Rezension | Die Wedernoch von Stefan Bachmann

Die Wedernoch

Es ist geschehen: Bartholomew Kettle konnte London in Band 1 „Die Seltsamen“ vor dem Untergang retten, doch dabei hat er seine Schwester Hettie verloren. Hettie ist verschwunden, sie ist nicht mehr in der menschlichen Welt, sondern in der gefährlichen Feenwelt. Ihr Bruder sucht verzweifelt nach einem Tor zwischen der menschlichen Welt und der Feenwelt, um Hettie aus den Fängen des Feenbutlers zu befreien. Denn die Welt der Feen ist ein gefährlicher Ort, an dem ein Halbblut wie sie nicht lange überlebt.

Die Wedernoch: ein neuer Held

Jahre ziehen ins Land, in denen Bartholomew erfolglos nach einem Weg in die Feenwelt sorgt. Seine Gedanken gehören seiner kleinen Schwester Hettie, um die er tagtäglich bangt: lebt sie noch oder wurde sie schon hinterhältig von den nach Blut dürstenden Feen ermordet? Die Ereignisse von damals, als sich das Tor von London für die Feenwelt öffnete, sind beinahe vergessen. Pikey, der neue Held von Stefan Bachmanns zweitem Teil „Die Wedernoch“ kennt die Ereignisse nur wage aus Erzählungen.

Pikey ist ein Straßenjunge, der in einer Seitengasse lebt. Es ist bitterkalt und die mehreren Lagen an Kleidung halten ihn kaum warm. Aber das ist sein geringstes Problem: andere Straßenkinder haben seine Augenklappe gestohlen und nun kann jeder sein von den Feen gestohlenes Auge sehen, mit welchem Pikey seltsame Dinge sehen kann – ein Mädchen mit Zweigen statt Haaren auf dem Kopf und angstgeweiteten Augen.

Die Wedernoch: Der Aufmasch der Feenarmee

Der Schlaue König ist mit seiner Armee auf dem Vormarsch. Er plant die Eroberung Londons und damit schrittweise die Einnahme der gesamten Menschenwelt. Vor seinen Augen versteckt, schlägt Hettie sich durch die Welt der Feen und landet bei einer gehässigen Gräfin, Priscaltine. Diese will Hettie als Freundin haben, doch ihre Gemeinheiten zeugen von etwas anderem: Priscaltine ist hässlich in ihrem Inneren, sie strebt nach Macht und weiß, dass Hettie als Tor nach London weit wertvoller ist. Doch dem Schlauen König will sie nicht in die Karten spielen.

Menschen gegen Feen – ein Krieg beginnt von Neuem.

Die Wedernoch: Was passiert eigentlich?

Nicht viel. Der neue Held in Stefan Bachmanns zweitem Band, Pikey, wird eingeführt. Ebenso unentschlossen wie sein Vorgänger Bartholomew, der – so muss man zugeben – älter und entschlossener geworden ist, gerät er in den Streit zwischen Menschen und Feen. Seit Jahren jagt Bartholomew einem geheimen Eingang in die Feenwelt hinterher; erfolglos, sodass er nun auf die Hilfe des kleinen Jungen angewiesen ist. Pikey hingegen ist heilfroh, von der Straße weg zu sein und hadert damit, von Bartholomew allein gelassen zu werden, sobald dieser seine Schwester gefunden hat; oder aber alle Hoffnung darauf verloren ist. Die Figuren sind in „Die Wedernoch“ weit kräftiger gezeichnet und haben eine tiefergehende Stärke in ihrem Charakter entwickelt.

Die Perspektive wechselt von den beiden Jungen auch immer wieder zu Hettie, deren Reise doch um einiges spannender ist. In der Feenwelt erlebt sie Grausamkeiten und muss auf sich allein gestellt immer wieder gefährliche Situationen überleben. Aber alles in allem bleibt die Welt der Feen doch wage. Das Haus der hinterhältigen Priscaltine kam mir irgendwie wie ein Abklatsch des Gormenghast-Schlosses von Mervyn Peake vor. Dieses gruselig und voller phantastischer Wesen, jenes zwar auch seltsam und chaotisch, aber zugleich halten sich die Ereignisse im Schloss in Grenzen, es bleibt blass.

Auch nach Band 1 habe ich mir für Band 2 mehr erhofft. Stefan Bachmann konzentriert sich in „Die Wedernoch“ mehr auf seine bereits erschaffene Welt. Es scheint mir als Leserin nicht mehr so querbeet durcheinander zu gehen, wie bei „Die Seltsamen“, wo noch zu viele Ideen in einen Roman geworfen wurden. Dennoch fand ich die inhaltliche Ereignisabfolge dieses Mal zu gering. Es wurde viel geredet oder beschrieben, aber die eigentliche Geschichte hält sich relativ in Grenzen.

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autor. Stefan Bachmann | Originaltitel: The Whatnot | übersetzt von: Hannes Riffel | Genre: Urban Fantasy | Reihe: Die Seltsamen | Band innerhalb der Reihe: 2 | Gattung: Roman | Verlag: Diogenes ( 2015 ) | Seiten: 407

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Papiergeflüster | Buchsichten | Katja’s Lesewolke

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