[Rezension] Beach, Sylvia: Shakespeare and Company. Ein Buchladen in Paris

Details:
Originaltitel: Shakespeare and Company | Autorin: Sylvia Beach | übersetzt von: Lilly von Sauter | Genre: Biographie/Erfahrungen | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Suhrkamp ( 2012 ) | Seiten: 242

Shakespeare & Company1919 eröffnete die US-Amerikanierin Sylvia Beach in Paris einen Buchladen für englischsprachige Bücher in der Rue de l’Odéon. Mit dem Konzept von Shakespeare & Company, einer Leihbuchhandlung, wird nicht nur Beach, sondern auch ihr Laden in die literaturgeschichtliche Schreibung eingehen. Nicht nur deshalb, weil es ein Versammlungsort jener schreibenden Talente aus aller Welt, ob Franzosen, Engländer oder Amerikaner, werden wird, sondern auch, weil seine Inhaberin die Liebe zur Literatur wahrhaftig gelebt hat.

Die Pariser Bohème

Ob James Joyce, Paul Valéry, Ezra Pound oder Ernest Hemingway, Beach kannte sie alle und immer wieder kehrten sie in die fast durchgehend geöffnete Buchhandlung zurück und hielten ihre Inhaberin auf Trab. Gemeinsame Lesungen, Theaterbesuche und literarische Zusammenkünfte zeichneten das Leben der 1920er Jahre in Paris aus. Aber auch Zwist und Streitigkeiten gab es zwischen den weltberühmten Denkern. Gertrude Stein ist eine von ihnen, mit der Sylvia Beach befreundet war, aber auch Uneinigkeiten verbanden die beiden Frauen. Und nicht zuletzt machte Beach sie bekannt mit dem Schriftsteller James Joyce.

Der Ulysses – ein verbotenes Werk

Es gehört zu den meistbekannten Werken der Weltliteratur – und vielleicht auch zu den meist gefürchtetsten: Ulysses von James Joyce. Aber wie konnte es zu diesem Werk werden? Sylvia Beach ist es zu verdanken, denn ohne sie wäre es womöglich nie erstveröffentlicht worden. Unter Shakespeare and Company nahm sie sich dem Werk an und wurde neben einer Buchhändlerin auch zur Verlegerin. Völlig unerfahren machte sie sich daran, eine Druckerei für das Werk zu finden und arbeitete sich in die verlegerischen Tätigkeiten ein. Immer auf das Wohl des Buches und Joyces bedacht, auch wenn dies beinahe den Ruin ihrer Leihbibliothek bedeutet hätte, denn ein ums andere Mal stand sie kurz vor dem Aus und konnte nur dank ihrer Freunde den Treffpunkt für die Schriftsteller, welche sich in Paris versammelten, retten.

Schriftsteller – Menschen, wie wir

Auf einzigartige Weise beschreibt Sylvia Beach ihre Erinnerungen an den Beginn ihrer Buchhandlungen. Sie war nicht nur, neben Gertrude Stein, Mittelpunkt der Pariser Bohème, sondern selbst Teil dieser künstlerischen Vereinigung. Sie opferte ihr Geld und ihre Arbeitszeit für das Verlegen des Ulysses und kümmerte sich aber nicht nur um englischsprachige Bücher, sondern auch um die Menschen, die dahinterstehen. Sie war nicht überheblich, sondern bescheiden und manchmal auch ehrfürchtig gegenüber großen Schriftstellern. Shakespeare and Company ist ein Buch über die Menschen, die hinter dem Bild des Schriftstellers stehen, die sich um ihre Familien und ihre Einkünfte kümmern müssen. Sie erzählt von Jocyes Schwäche für das Geldausgeben und seinem ständigen Mangel an diesem, aber auch von seiner Augenerkrankung und dem Drang zu schreiben.

Shakespeare and Company ist eine Hommage an das künstlerische Leben, aber kein Blindflug, sondern mit einem kritischen – aber nie verurteilenden – Ton der Autorin.

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.