[Rezension] Brom: Der Kinderdieb

Der Kinderdieb von Brom

Details:

Originaltitel : The Child Thief
Autor: Brom
Genre: Kinder- und Jugendbücher, Fiction
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: PAN ( 2010 )
Seiten: 655

Inhalt:

Welches Kind hat nicht schon davon geträumt von Peter Pan, dem Jungen, der niemals erwachsen werden will, ins Nimmerland gebracht zu werden? Einer Insel, auf der man gegen den gefährlichen Kapitän Hook kämpft, sich gegen schabernäckische Feen zur Wehr setzen muss, an der Seite von Indianern steht und Meerjungfrauen zu Gesicht bekommen. Brom schreibt die Geschichte von J.M. Barrie in einem ganz neuen Licht – einer Perspektive, die nichts märchenhaftes mehr an sich hat.

Meinung:

Nick ist für seine 14 Jahre dünn und recht klein geraten. Er lebt mit seiner Mutter im Haus der Großmutter. Doch sein Leben ist keineswegs harmonisch. Zur finanziellen Unterstützung sind die restlichen Zimmer des Hauses vermietet. Unter anderem an Marko, einen Drogendealer, der Nick unterdrückt und ihm sogar Gewalt antut. Eines Nachts beschließt Nick davonzulaufen, er hält es zu Hause nicht mehr aus. Der Junge packt Markos Drogen in einen Rucksack, die er dann verkaufen will, um genügend Geld zu haben.

Aber von Anfang an läuft alles schief. Kaum hat er sich davon gemacht, begegnet er auch schon einigen Kumpels von Marko und der Junge weiß, taucht dieser erst einmal hier auf, so bringt er ihn um. Wie aus dem Nichts taucht glücklicherweise ein Junge mit roten Haaren, spitzen Ohren und goldenen Augen auf. Er treibt ein böses Spiel mit Markos Kumpanen, rettet damit aber Nicks Leben. Gemeinsam streunen sie durch die Straßen der Stadt, bis Nick klar wird, dass er nicht weiß, was mit ihm als nächstes geschehen soll.

Doch der fremde Junge, dessen Lachen ansteckend ist, der aber gleichzeitig etwas Wildes, ja sogar Furchteinflößendes, in seinem Blick hat, weiß Abhilfe. Er lädt Nick nach Avalon ein. Durch die Nebel, auf die Insel der Königin Modron – der Dame vom See – wo Hexen, Elfen und Feen ihr Unwesen treiben. Der 14-Jährige weiß sich nicht anders zu helfen, deshalb begleitet er den seltsamen Jungen in das unbekannte Land und kann kaum fassen, was ihn dort erwartet, denn nicht nur wohlgesonnene magische Wesen erwarten ihn dort. Die Fleischfresser wollen Avalon vernichten und Peter führt verlorene Kinder in den Nebel, damit sie an seiner Seite gegen die Vernichtung seiner Heimat kämpfen.

Schon der Prolog von Broms Buch hat mich regelrecht in die Geschichte hineingezogen. Als Leser wird man von Anfang an darauf vorbereitet, dass es sich bei Der Kinderdieb nicht um ein süßes Märchen handelt, sondern dass das Leben auf Avalon ebenfalls von Gewalt und Machtkämpfen geprägt ist.

Der Autor erzählt seine Geschichte aus zwei Perspektiven. Einerseits durch Nick, dem Großstadtjungen, der vor der Gewalt in seinem Zuhause davonläuft und mitten in ein Abenteuer gerät, das er so nicht gewollt hat. In Avalon geht es um Leben und Tod. Er ist völlig überfordert mit den Jungen und Mädchen, die Peter regelrecht anbeten und für ihn ihr Leben lassen, wenn es hart auf hart kommt. Sein einziges Ziel ist es, zurück zu seiner Mutter zu kommen.

Andererseits wird viel aus Peters Blickwinkel erzählt. Vor allem aus dessen Vergangenheit, die ebenfalls von Gewalt geprägt wurde. Er ist ein Feenkind und wurde schon als Baby von seiner Familie verstoßen, im Wald dem sicheren Tod ausgesetzt. Er versteht so vieles nicht und muss doch um sein Überleben kämpfen, hat Angst vor den Menschen, besonders den Erwachsenen, die ihn töten wollen. Eines Tages findet er den Weg nach Avalon. Die Insel wird zu seiner Heimat und die Dame vom See zu seiner angebeteten Königin.

Hass, Zwietracht und Gefahr begleiten das Leben auf Avalon, denn die Fleischfresser zerstören die Insel und Peter versucht so viele Kinder wie möglich aus der Welt der Erwachsenen zu locken, damit sie ihm im Kampf gegen den Kapitän und seine Meute unterstützen. Dabei lernt Nick schnell, dass er kämpfen muss, um zu überleben, auch wenn er mit Peters Zielen nichts zu tun haben will.

Der Kinderdieb ist kein Buch für schwache Nerven. Durch Peters Leben zieht sich ein Strang aus Gewalt und Hass. Brom flicht in seine Geschichte Sagen und Legenden um Avalon und Götterwelten der Waliser ein, die dem Buch eine ausgesprochene Tiefe und Komplexität verleihen. Er zeigt, das Nimmerland kein traumhaftes Land ist, sondern zeigt, dass ein Kampf gegen Piraten und Götter auch Leben fordern kann.

Fazit:

Broms Interpretation von Peter Pan ist beeindruckend. Es handelt sich hierbei um kein gewöhnliches Märchen, sondern der Autor verstrickt viele Sagen der walisischen Götterwelt und Legenden von Avalon mit dem Mythos um Peter Pan, dem Jungen, der niemals erwachsen werden will. Es ist eine grausame Geschichte, bei der jede Figur ihre eigenen Ziele verfolgt und viele verschiedene Facetten besitzt. Es gibt kein Schwarz und Weiß, keiner ist nur gut oder nur böse, desto mitreißender sind die Beweggründe jedes Einzelnen. Eine wirkliche Leseempfehlung für alle, die gerne auch einen Blick hinter das Nimmerland werfen wollen.

Daher gibt es von mir 5 von 5 möglichen Sternen.

4 Kommentare

  1. Mich hat das Buch durch die ganze Gewalt total abgeschreckt. Ich finde die Idee eines düsteren Nimmerlandes und Peter Pan zwar total cool, aber es war dann doch einfach zu viel Blut und Rauferei :/ Ganz zu schweigen von der Lääääänge. Aber die Zeichnungen waren toll! <3

  2. Pingback: [Buchmomente + Stöckchen] GRIMM 2013 – Das Märchenjahr - El Tragalibros

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