auf die Reise zu machen, an den Ort zurückzukehren, wo ihm das Leben gerettet wurde, das seiner besten Freunde aber ein Ende gefunden hat. Diese Reise führt den Leser nicht nur in eine Vergangenheit, die für uns noch in weiter Ferne liegen mag, sondern auch in eine Zukunft, die Zerstörung und stürmische Unwetter bereit hält.

Fazit:

Oryx und Crake ist der erste Teil von Margaret Atwoods Madd-Addam-Trilogie und eine grandiose Dystopie. Die Autorin erschafft nicht nur eine komplexe zukünftige Version der Welt, sondern mit ihrem Schreibstil, dem wunderbaren und liebenswerten Jimmy alias Snowman und ihrem Handlungsaufbau, erzeugt sie eine melancholisch traurige Stimmung, die den Leser fesselt. Frau Atwood vermittelt ihre Gedankengänge und ihren Ideenreichtum auf nachvollziehbare Art und Weise und so ist es auch nicht verwunderlich, dass dieses Buch spannend bis zur letzten Seite bleibt, obwohl es eigentlich nur die Geschichte dreier Menschen erzählt. Drei Freunde, von denen nur ein einziger dem Schicksal der Menschheit entronnen ist.

Daher gibt es von mir 5 von 5 möglichen Sternen.

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