Rezension | Das Leben nach Boo von Neil Smith

Das Leben nach Boo von Neil Smith

Das Leben nach Boo: Boo ist tot. Er starb bei einer Schießerei, bei einem Amoklauf, in der Schule. Doch daran kann er sich kaum erinnern. Aber er ist auch mit anderen Dingen beschäftigt, die wunderlich sind. Denn Boo erwacht in einer seltsamen Stadt, die nur aus 13-jährigen Amerikanern besteht, die gestorben sind. Empfangen wird er von einem Mädchen namens Thelma, die ihm erklärt, dass er nicht „gestorben“, sondern „gegangen“ ist. Er existiert nun im Nachleben.

Das Leben nach Boo – eine wundersame Stadt für 13-Jährige

Und Boo beginnt an seine Eltern zu schreiben, was er erlebt in dieser seltsamen Stadt für 13-jährige Amerikaner. Die Stadt ist von einer Mauer umgeben, es gibt dort keine Tiere, außer die, die sich aus der lebenden Welt manchmal einschleichen. Regelmäßig gibt es Lieferungen bestehend aus Lebensmitteln oder praktischen Dingen, wie etwa neuen Büchern. Die Bibliothek besteht allerdings fast ausschließlich aus belletristischen Werken,  Fachbücher, die Boo liebt, findet er dort kaum. Boo war Zeit seines Lebens ein Außenseiter. Freunde sind für ihn Figuren aus Büchern, selbst hat er Freundschaften noch nicht wirklich erlebt. Er ist ein Einzelgänger mit fotografischem Gedächtnis und geringer Empathie.

Seine wissenschaftliche Neugierde ist angesichts seines Nachlebens geweckt und er führt kleinere Experimente durch: wie lange benötigt die zerschlagene Fensterscheibe, um selbstständig wieder zusammenzuwachsen? Aber seine experimentelle Neugierde nimmt ab, als plötzlich ein bekanntes Gesicht in der Nachwelt auftaucht: Johnny Henzel, ein Klassenkamerad von Boo, der sich erinnert: ein Amoklauf ist Schuld daran, dass sie beide „gegangen“ sind. Und er weiß, dass der Täter ebenfalls gestorben ist …

Das Leben nach Boo – auf der Suche nach der Wahrheit

Boo kann diesen Gedanken nicht ertragen, dass sein Mörder ebenfalls in der postmortalen Stadt der 13-Jährigen unterwegs sein könnte. Zu den JuMos möchte er allerdings nicht, einer Art Selbsthilfegruppe für Jugendliche, die unter gewaltsamen Bedingungen gestorben sind. Boo macht sich stattdessen gemeinsam mit Johnny und Thelma auf die Suche nach dem Mörder. Und auf diesem Weg lernt Boo kennen, was es bedeutet Freunde zu haben. Konflikte treten auf und Boo muss sich eingestehen, dass es auch seine Schuld ist, wenn er nicht gemocht wird. So stößt er Esther Haglund gewaltig vor den Kopf, als er sie gedankenlos nach ihrer Krankheit fragt und warum Zig – wie die Teenager Gott nennen – sie nicht normal groß im Nachleben gemacht hat. Den Zig lässt Krankheiten verschwinden und sorgt dafür, dass die 13-Jährigen im Nachlebe nicht von ihrem Tod entstellt sind. Esther hat Achondroplasie, die häufigste Form von genetisch bedingtem Kleinwuchs.

Ganz schnell ergibt sich auf ihrer Suche ein erschreckender Gedanke, eine Vermutung, die alle Teenager in der Stadt in helle Aufregung versetzt: Kann es sein, dass Johnny der Mörder von Boo ist? Kann es sein, dass sein erster richtiger Freund der Grund für seinen Tod ist? Eine furchtbare Jagd beginnt, denn niemand will einen Mörder in der Stadt haben. Die Wahrheit ist allerdings noch viel erschreckender, als Boo je hätte ahnen können.

Neil Smith‘ Roman „Das Leben nach Boo“ beschäftigt sich nicht nur mit der Suche nach der Wahrheit, dem Leben nach dem Tod, sondern auch nach dem Umgang mit Schuld und dem wertvollsten Gut des Menschen: der Freundschaft.

Das Leben nach Boo – ein überraschendes Buch

Wie könnte das Leben nach dem Tod aussehen? Neil Smith kreiiert eine mögliche Welt, in der sich das Nachleben zumindest für die nächsten 50 Jahre nach dem Tod abspielen könnte. Eine Art Zwischenwelt zwischen den Lebenden und dem, was danach kommt. Denn jeder Teenager verweilt 50 Jahre in der Stadt bevor er spurlos verschwindet. Bis zu diesem Tag bleiben alle 13 Jahre alt, körperlich, auch wenn sie im Geiste altern. Aber der Autor geht noch weiter, eröffnet mehrere Ebenen in seiner Geschichte, von der die Freundschaft nur ein weiteres Thema ist. Denn die Wahrheit spielt ebenfalls eine große Rolle in „Das Leben nach Boo„.

Ein dramatisches Ereignis, ein Amoklauf, hat sich in Boos und Johnnys Schule ereignet und die Frage nach Schuld, Sühne und Vergebung greift der kanadische Autor in seinem Roman auf. „Das Leben nach Boo“ ist ein überraschendes Buch, das eine Wende nimmt, die man so nicht erwartet hätte, die vielleicht etwas schockiert, aber gleichzeitig das Buch zu etwas Besonderem macht. Der Roman liest sich leicht und unterhaltsam und doch ist er nicht seicht geschrieben, sondern Neil Smith schafft es nicht zuletzt durch seinen Schreibstil, den richtigen Ton zu treffen. Wende und Schreibstil halten sich die Waage mit den gewichtigen Themen: Gewalt und Amoklauf, Tod und Nachleben, aber eben auch Freundschaft, Wahrheit und der Funke des Übernatürlichen, des Glauben, was da kommen mag.

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autor: Neil Smith | Originaltitel: Boo | übersetzt von: Brigitte Walitzek | Genre: Gegenwartsliteratur | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Schöffling & Co. ( 2017 ) | Seiten: 414

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