[Rezension] Bowden, Mark: Worm

Details:

Originaltitel: Worm. The Story oft he First Digital World War
Autor: Mark Bowden
Genre: Zeitgeschehen, Sach-/Fachbuch
Reihe: –
Gattung: Fachbuch
Verlag: Berlin Verlag ( 2012 )
Seiten: 318

 

»Ein Virus ist auf menschliche Hilfe zur Infektion eines Computers angewiesen, etwa indem ein unaufgefordert zugeschickter E-Mail-Anhang geöffnet, ein infizierter Datenträger eingelegt oder ein befallener USB-Stick angeschlossen wird. Würmer dagegen entsprechen dem neusten Stand der Technik und können sich von selbst verbreiten.« (S.38)

Inhalt:

Das Internet hat sich über die vergangenen Jahre zu einem Medium entwickelt, das nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken ist. Egal ob es sich dabei um unser Privatleben oder den Beruf handelt. Auf der einen Seite stehen drahtlose Kommunikation mit Freunden und Geschäftspartner aus aller Welt, Unterhaltungsmedium, Informationsquelle und vieles mehr, was das Internet für uns heute geworden ist. Auf der anderen Seite stehen Sicherheitslücken, ständige Updates, gehackte Emailkonten, Viren und Würmer. Seit 2008 hat sich ein solcher Wurm mit dem Namen „Conficker“ weltweit auf Millionen Computer ausgebreitet und ein Netzwerk geschaffen, das mit einem Schlag das gesamte Internet zusammenbrechen lassen könnte.

Meinung:

Was ist das Internet? Jeder nutzt es, aber kaum jemand weiß, wie es funktioniert oder von wo aus das Internet überhaupt in die Welt hineingetragen wird. Es ist eine abstrakte Welt, die nur Wenige wirklich vollständig verstehen und dennoch hat der Autor Mark Bowden mit Worm ein Buch geschrieben, das dem Leser diese Abstraktheit näher bringt.

Das gelingt ihm durch viele anschauliche Beispiele, die es für den normalen Leser mit gerademal anwendungsbeschränktem Computer/Internetkenntnissen ermöglicht sich eine Vorstellung von den abstrakten Verläufen des World Wide Web zu machen: So beschreibt er die Abläufe von Programmen im Vergleich mit dem Rezeptbuch eines Küchenchefs oder die Angreifbarkeit von Ports im Windows Betriebssystem als Sicherheitslücke in einem Fort.

Außerdem verwendet Bowden an den richtigen Stellen Wiederholungen, die auf bereits Erzähltes verweisen, sowohl um den geschichtlichen Zusammenhang zu erhalten als auch um technische Begriffe in Erinnerung zu rufen. Diese sind nicht überflüssig angelegt, sondern helfen beim Verständnis, wenn man bestimmte Begrifflichkeiten bereits vergessen hat oder dienen als Seelenstreicher, weil man sich daran noch erinnern konnte und somit am Ball geblieben ist und weiß, man versteht die Ereignisse und ihre Verknüpfungen immer noch. Bowden zeigt die historischen Anfänge des Internets auf und stellt die Personen vor, die sich dahinter verbergen, Geeks, welche die besten Cyber-Sicherheitsexperten der Welt sind. Der Autor beschreibt die Schwierigkeiten, vor die diese Experten gestellt werden, die häufig als Spinner oder Fachidioten abgetan werden, da ihr Vokabular und Fachgebiet bei „Normalos“ häufig „den Blick“ hervorrufen, der völliges Unverständnis ausdrückt. Zur Jahrtausendwende warnten sie, dass die Computer möglicherweise Probleme bei der Umstellung haben könnten. Fehlalarm.

Als nun 2008 ein neuartiger Wurm im Internet gesichtet wurde, der sich rasend schnell verbreitete und innerhalb weniger Wochen in Millionen Computer eingenistet hatte, um ein gigantisches Botnetz (Robot-Netz) aufzubauen, mit welchem, verfügt man über die richtigen Kenntnisse, nicht nur unheimlich viel Geld stehlen, sondern auch gezielt Firmen oder sogar Staaten angreifen kann, standen diese Internet-Experten wieder vor dem Problem ihre Glaubwürdigkeit zu vermitteln und das Gefahrenpotenzial an wichtige staatliche Instanzen weiterzuleiten. Ein Cyberkrieg ist schon lang keine Erfindung der Science-Fiction-Literatur, sondern eine Möglichkeit, die zum Greifen nahe ist.

Mark Bowden beschreibt den Verlauf des „Conficker“-Wurms und seiner diversen Weiterentwicklungen auf interessante und vor allem verständliche Weise. Das Buch zeigt, wie instabil die digitale Welt, mit der wir uns tagtäglich befassen, sein kann und wer die Menschen sind, die Fähigkeiten besitzen, diese Welt vor dem Einsturz zu bewahren.

Fazit:

Obwohl es sich bei Worm um ein Fachbuch handelt, empfand ich es beim Lesen eher als eine Mischung aus Fachbuch und Roman. Mark Bowden hat das Talent diese langsame und teilweise stagnierende Entwicklung gekoppelt an die Geschichte des Internets und der Computer-Hacker mit leicht verständlichen Worten zu versehen, die das Interesse und die Neugierde konstant aufrechterhalten. Die meisten Leser können sich ein Leben ohne das Internet gar nicht mehr vorstellen, umso erschreckender ist der Gedanke, was passieren könnte, wenn Cyberkriminelle dieses für ihre niederträchtigen Zwecke gebrauchen. Wer hat nicht schon einmal erlebt, dass das eigene Email-Konto gehackt wurde, aber was, wenn es sich nicht um kleinkriminelle Angriffe handelt, sondern um weit größere Machenschaften?

Bewertung: [5/5]

 

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