[Rezension] Cynthia Hand: Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks

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Autorin: Cynthia Hand | Originaltitel: The Last Time We Say Goodbye| übersetzt von: Sarah Heidelberger | Genre: Jugendbuch | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: HarperCollins ya! ( 2015 ) | Seiten: 320 | Blogg dein Buch

Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks von Cynthia HandVon einem Tag auf den anderen ändert sich für Alexis das gesamte Leben. An einem Tag ist ihr Bruder Ty noch da, am nächsten nicht mehr. Er hat Selbstmord begangen und lediglich eine kleine Haftnotiz an seinem Zimmerspiegel hinterlassen. Alexis ist erstarrt, gefühllos und nur das Loch in ihrem Herzen, das plötzlich aufklafft, unerwartet und eisig, beweist ihr, dass sie Schmerz empfindet und dass der Tod ihres Bruders brutale Realität ist.

Über den Verlust

Alexis schreibt. Sie schreibt in ein Tagebuch, das ihr Therapeut ihr gegeben hat, um den Verlust und das Leben ohne ihren Bruder festzuhalten. Sie soll sich erinnern, an den letzten Tag, an welchem Ty glücklich war, an die letzten und die ersten Male, die sie mit ihm erlebt hat und die sie nun ohne ihn jeden Tag erleben muss. Alexis glaubt nicht an die heilende Wirkung der Schreibtherapie und doch nutzt sie das Schreiben als Ventil, wenn sie sich nicht ihren Freunden anvertrauen kann, da diese sie mit erwartungsvollen Augen ansehen und möchten, dass sie sich ihnen mitteilt.

Doch Alexis kann sich nicht öffnen, sie kann niemandem erzählen, dass Ty starb, weil sie nicht da war; dass er kurz vor seinem Tod eine SMS geschrieben hat, auf die sie nicht reagiert hat. Ihr Nichthandeln ist verantwortlich für den Tod ihres Bruders. Das zumindest weiß Lexie und so entfernt sie sich immer weiter von ihren Freunden, von ihrem Freund Steven, mit dem sie Schluss gemacht hat, und von ihrer Familie, die schon vorher zerrüttet war, als ihr Vater sie für eine andere Frau verließ.

Der Verlust ihres Bruders reißt Lexie in eine ohnmächtige Tiefe, die von schmerzvollen Panikattacken gespickt ist und ansonsten in eine taube Gefühllosigkeit abdriftet. Sie lebt jeden Tag, doch in jeder Sekunde, die sie weiterlebt, wird ihr die Abwesenheit ihres Bruders immer bewusster. Er ist weg, weil er es so wollte, doch die Schuld, die sie mit sich herumschleppt, wiegt schwer. Lexies Mutter ist mit ihrem eigenen Schmerz beschäftigt, sie trinkt immer häufiger und sieht ihr Leben bereits am Ende, nachdem ihr Sohn sich das Leben genommen hat. Und die Verzweiflung wird noch größer, als sie immer wieder Tys Parfüm im Haus riechen und dafür Fotos an Wänden und in Fotoalben von Ty verschwinden. Ist sein Geist immer noch hier?

Über das Unfassbare

„Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks“ erzählt über den unfassbaren Verlust, den man erleidet, wenn ein geliebter Mensch freiwillig aus dem Leben scheidet und die eigenen Schuldgefühle einen beinahe selbst zu übermannen drohen. Cynthia Hand entwickelt dabei eine großartige Hauptfigur, die eigentlich stark ist und sich mit den Widrigkeiten des Lebens auseinandersetzt. Lexie hat das Auseinanderfallen ihrer Familie erlebt, hat einen tollen Freundeskreis, liebt die Mathematik und möchte ans MIT. Doch der Tod ihres Bruders lässt all ihre Ziele und alles, was sie bisher geschafft hat, im Nebel davondriften. Hätte sie es nicht merken müssen? Hätte sie ihm nicht helfen können? Hätte sie nicht da sein müssen, an jenem Tag?

Verzweifelt versucht sie hinter den Suizid ihres Bruders zu blicken und herauszufinden, was passiert ist. Dabei trifft sie auf alte Freunde, die ihr nun wieder beistehen, obwohl das gemeinsame Leben auseinandergedriftet ist. Cynthia Hand hat ein unglaublich berührendes Buch geschrieben, das aus ganz vielen einzelnen Fäden zusammengefügt wird, die nach und nach Helligkeit in das so düstere Ereignis bringen. Dabei hält die Autorin so manche Überraschung bereit, lässt die Geschichte Wendungen einnehmen, die man als Leser so nicht erwartet hätte und bringt es doch fertig am Ende jeden Faden an die richtige Stelle zu setzen. „Die Unwahrscheinlichkeit des Glücks“ ist kein zu emotionales Buch, sondern findet genau den richtigen Mittelweg für eine so schwere Thematik, Hand spielt dabei mit den Erwartungen des Lesers, führt ihn auf eine falsche Fährte und bringt ihn dann aber gekonnt zurück auf den richtigen Weg, ohne dabei in die Irre zu führen.

Cynthia Hand hat ein wohldurchdachtes Jugendbuch verfasst, das sich auf allen Ebenen ergänzt ohne künstlich zu wirken. Lexie liebt die Mathematik und drückt sich gern in Formeln aus, die sich wie ein roter Faden, neben ihren Tagebucheinträgen, durch das Buch ziehen. Hands Jugendbuch erzählt von der ersten Liebe, dem Erwachsenwerden, von Freundschaften und davon, den eigenen Weg im Leben zu finden, aber auch vom Loslassen und Verzeihen, sich selbst und anderen.

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