[Rezension] Beatrix Gurian: Stigmata

Details:
Autorin: Beatrix Gurian | Originaltitel: Stigmata – Nichts bleibt verborgen | Genre: Jugendbuch | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Arena ( 2014 ) | Seiten: 383

Stigmata von Beatrix GurianEmmas Mutter ist tot. Ihre letzten Worte waren Worte des Streits und Emma kann es nie wieder gut machen. Ihre Mutter ist fort und ihr Vater schon lange verstorben. Völlig aus ihrem Leben gerissen zieht sie sich zurück, bis zwei Wochen nach dem Tod ihrer Mutter ein ominöser Brief eintrifft, der sie einlädt am Auswahlverfahren einer internationalen Jugendorganisation teilzunehmen und außerdem die Mörder ihrer Mutter zu finden.

Ein mysteriöses und gefährliches Rätselspiel

Emma kann es nicht glauben, neben dem Brief findet sie auch noch ein Fotoalbum im Umschlag mit einem einzigen Foto eines Kindes darin, das ihre Mutter sein könnte. In Emmas Kopf beginnt es plötzlich zu rattern: Kann es wirklich sein, dass jemand ihre Mutter ermordet hat? Doch weshalb sollte es jemand auf eine gewöhnliche Krankenschwester abgesehen haben? Emma ist ratlos, doch sie klammert sich an die winzige Möglichkeit die Wahrheit herauszufinden und nimmt teil am Training der Transnational Youth Foundation, das auf einem heruntergekommenen und verlassenen Jagdschloss stattfindet.

Neben Emma sind nur noch wenige Jugendliche in ihrer Auswahlgruppe: Sophia, die ihr irgendwie bekannt vorkommt, sie weiß aber nicht warum und die beiden Jungs Tom und Philipp. Hat einer von ihnen etwas mit dem Tod ihrer Mutter zu tun? Kann einer von ihnen sogar ein Mörder sein? Oder muss sie diese eher unter dem Personal suchen: Nicoletta, Sebastian oder Dr. Becker? Emma kann keinem von ihnen trauen und ständig tauchen neue Fotos auf, die uralt aussehen, aber in diesen Gemäuern aufgenommen wurden und eindeutig in Verbindung mit ihrer Mutter stehen. Was ist in diesem ehemaligen Jagdschloss geschehen, wer wurde hier in dunklen Kammern gefangen gehalten, heimlich fotografiert, zur Schau gestellt und gedemütigt?

Emma befindet sich auf den Spuren ihrer Mutter, von Dingen, von denen sie in ihrem Leben nie etwas geahnt hat. Warum hat ihre Mutter heimlich Antidepressiva geschluckt, welche Probleme hatte sie, die sie ihrer Tochter nie mitteilen konnte. Emma ist entsetzt und am Ende ihrer Kräfte, doch zugleich will sie nicht aufgeben, die wahren Umstände für den Tod ihrer Mutter zu erfahren.

Ein schauerlicher Weg zur Wahrheit

Beatrix Gurians Schreibstil hat mich nach wenigen Seiten komplett gepackt. Sie schreibt nicht nur spannend, sondern gar mitreißend, verrät gerade so viel, damit man immer am Ball bleibt und hält dadurch immer die Spannung bis zur nächsten Wendung in der Geschichte. Ihre Hauptfigur Emma ist sympathisch; man fühlt und leidet mit ihr. Sie ist dennoch keine Überheldin, sondern hat ihre Schwächen, in denen sie zu versagen droht, doch dann rappelt sie sich wieder hoch. In diesem alten Jagdschloss gehen seltsame Dinge vor sich und ein perverses Spiel jagt das andere. Emma droht den Verstand zu verlieren und doch bleibt sie am Ball, denn die Hinweise zeigen immer deutlicher, dass sie am richtigen Ort ist, um die Wahrheit herauszufinden.

Perspektivisch wechselt Beatrix Gurian vom hier und jetzt, Emmas Fokus, in die Vergangenheit, als ein junges Mädchen in einem christlich geprägten Heim Unsägliches erleiden muss. Dabei verleiht sie jeder Figur ihre eigene Stimme und besonders die Fokussierung auf einzelne Figuren macht den Reiz des Buches aus. Gepaart mit der Aufmachung des Romans – denn die Geschichte wird durch die Fotos, die Emma findet, bildlich unterstützt – erlangt „Stigmata – Nichts bleibt verborgen“ ein Konzept, das stimmig und schaurig zugleich ist. Die Bilder sprechen noch einmal ihre eigene Sprache, gespenstisch ragen sie zwischen den Seiten auf, und sind Verknüpfungspunkt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, denn Emma ist nicht nur auf dem Weg das Schicksal ihrer Mutter zu entschlüsseln, sondern das des unheimlichen Ortes, an dem sie völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist. „Stigmata“ hält jede Menge Überraschungen parat, denn nichts ist so wie es zu sein scheint und auch diejenigen, denen man zu trauen glaubt, könnten in die gefahrvollen Intrigen verwickelt sein. Jeder wird gegen jeden ausgespielt; „Stigmata“ ist fesselnd bis zur letzten Seite.

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