[Rezension] Bennett, Sophia: #rausmitderdicken

Details:
Autorin: Sophia Bennett| Originaltitel: You don’t know me | Genre: Jugendbuch | übersetzt von: Sophie Zeitz | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Chicken House ( 2014 ) | Seiten: 409

#rausmitderdicken von Sophia BennettJodie, Nell, Sasha und Rose sind ganz normale Mädchen, die gerne gemeinsam Musik machen, sich verkleiden und Videos mit ihren Handykameras drehen – im Pyjama und mit lautstarken Coversongs. Ihre Mädchenband ist keine typische Band, die Auftritte haben, sondern die Musik schweißt die vier Freundinnen zusammen, ohne Publikum. Doch als Sashas iPhone geklaut wird, ihre Videoaufnahmen professionell bearbeitet im Internet auftauchen und sie bei der Internet-Castingshow Killer Act immer mehr Punkte und Fans gewinnen, taucht die Girlband unfreiwillig ins Rampenlicht ein.

Der Kampf um Freundschaft

Und als die Mädchen mit ihrem eigenen Song vor der Killer-Act-Jury stehen wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt: Die Jury sieht Potential für drei der Freundinnen, die vierte im Bunde, Rose – deren Stimme alle anderen überragt – passt nicht ins Konzept. Innerhalb von 15 Minuten sollen die Mädchen vor laufender Kamera entscheiden: gehen sie den Weg ohne Rose weiter oder lassen sie alle die Chance auf eine Karriere sausen?

Ehe sich Sasha, die Erzählerin der Geschichte, versieht, kehrt ihre beste Freundin Rose ihr den Rücken, sie steht auf der Bühne und die nächste Runde Killer Act wartet auf sie. Die Mädchen haben Rose die Wahl gelassen, so glaubt Sasha zumindest. Doch ihre Naivität, die sie ein ums andere Mal an den Tag legt, findet schnell ihr Ende, als die Sendung ausgestrahlt wird und dort ein ganz anderes Bild der Band gezeigt wird: Sasha „feuert“ Rose, weil sie zu dick für eine Girlband ist.

Sasha ist entsetzt. Unter dem Hashtag #rausmitderdicken löst sich ein Shitstorm. Aber er trifft – zu ihrer Erleichterung – nicht Rose, sondern ihre Freundinnen, die sie aus Sicht der Öffentlichkeit wegen ihres Äußeren aus der Band geschmissen haben. Von nun an verändert sich für die drei das Leben schlagartig, aber nicht so wie sie erhofft haben. Von allen Seiten werden sie beschimpft, in der Schule von Schulkameraden, vor dem Supermarkt von wildfremden Mädchen und per E-Mail, SMS und Telefon.

Wie viel kann eine Freundschaft aushalten? Sophia Bennett befasst sich in ihren Jugendbüchern gerne mit alltäglichen Themen, die jeden von uns irgendwann einmal betreffen. Wie stark muss also eine Freundschaft sein, um einen solchen Verrat vor laufender Kamera zu ertragen? #rausmitderdicken erzählt von Freundschaft, von Enttäuschungen, Schmerz, aber auch davon, dass jeder Geheimnisse hat, die nicht leichtfertig erzählt.

Der Kampf mit den Medien

Neben typischen Mädchen mit ihren Streitereien, Eifersüchteleien und auch ihrem Egoismus, dem Neid und dem ständigen Getuschel in der Schule zeichnet Sophia Bennett aber auch ein kritisches Bild der Medien. Castingshows, in welchen es einzig und allein um den Ruhm der Jury und des Formats geht. Musikbands werden gepusht, gestylt und fallen gelassen, denn am Ende kann es nur einen Sieger geben.

Als der Shitstorm losbricht, entscheiden sich die Macher von Killer Act keinesfalls dafür die Öffentlichkeit zu beschwichtigen und die doch zumindest zum Teil missverstandenen Bilder richtigzustellen. Nein, sie gehen einen anderen Weg, den Sasha und ihre Freundinnen der Meute zum Fraß vorwerfen. Sie stehen nicht mehr im Rampenlicht, für sie ist keiner mehr verantwortlich.

All dieser Medientrubel droht die besten Freundinnen Sasha und Rose zu entzweien. Ihre Beziehung steht im Fokus des Buches, auch wenn sie selten zusammentreffen. Ruhm und Schatten der Medienbranche lassen beide auf ihre Art nicht frei atmen. Immer wieder wechselt die Sympathie des Lesers, während er dem Verlauf der Geschichte folgt, denn welche Enttäuschung wiegt am Ende mehr?

#rausmitderdicken ist ein Jugendbuch, das alltägliche Streitereien zwischen Jugendlichen mit dem aktuellen Trend zu Castingshows verbindet. Bennetts Figuren sind egoistisch und gleichzeitig liebenswert. Sie sind Teenager, die gerade dabei sind ihre Persönlichkeit zu entwickeln, doch eine falsche Entscheidung, 15 Minuten, entscheiden über ihr Leben und ein Strudel aus Folgeereignissen droht sie in die Tiefe zu reißen. Aber Bennett zeigt auch, dass es Freunde gibt, die darüber hinwegschauen, die nicht alles glauben, was im TV oder Internet gezeigt werden. Es geht um Datenschutz und darum, dass man einen Menschen nur wirklich dann kennen kann, wenn man ihm gegenübersteht, ihm in die Augen sieht und mit ihm von Angesicht zu Angesicht spricht.

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