Rezension | Bonfire – Sie gehörte nie dazu von Krysten Ritter

Bonfire von Krysten Ritter

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Abby Williams lebt seit 10 Jahren in Chicago und arbeitet als Anwältin für den CEAW, dem Center of Environment Advocacy Work. Doch diese Arbeit führt sie nun zurück in ihre Vergangenheit, denn für ihren neuen Fall eines möglichen Umweltskandals muss sie zurück in ihre kleine Heimatstadt, die sie seit jenen 10 Jahren nicht mehr besucht hat.

Bonfire – Barrens & Optimal

Barrens ist eine kleine Stadt, in welcher jeder jeden kennt; In der jeder Bescheid weiß und doch lieber wegschaut, wenn er Familiendramen erkennt. Und gerade deshalb gibt es in Barrens auch vieles, das unausgesprochen bleibt – damals wie heute. Optimal ist die größte Firma in Barrens, die nicht nur Arbeitsplätze generiert und somit für den Lebensunterhalt der Einwohner sorgt, sondern der Plastikhersteller unterstützt ebenso Schulen, vergibt Stipendien und ist Sponsor für diverse städtische Projekte. Optimal ist aus Barrens nicht wegzudenken. Zu sehr hat sich die Firma bereits in die Köpfe der Menschen geschlichen, die jegliches Fehlverhalten – wie etwa die möglicherweise giftigen Chemikalien im nahe gelegenen Stausee – hinweg argumentieren.

Barrens und Optimal sind über die vielen Jahre hinweg zusammengeschmolzen. Der eine profitiert vom anderen, doch auf welcher Ebene sich dieser Profit bewegt, wie tief hinein sich die Firma bereits in das Denken und Handeln der Menschen gegraben hat, das will Abby Williams herausfinden.

Bonfire – Korruption, Umweltskandal & Familiendrama

Heute ist Abby Williams erfolgreich und engagiert sich in ihrer Firma für Umweltthemen. Ihr Ziel ist es nicht Optimal an den Pranger zu stellen, sondern sie will die Wahrheit herausfinden. Doch diese Wahrheit ist eng mit ihrer eigenen Vergangenheit verknüpft und es hat Gründe, warum sie sich von Barrens abgewandt hat und 10 Jahre nicht aufgetaucht ist. Abby Williams war nie eine, die dazugehört hat. In der Schule wurde sie gemobbt und die High School von Barrens zeugt von einer langen Tradition des Mobbings. Eine Schülerin brachte sich um, eine andere – ihre ehemals beste Freundin Kaycee – ist spurlos verschwunden. Schon damals gab es Gerüchte von kranken Mädchen, die sich angeblich alles nur ausgedacht haben. Darunter Kaycee. Kaycee, die sich von ihr abgewendet hat, die ihren Hund vergiftet hat, die Macht-Spielchen mit anderen geliebt hat. Kaycee, die Anführerin – oder doch Kaycee, das Opfer?

Abby tut der Aufenthalt in ihrer Heimatstadt nicht gut. Sie arbeit mit dem Team ihrer Organisation vor Ort an diesem Fall , doch gleichzeitig taucht sie in ihre Vergangenheit ein und erlebt die schändlichen Dinge noch einmal, die ihr damals widerfahren sind. Damals, als sie selbst eine Außenseiterin war. Und ein Gedanke lässt sie nicht los: Kann es wirklich sein, dass Kaycee ohne ein Wort nach ihrem Schulabschluss verschwunden ist, um irgendwo anders ein neues Leben zu beginnen? Und warum hat sie Tage vorher noch das Unfassbare getan und das Halsband von Abbys totem, vergifteten Hund in ihren Spind gelegt? Die Vergangenheit bewältigt Abby nur mit viel Alkohol, denn die Treffen mit ihren ehemaligen Schulkameraden sind nicht einfach: viel wird heruntergespielt, manches scheint vergessen oder hat sich ganz anders ereignet, als in ihrer Erinnerung.

Und dann ist da noch ihr Vater, mit dem sie kaum noch Kontakt hat. Der Vater, den sie mehr hasst als liebt und der inzwischen so in die Jahre gekommen ist, dass sie ihn kaum wiedererkennt. Abbys Auftrag nach der Wahrheit zu suchen, führt sie nicht nur tief in die Vergangenheit jener Firma, die die Stadt beherrscht, sondern auch in ihre eigene Vergangenheit, die tiefe und nie ganz verheilte Wunden noch einmal blutig aufreißt.

Bonfire – lesen!

Bonfire“ ist kein echter Thriller. Vielmehr erschafft der Roman das gesellschaftskritische Bild einer Kleinstadt zwischen Familiendramen, Mobbing und Machtspielen sowie einer Firma mit vielen Geheimnissen. Krysten Ritter hat mich mit ihrem Buch absolut überrascht. Ich habe „Bonfire“ nur zur Hand genommen, weil ich sie als Schauspielerin sehr schätze und gespannt darauf war, wie ihr Schreiben ist. Das Ergebnis: ein Thriller, der sich einfach so wegliest – und das meine ich absolut positiv. Die kurzen Kapitel fordern den Leser geradezu auf, immer weiter zu lesen („Ein Kapitel geht noch!“). Ich habe wohl kaum ein Buch mit einer so hohen Lesegeschwindigkeit verschlungen – zumindest nicht in den letzten Jahren.

Bonfire“ ist nicht unbedingt der spannendste Thriller, das soll dazugesagt sein. Aber Ritter schafft es den Leser immer am Ball zu halten. Abby Williams ist keine vertrauenswürdige Protagonistin, denn sie ist zu nah am Geschehen, sie hängt zu sehr an ihrer eigenen Vergangenheit und nutzt sinnlosen Alkoholkonsum und Männergeschichten zur Bewältigung. Kann man ihr trauen, dass sie ihre eigene aufgestaute Wut nicht mit dem Fall „Optimal & Barrens“ vermischt?

Das Buch besitzt eine echte Sogwirkung, die nicht nur den Leser erfasst, sondern eben auch die Heldin des Buches, die immer tiefer vordringt auf der Suche nach der Wahrheit und diese Wahrheit ist erschreckender als sie ahnen konnte. Zwischen ihrer eigenen traurigen Familiengeschichte, den schlimmen Erfahrungen als Jugendliche und den immer häufiger auftretenden Erkrankungen der Einwohner kämpft sich Abby Williams durch die Vergangenheit. Ein fesselndes Buch mit genau der richtigen Mischung aus Familiendrama, Umweltskandal und Kleinstadtkritik. Der Spannungsbogen bliebt zwar hintenangestellt, aber das tut der Geschichte nicht schlecht, denn die Figuren und ihre Geheimnisse sind Grund genug immer weiterzulesen. Eine Kleinstadt wie aus dem Buch (oder doch aus dem Leben?).

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autorin: Krysten Ritter | Originaltitel: Bonfire | übersetzt von: Charlotte Breuer und Norbert Möllemann | Genre: Thriller | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Diana ( 2018 ) | Seiten: 365

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