Rezension | Die Maske von Fuminori Nakamura

Die Maske von Fuminori Nakamura

// Werbung | Rezensionsexemplar//

Fumihiro ist der jüngste Sohn seines Vaters und sein Schicksal ist deshalb schon mit seiner Geburt besiegelt: Er soll zum Geschwür der Welt werden und so viel Böses in seiner Umgebung verbreiten, wie er nur kann. Die Familientradition der mächtigen Kuki-Familie ist eindeutig: Fumihiro kann der Bestimmung seiner Existenz nicht entkommen. Sein skrupelloser Vater – der in Fumihiro sein dunkles Fortbestehen nach seinem Tod sieht – setzt alles daran, dass der gutherzige Junge zum Geschwür wird; koste es, was es wolle. Die Welt soll untergehen.

Die Maske – ein perfider Plan des Bösen

Mit 11 Jahren erfährt Fumihiro von seiner Zukunft. Zu seinem Vater hat er kein gutes Verhältnis, der alte Mann lässt seinen jüngsten Sohn aufziehen und zitiert ihn nur hin und wieder zu sich – ohne liebevolle Bindung. Als Fumihiro 11 Jahre alt wird adoptiert sein Vater die gleichaltrige Kaori – aber nicht aus Nächstenliebe, sondern um seinen perfiden Plan durchzusetzen und Fumihiro zum Geschwür der Welt zu machen: die Liebe zu Kaori wird seine Schwachstelle sein, die der Vater auf ekelhafte Art und Weise ausnutzt.

Als Jugendlicher geschieht das Unfassbare: Fumihiro erfährt, was für schlimme Dinge sein Vater mit Kaori anstellt und er beschließt, dass der alte Mann sterben muss. Doch Fumihiros Vater, das arrogante Oberhaupt der Kuki-Familie, hat mit seinem Leben schon abgeschlossen und er sieht den Tod durch die Hand seines Sohnes nur als ersten Schritt, dass sich seine Prophezeiung bewahrheitet: er wird zum Geschwür der Welt und bringt sie einen Schritt näher an den Untergang.

Die Maske: eine andere Identität

Die Zeitebene wechselt: Fumihiro ist inzwischen 27 Jahre alt, sein Vater ist tot und er hat den Kontakt zu Kaori verloren. Noch etwas hat er verloren, nämlich sein Gesicht. Mittels Schönheitschirurgie hat er sich eine andere Identität geben lassen, die des verstorbenen Kōichi Shintani. Auf diese Weise will er vor seiner Bestimmung fliehen, die bereits in sein Blut hineingesickert ist. Auf diese Weise versucht er seine Selbst-Bestimmung zurückzuerlangen. Er lässt Kaori durch einen Privatdetektiv ausfindig machen und beobachten. Aber die Verwirrungen seiner alten Identität und das spurlose Verschwinden seiner neuen Identität rufen einen argwöhnischen Bullen auf den Plan und jemanden aus seiner Vergangenheit, der das Geschwür der Welt losreißen will.

Ich glaube ich behaupte nicht zu viel, wenn ich schreibe, dass Fuminori Nakamura der Meister der Erzählatmosphäre ist. Was er schon in „Der Dieb“ angedeutet hat, betreibt er auch in „Die Maske„. Er nimmt die dunkle Seite einer Stadt, die tiefen Abgründe des Menschen und verpackt sie in einer Geschichte. Eine Geschichte, die verworren ist aus den unterschiedlichsten Fäden und immer zu einem einzigen Punkt führen: Fumihiro und dessen Bestimmung – Fumihiro und die unschuldige Kaori.

Fumihiro wächst in eine Familie voller Irrer hinein. Seine fünf älteren Geschwister kennt er kaum und doch sind sie erfolgreiche Erben des Kuki-Clans. Bereits als Kind war er eine traurige Seele, die in diesem riesigen Herrenhaus aufgewachsen ist, ohne echt Freunde. Aber er war auch schlau und hat sich schon damals verstellt, damit niemand erkennt, was er wirklich denkt. Schon immer trug er eine Maske und dieses Talent hat ihn vielleicht bis zum heutigen Tag mit 27 Jahren gerettet. Doch seiner Bestimmung kann man nicht entkommen. Wird die Prophezeiung wahr, die sein Vater bei ihrer letzten Begegnung ausgesprochen hat? Dass jeder kleine Schritt in Richtung Bosheit ihn ein Stückchen mehr zum Geschwür werden lässt?

Ein Verwirrspiel der Identitäten beginnt als Fumihiro klar wird, dass irgendjemand seine wahre Identität kennt. Auch die unschuldige Kaori rückt in den Fokus des Interesses und er kann es nicht ertragen, sie als Spielball dieser perfiden Mächte zu sehen, die am Rande des Abgrunds steht. „Die Maske“ ist ein Roman über die (Selbst-)Bestimmtheit des Lebens. Er erzählt von dunklen Pläne reicher Männern, die glauben die Welt kontrollieren zu können und die in jedem Mensch nur ein Werkzeug sehen, das ihnen bei der Erfüllung ihrer machthungrigen Pläne hilft. Der Roman entfaltet eine komplexe Verfolgungsjagd, in der nicht immer klar ist, wer wen verfolgt und was die Ziele desjenigen sind. Er spielt in den düsteren Ecken der Nachclubs, in den dunklen Gedanken des Protagonisten und mit den gierigen Krallen der Mafia.

Fuminori Nakamura paart dieses Ausgangssituation mit einer japanischen Familientradition, die grausamer kaum sein könnte: ein Kind wird systematisch dazu hingeleitet ein Geschwür für die Welt zu werden, über dessen eigene Persönlichkeit hinweg, sodass jede Handlung Gift versprüht und alles Gute verschwindet. Ein rundum gelungenes Werk.

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autor: Fuminori Nakamura | Originaltitel: Aku to kamen no rūru | übersetzt von: Thomas Eggenberg | Genre: Gegenwartsliteratur | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Diogenes Verlag ( 2018 ) | Seiten: 347

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