Rezension | In der Nacht hör‘ ich die Sterne von Paola Peretti

In der Nacht hör' ich die Sterne von Paola Peretti

//Werbung | Rezensionsexemplar//

Mafalda ist ein kleines Mädchen von 9 Jahren, das mit einer schlimmen Diagnose lebt. Sie weiß. dass sie bald vollständig blind sein wird. Letztes Jahr noch stand sie 5 Schritte vom Badezimmerspiegel entfernt und konnte sich erkennen. Jetzt sind es nur noch 3 Schritte bis zum Spiegel. Zum Kirschbau vor der Schule sind es zu Beginn der einfühlsamen Erzählung von Paola Peretti noch 140 Schritte, also ungefähr eine Entfernung von 70 Metern, mit der Mafalda die Blüten des Kirschbaums erkennen kann.

In der Nacht hör‘ ich die Sterne: Mafaldas Geheimnis

Und mit jedem Tag werden die Schritte weniger, die Mafalda braucht, um Dinge zu erkennen und die dunklen Wolken vor ihren Augen größer. Jeden Tag wünscht sie sich, dass endlich Cosmio auftaucht, ihr Liebilngsheld aus dem Lieblingsbuch von ihr und ihrem Papa, das ihm einst Oma geschenkt hat. Doch Oma ist tot und im Nachbarhaus wohnen nun andere Leute, die kein Lichtsignal mehr bis zu Mafaldas Zimmer schicken.

Mafalda hat ein Geheimnis: In Geheimschrift führt sie eine Liste mit Dingen, die sie wahnsinnig gerne macht, aber bald nicht mehr tun kann:

  • Die Sterne am Nachthimmel zählen
  • Ein U-Boot steuern
  • Am Fenster stehen und Gute-Nacht-Signale
    (S. 18 | In der Nacht hör‘ ich die Sterne)

Außerdem ist Mafalda auf der Suche nach einer besten Freundin. Doch ihr Gefängnis mit Gitterstäben aus Nebel erschwert ihr diese Suche immer mehr. Nur gut, dass sie in der Schule Estella hat, die Hausmeisterin, die sie mit klugen Ratschlägen unterstützt: Was ist das Wesentliche für Mafalda, das nicht vom Sehen abhängt? Und Mafalda beginnt nachzuforschen, was das Wesentliche in ihrem Leben ist. Doch Estella ist immer häufiger weg, denn sie muss ihre Freundin im Krankenhaus besuchen – das zumindest erzählt sie Mafalda.

Zuhause ist es Ottimo Turcaret, ihr Kater, der ihr die Sorgen nimmt, sobald sie mit ihm kuschelt. Doch aufgrund von Mafaldas Krankheit muss die Familie in eine geeignetere Wohnung ziehen und in diesem Wohnhaus sind keine Haustiere erlaubt. Mafalda beschließt in den Kirschbaum zu ziehen, dort wo schon ihre Oma lebt gemeinsam mit ihrem Helden Cosimo. Heimlich bereitet sie ihren Umzug systematisch vor.

In der Nacht hör‘ ich die Sterne:
Eine kurzweilige, herzerwärmende Geschichte

Paola Pertti erzählt uns mit „In der Nacht hör‘ ich die Sterne„, wie es ist ein schlimmes Schicksal zu ertragen und wie es zugleich in unserer eigenen Macht liegt damit umzugehen. Denn etwas Schlimmes muss nicht gleichbedeutend damit sein, dass man alles im Leben aufgeben muss. Es kann auch bedeuten, weiterzumachen, nur auf eine andere Art und Weise. Mafalda ist ein aufmerksames und liebenswürdiges Mädchen, die sich (wortwörtlich) schrittweise in ihre nahende Blindheit einfühlt, die gleichzeitig aber auch entdeckt, dass ihre anderen Sinne hellwach sind.

Für mich ist „In der Nacht hör‘ ich die Sterne“ wahrscheinlich das erste Buch, das mit Recht auf Saint-ExupérysDer kleine Prinz“ verweisen darf. Es ist ein herzerwärmendes und liebevoll geschriebenes, aber zugleich kurzweiliges Buch. Es ist das Atemholen aus dem Alltag und die Besinnung auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Das Wesentliche finden, was jeder Mensch für sich erfahren sollte. Und das findet man in diesem Roman besonders auch zwischen den Zeilen und den kleinen Dingen, die unbemerkt in Mafaldas Leben eintauchen.

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autorin: Paola Peretti | Originaltitel: La distanza tra me e il ciliegio | übersetzt von: Christiane Burkhardt | Genre: Gegenwartsliteratur | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: dtv Verlag  ( 2018 ) | Seiten: 222

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