[Rezension] Bengtsson, Jonas T.: Submarino

Details:
Genre: Romane und Erzählungen
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: Klett Cotta ( 2009 )
Seiten: 383

Klappentext: Nick ist Bodybuilder und Ex-Knacki und haust in einem heruntergekommenen Wohnheim am Stadtrand Kopenhagens. Er trainiert hart und trinkt viel. Sein älterer Bruder ist alleinerziehender Vater und Heroin-Junkie. Er lebt in ständiger Angst, seinen Sohn zu verlieren oder die Drogen aufgeben zu müssen. Als ihre Mutter stirbt, begegnen die beiden sich nach langer Zeit wieder und beschließen einen Neuanfang. Doch bald holt das Leben sie ein …

Inhalt:

Zwei Brüder, die bei einer alkoholabhängigen und drogensüchtigen Mutter aufwachsen, haben in ihrem erwachsenen Leben nicht viel gemeinsam. Der eine ist Bodybuilder, schlägt gerne mal drauf los und trinkt Alkohol, um zu vergessen. Der andere ist heroinsüchtig und hat einen kleinen fünfjährigen Sohn, den er über alles lebt.

Meinung:

Der erste Teil von Jonas T. Bengtssons Roman beginnt mit Nick. Er wohnt in einem heruntergekommenen Wohnheim, war vorher im Gefängnis und kämpft sich von einem ereignislosen, sich wiederholenden Alltag zum Nächsten. Die Zeit vertreibt er sich im Fitnessstudio, bei seiner Nachbarin Sofie, mit der er regelmäßig schläft, und mit viel Alkohol. Indem er trinkt versucht Nick die Vergangenheit zu vergessen. Seinen kleinen Bruder, der niemals einen Namen bekommen hat.

Die kurzen Kapitel zeigen einerseits Nicks alltägliches Leben: er steckt in einer sich ständig wiederholenden Schlaufe. Jeden Tag dieselben Leute, dieselben Ereignisse. Das gleiche Essen und die gleichen Getränke. Andererseits wird seine Vergangenheit stückchenweise dem Leser preisgegeben. Man erfährt, wie seine Kindheit verlaufen ist, was ihn Nacht für Nacht quält und wovor er zu fliehen versucht. Das Leben hat ihn zu dem gemacht, was er heute ist. Man fühlt mit ihm und versucht zu verstehen, wie er zu dem Menschen werden konnte, der er ist.

Der zweite Teil handelt von seinem älteren Bruder und dessen kleinen Sohn Martin. Martins Papa ist heroinsüchtig und täglich braucht er seinen Schuss Heroin. Doch er liebt seinen 5-jährigen Sohn und will ihm ein gutes Leben ermöglichen. Der Autor zeichnet das Leben dieses alleinerziehenden Vaters nicht als heruntergekommener Junkie, der alles für eine kleine Portion Heroin tun würde, sondern bringt alles auf eine psychologische Ebene: der Drang den nächsten Schuss zu bekommen und die Sorge eines Vaters um sein Kind.

Er will Martin auf keinen Fall verlieren, doch sobald das Heroin in seinem Blut weniger wird, kreisen seine Gedanken nur noch um den nächsten Schuss. Er liebt seinen Sohn inniglich. Will ihm jeden Wunsch erfüllen, aber sobald er sich die Nadel in den Arm steckt ist alles vergessen. Er selbst. Sein Sohn. Sein Leben.

Ein flaues Gefühl bekommt man, wenn man Passagen liest, in denen der kleine Martin sich so sehr ein Zorrokostüm wünscht, der Vater aber kurz vorher sein ganzes Geld für Drogen ausgegeben hat. Doch sein Papa tut alles, um ihn das nicht merken zu lassen. Er bestiehlt Leute und landet letztendlich sogar auch als Dealer auf der Straße. Ständig begleitet ihn die Angst, dass er auffliegt, von der Polizei gefasst wird und ihm sein Sohn für immer genommen wird. Denn Martin ist sein ein und alles. Er liebt ihn unerbittlich, hängt aber in diesem Teufelskreis aus Drogen fest und kann daraus nicht ausbrechen. Manchmal konnte ich als Leser kaum weiterlesen, weil ich wusste, dass Martins Papa es nicht schafft von seinem Drogenrausch wegzukommen und dass der arme kleine Junge es letzten Endes ausbaden muss, obwohl er noch so unschuldig ist.

Jonas T. Bengtsson zeichnet das Bild einer Familie, die schon im Kindesalter mit Drogen und Alkohol in Berührung kommt. Die Mutter lebte ihren Söhnen ein Leben in Abhängigkeit vor und den Söhnen – auch wenn sie in der Vergangenheit einen Weg in ein besseres Leben eingeschlagen hatten – kehren auf den Weg der Selbstzerstörung zurück. Dieser realistische Roman berührt. Er zeigt ein Leben, das wohl kaum einer seiner Leser lebt. Er lässt den Leser an den Gedanken der Protagonisten teilhaben und ihn hoffen, dass die Figuren doch – wie durch ein Wunder – den richtigen Weg einschlagen.

Fazit:

Der Autor Jonas T. Bengtsson führt den Leser in seinem äußerst realistischen Roman in die Welt zweier Brüder ein, die aus Drogen, Alkohol, Sex und Gewalt besteht. Schon in ihrer Kindheit geraten Nick und sein älterer Bruder in Kontakt mir Drogen. Ihre Mutter lebt ihnen ein Leben vor, das aus Sucht und Abhängigkeit besteht. Als Erwachsene kämpfen beide auf ihre Art mit der Vergangenheit und dem Leben, das sie jetzt führen. Dabei taucht auch der Leser in eine ihm unbekannte Welt ein. Stückchenweise erfährt er die Vergangenheit der Brüder, fühlt mit ihnen und kann nachvollziehen, weshalb sie zu diesen Menschen geworden sind – aber nicht ohne auch hinter den Mantel des äußeren Scheins zu blicken.

Daher gibt es von mir 5 von 5 möglichen Sternen.

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Vielen Dank an den Klett-Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar!

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