Rezension | Der dunkle Wald von Cixin Liu

Der dunkle Wald von Cixin Liu

Hier geht es zur Rezension von Band 1 „Die drei Sonnen„.

Während der erste Band in unserer Vergangenheit, nämlich mit der chinesischen Kulturrevolution begonnen hat und sich langsam aber sicher dem Kontakt mit außerirdischen Leben näherte, so startet Cixin Liu mit seinem zweiten Band „Der dunkle Wald„mittendrin: Die Trisolaris-Krise schreitet voran, die Welt verändert sich und die Existenz der Außerirdischen ist längst bewiesen.

Trisolaris: Der dunkle Wald – Die Wandschauer

Die Wandschauer gelten als eine der letzten Hoffnungen für die Menschheit. Jeder von ihnen plant eine mögliche Lösung ohne diese zu kommunizieren, denn die Trisolarier haben auf der gesamten Erde ihr unsichtbares Spionagenetzwerk ausgebreitet, die Sophonen, welche jedes Wort aufzeichnen und weiterleiten. Deshalb geben die Wandschauer Befehle zum Bau diverser Dinge und beauftragen die Weiterentwicklung von Technologien, ohne ihre Pläne komplett auszubreiten. Denn sobald der Plan ans Licht kommt, werden die Trisolarier dagegen vorgehen und ihn zunichte machen; Jahre bevor sie überhaupt auf der Erde landen.

Die Sophonen sind aber nicht nur Kommunikatoren, sondern verhindern auch die Weiterentwicklung der Physik, indem sie hochphysikalische Experimente und deren Ergebnisse durcheinanderbringen. Auf diesem Wege kann die Menschheit also auf keinen Fall weiterkommen – sie muss auf anderem Wege eine Ausflucht aus ihrer zukünftigen Vernichtung finden. Aber ist das überhaupt möglich? Haben die Trisolarier vielleicht schon von Anfang an die einzige Möglichkeit für das Überleben der Menschen gekappt?

Auf der Erde haben sich die Anhänger der Trisolarier, die dem Untergang der Menschheit entgegensehen, erweitert und sie arbeiten mit allen Mitteln daran, die Pläne der Wandschauer zu verhindern und diese stattdessen ermorden zu lassen. Sie stehen in Kontakt mit den Außerirdischen und sind der festen Überzeugung: die Menschheit hat es verdient, unterzugehen.

Trisolaris: Der dunkle Wald – ein Blick in die Zukunft

Cixin Liu lässt in „Der dunkle Wald“ insgesamt 200 Jahre in die Zukunft blicken, während sich die Trisolaris-Krise, in welcher die Menschheit steckt, immer mehr zuspitzt. Die Wandschauer werden zum Teil in Kälteschlaf versetzt, während ihre Anordnungen umgesetzt werden und die Forschung voranschreitet, um ihre Pläne Wirklichkeit werden zu lassen. Sie werden dann wieder erweckt, wenn es Zeit ist ihre Pläne weiterzudenken oder wenn es Probleme gibt. Jeder Wandschauer verfolgt dabei ganz spezielle Ziele und nicht jeder von ihnen ist davon überzeugt, dass die Menschheit eine Chance gegen die Außerirdischen hat.

Der Wandschauer Luo Ji ist weder an dem einen noch an dem anderen Ausgang interessiert. Er genießt das Leben mit seiner Traumfrau und seinem Kind. Doch sein Nichtstun bleibt nicht unentdeckt: Jahre vergehen, bis sein Schicksal besiegelt ist und das Überleben seiner Familie von seinen eigenen Taten abhängt. Entweder er kommt seinen Pflichten als Wandschauer nach oder er sieht sie nie wieder.

Der Blick in die Zukunft, den uns Cixin Liu mit dem Fortschreiten der Trisolaris-Krise offenbart, ist bemerkenswert. Auch wenn die Menschheit auf dem Wege der Physik dank der Trisolarier nicht mehr weiterforschen kann, so ist der technologische Fortschritt damit noch nicht am Ende. Die Menschheit erkundet das eigene Sonnensystem, ein erstes Planetenverteidigungssystem wird installiert und durch digitale Techniken verändert sich auch der Alltag der Menschen – der Fortschritt ist sichtbar, auch wenn der Menschheit der Weg über die Physik versperrt wurde.

Die einen fürchten sich vor der Zukunft, die anderen leben im Eskapismus: lieber die Zeit jetzt genießen, als an das Ende der Menschheit denken.

Trisolaris: Der dunke Wald – die Außerirdischen

Durch die lange Zeitspanne passiert unheimlich viel in Cixin Lius zweitem Band. Es ist beinahe wie ein Wettrasen durch die Zeit und mit jedem Schritt hat sich die Welt fast vollständig verändert. Der Fokus dieses Buches liegt klar auf den einzelnen Plänen der Wandschauer auch dann noch, als das Wandschauer-Projekt eingestampft wird, weil man darin doch keine Zukunft mehr sieht (oder doch noch?). Und hinzukommen die Probleme des Wissens, denn die „neuen“ Menschen der Zukunft können zum Teil die Herangehenweise der „vergangenen“ Menschen nicht nachvollziehen. Auch wenn dazu viele Soldaten und Wissenschaftler ebenfalls in Kälteschlaf versetzt worden sind.

Aber was mich besonders gepackt hat, war die Darstellung der Außerirdischen, die technologisch der Menschheit weit überlegen sind, deren Physiognomie dagegen aber Schranken aufweist. Die Trisolarier haben nämlich keine Kommunikationsorgane und allein ihr Denken ist Sagen. Was bedeutet das? Jeder Gedanke, den sie haben, wird automatisch kommuniziert. So etwas wie Geheimnisse gibt es nicht, Intrigen sind überhaupt nicht möglich. Und genau hier liegt der Knackpunkt, das Etwas, was den Menschen eigen ist: geheime Pläne schmieden, sich eine List ausdenken – doch wehe diese List wird erkannt bevor sie ausgespielt wird.

Für mich hat „Der dunkle Wald“ den ersten Band qualitativ tatsächlich noch übertreffen können. Die geheimen Bünde, Verstrickungen, politischen Intrigen und die Pläne der Wandschauer ergeben ein buntes sowie düsteres Netzwerk, das sich nach und nach aufdröselt. Manche Pläne werden zerschlagen, es gibt Siege zu feiern, doch auch die sich steigernde Hoffnungslosigkeit wird immer größer. Cixin Liu weiß, wie er seine Leser*innen packen kann und nicht mehr loslässt.

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autor: Cixin Liu | Originaltitel: HEIAN SENLIN | Genre: Science Fiction | Reihe: Trisolars-Trilogie | Band innerhalb der Reihe: 2 | Gattung: Roman | Verlag: Heyne ( 2018 ) | Seiten: 815

Weitere Rezensionen zu „Der dunkle Wald“:

Letusreadsomebooks | Wortfieber | Booknapping

2 Kommentare

  1. Liebe Ramona,
    mir ging es ja wie dir, Band 2 hat den ersten Teil noch übertroffen. Ein überaus faszinierendes Buch und ein toller Text von dir zu diesem. Ich kann dir nur zustimmen und mich noch bedanken für die Verlinkung auf meine Besprechung 😀
    Liebe Grüße,
    Sandra

    1. Aber selbstverständlich verlinke ich deine Rezension! (-:
      Ich freu mich sehr, dass dir der zweite Band auch noch besser gefallen hat als „Die drei Sonnen“. Ich bin schon echt auf den dritten Band gespannt. Kann er das nochmal toppen? I hope so!

      Viele Grüße
      Ramona

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.