[Rezension] Barreau, Nicolas: Eines Abends in Paris

Eines Abends in Paris

Details:
Autor: Nicolas Barreau
übersetzt von: Sophie Scherrer
Genre: Romane und Erzählungen
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: Thiele Verlag GmbH ( 2012 )
Seiten: 368

Inhalt:

Ein altes Programmkino mitten in Paris. Der Besitzer Alain Bonnard, ein Romantiker, und schüchterner Endzwanziger will endlich seiner heimlichen Traumfrau Mélanie seien Gefühle gestehen. An einem einzigen Abend hat er ihr sein Herz ausgeschüttet und zu Alains Freude erwidert seine Angebetete seine Gefühle. Doch dann verschwindet Mélanie spurlos und Alains Leben stürzt ins Chaos: Sein kleines Lichtspieltheater soll Schauplatz eines Hollywoodfilms werden, ganz Paris stürmt daraufhin in das bis dahin eher rar besuchte Kino, ein Interview folgt dem anderen. Und für Alains vollkommenes Glück fehlt nur noch seine Herzallerliebste, doch diese ist wie vom Erdboden verschluckt. Sie wohnt nicht dort, wo Alain sie ihrem einzigen gemeinsamen Abend verlassen hat, er weiß ihren Nachnamen nicht und hat ihre Telefonnummer nicht.

Meinung:

Mitten in Paris führt der End-Zwanziger Alain Bonnard ein kleines Programmkino, das Cinéma Paradis. Um Kundschaft in dieses alte Lichtspieltheater zu bekommen, das nur Filme zeigt und kein Popcorn verkauft, lässt er sich ständig etwas Neues einfallen. Unter anderem die wöchentliche Liebesfilm-Reihe mit dem Titel Les Amours au Paradis. Jeden Mittwoch kommen meist seine Stammgäste, um sich einen weiteren alten Liebesfilm nicht entgehen zu lassen. Zu diesen zählt auch eine Frau im roten Mantel, die Alain schon seit Monaten heimlich anhimmelt. Bis auf wenige Worte hat er sich aber noch nicht getraut sie anzusprechen und um ein Date zu bitten.

Auf Drängen seines Freundes Roger, Astrophysiker und Rationalist, der nichts für Alains Romantikerseele übrig hat, spricht er die Frau mit dem karamellblonden Haar an. Der Kinobesitzer verlebt einen wunderbaren Abend mit tiefgründigen Gesprächen, Humor und einer rosaroten Brille. Das nächste Date mit Mélanie, so heißt die Frau, ist bereits geplant und diese eine Woche – in welcher die junge Frau ihre Tante auf dem Land besucht – scheint für Alain endlos zu sein.

Doch als plötzlich der amerikanische Regisseur Allan Wood und die französische Schauspielerin Solène Avril vor ihm stehen wird aus Alains eher langweiligen Leben die reinste Achterbahnfahrt. Der berühmte Regisseur möchte einen Film in seinem Programmkino drehen mit Soléne in der Hauptrolle. Von einem Tag auf den anderen ist Alains Person und sein Kino in Paris berühmt. Die Journalisten streiten sich darum wer als erstes ein Interview mit ihm führen darf und sein Freund Robert kann es nicht fassen, dass Alain nun mit Soléne Avril per Du ist.

Aber all die Aufregung um sein Kino lässt Alain, der ein absoluter Romantiker ist, nicht den wundervollen Abend mit Mélanie, seiner Traumfrau, vergessen. Zu seinem Unglück weiß er weder ihren Nachnamen noch hat er sich ihre Telefonnummer geben lassen. Auch in dem Wohnhaus, vor welchem er sie an besagtem besonderen Abend abgesetzt hat, scheint niemand die Frau im roten Mantel zu kennen. Alains Verzweiflung wird immer größer, sollte er sich etwa den magischen Moment, den er mit Mélanie hatte nur eingebildet haben? Oder steckt mehr dahinter? Hat vielleicht der ganze Rummel um sein Programmkino damit etwas zu tun?

Eines Abends in Paris ist kein typischer Liebesroman, denn die Liebenden finden sich schon zu Beginn des Buches, doch dann verschwindet Mélanie spurlos und Alain beginnt die Suche nach ihr. Durch seine rosarote Brille weiß er weder Mélanies Nachnamen, noch hat er ihre Telefonnummer und auch an das Antiquitätengeschäft, in dem sie arbeitet, kann er sich nicht mehr erinnern. So beginnt die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Es ist ein Fährtenspiel, auf das sich Alain mit aller Kraft begibt, denn auch wenn sein Freund Robert, der absolute Rationalist und Charmeur, ihn davon überzeugen will, dass es noch genügend andere Frauen auf der Welt gibt. Doch Alain glaubt an seine große Liebe. Er sucht weiter.

Und mit ihm sucht der Leser und versucht selbstständig irgendeine Verbindung zwischen den Ereignissen um Alain herzustellen, was ihm aber nur bedingt gelingt. Die Handlung kann nur mit der Einsicht und den Offenbarungen der restlichen Figuren stattfinden und so folgt man dem hilflos Verliebten von einer Station zur Nächsten. Dabei wächst einem Alain, ein Mann, der noch an die wahre Liebe glaubt, der alte Filme liebt und sich durch nichts und niemanden aus dem Konzept bringen lässt quer durch Paris, jedem kleinen Fitzelchen von Information nachschnüffelnd, ans Herz.

Der Roman von Nicolas Barreau lässt sich ganz locker und leicht lesen. Die Sprache ist sehr einfach gehalten. Die Handlung bekommt aber durch die Einflechtung der Geschichte des Films, da eben gerade sehr alte Filme im Cinéma Paradis gespielt werden, einen besonderen Dreh. Besonders der sympathische, wenn auch etwas realitätsferne Protagonist hat mir gut gefallen. Lediglich die sich Verstrickungen um Alains Liebe zu Mélanie, der Hollywoodfilm im Kino und das Endergebnis bestehen aus ein bisschen zu viel Zufall. Das geschieht dann doch nur im Buch oder auf der Leinwand.

Fazit:

Eine unterhaltsame Lektüre über die Liebe, über Paris und über die Geschichte des Films hat der Autor Nicolas Barreau mit Eines Abends in Paris geschrieben. Die Hauptfiguren sind sympathisch und stecken voller Ideen, Lebensfreude und haben ihre eigene Vergangenheit die früher oder später mit in die Handlung und die Ereignisse integriert wird. Insgesamt eine nette Abwechslung, aber doch auch so viel Zufall, dass man als Leser kaum mehr daran glauben kann.

Bewertung: [3/5]

 

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