Rezension | Echo Boy von Matt Haig

Echo Boy von Matt Haig

Es ist das Jahr 2115. Die Menschen sind am Höhepunkt ihrer technischen Entwicklung. Ihnen zu Diensten sind die Echos (= Elektronischer computerisierter humanisier Organismus), menschenähnliche Roboter ohne eigene Rechte, doch mit künstlicher Intelligenz so ausgestattet, dass sie viele Aufgaben übernehmen können. Nur eines unterscheidet sie noch von den Menschen: Gefühle.

Echo Boy – eine vollkommen digitalisierte Welt

In dieser Welt wächst die 15-jährige Audrey auf, die Zuhause von ihrem Haushalts-Echo Alissa unterrichtet wird oder im Pod an virtuellen Unterrichtsstunden mit anderen Schülern teilnimmt. In Audreys Gesellschaft funktionieren die Vorhänge auf Wortlaut und Magnetbahnen sorgen dafür, dass man in wenigen Minuten fast jeden Ort auf der Welt erreichen kann. Mit Info-Linsen bleibt man ständig in Kontakt und für das Gehirn gibt es Tabletten, welche die eigene Denkfähigkeit steigern.

Allerdings hat die digitale Entwicklung auch ihren Preis. Kaum jemand kennt noch seine Nachbarn, jeder lebt für sich oder tritt mittels Pod in Kontakt. Der Mensch wird über 100 Jahre alt und hat inzwischen auch den Mond als Lebensraum erobert. Echos sind keine gewöhnlichen Roboter, wie so viele andere technische Hilfswerkzeuge für den Menschen. Echos sind künstliche Intelligenzen, die Entscheidungen treffen können. Audreys Vater hat nur unwillig zugestimmt eine Echo in seinem Haus aufzunehmen. Er ist Aktivist gegen die immer weiter vorangetriebenen technischen Neuerungen, allem voran gegen die Wiedererweckung ausgestorbener Spezies und deren öffentliche Präsentation.

Echo Boy – zwischen Mensch und Maschine

Doch dann werden Audreys Eltern von einer Echo ermordet und Audrey kann nur knapp dem eigenen Tod entrinnen. Ihr Onkel Alex, mit dem sie kaum Kontakt hat, nimmt sie bei sich auf. Doch das Mädchen ist völlig verstört und ihr Onkel vertritt die genau entgegengesetzte Position, die ihr Vater vertreten hat. Alex Castle ist Chef einer der weltweit erfolgreichsten Firmen zur Herstellung von Echos und zur Wiederbelebung ausgestorbener Spezies. Audrey erträgt den Schmerz über den Tod ihrer Eltern nur mit Nanopads an den Schläfen, die ihre Gefühle eindämmen. Doch dabei ignoriert sie die Nebenwirkungen des noch nicht fertigestellten Produkts und erkennt zu spät, dass ein Echo im Haushalt ihres Onkels nicht der Bösewicht ist, für den sie ihn hält.

Matt Haig kreiiert mit „Echo Boy“ eine interessante Welt, in der Mensch und Maschine nebeneinander existieren. Er kratzt mit seiner Geschichte an jener Grenze, bei deren Überschreiten die  Vorherrschaft des Menschen möglicherweise ein Ende findet. Wann wird diese Singularität erreicht, die Audreys Vater befürchtet und Onkel Alex in ferner Zukunft sieht? Intrigen spannen sich zwischen den Echo-Firmen, deren Produkte aussehen wie Menschen und sich verhalten wie Menschen, die aber ansonsten keinerlei Rechte haben, denn sie sind keine Menschen. Ihnen fehlt das ausschlaggebende Element: Gefühle und damit die Angst vor dem eigenen Tod, dem Zersetzt-Werden. Aber was, wenn ein Echo, der hergestellt wurde, der genau diese Emotionen besitzt; der Schmerz empfinden kann und der Angst  davor hat, dass seine Existenz endet? Was macht den Mensch zum Menschen und den Roboter zum Roboter? Ein bloßes Brandmark auf der Haut, ein Chip im Kopf oder das Fleisch, das die Knochen umhüllt?

Ein kurzweiliges Lesevergnügen mit spannender Story

Echo Boy“ ist eine kurzweilige Unterhaltung, von der ich mich nicht so viel erwartet habe, die mich dann aber doch total überrascht hat. Ich bin davon ausgegangen – mit Klappentext – dass ich ein Jugendbuch mit Lovestory in Händen halte, die in einer fernen und weit entwickelten Zukunft spielt. Aber das ist nur ein seichter Nebenstrang.

In „Echo Boy“ geht es vielmehr um die Menschheit und ihr Drang danach sich ständig weiterzuentwickeln und damit eine Grenze nach der anderen zu überschreiten. Es geht um Digitalisierung, Technologisierung und den Kern der Menschlichkeit. Ist es eines Tages möglich den Menschen als Menschen exakt nachzubilden – nur eben mit einem Chip im Kopf? „Echo Boy“ hat eine spannende Story, der es zwar etwas an Tiefgang fehlt, deren Figuren aber dennoch gut ausgearbeitet sind. Manchmal ist Gut und Böse direk zuordenbar, manchmal verschwimmt die Linie in einen Graubereich.

Matt Haig hat eine Welt erschaffen, die spannend und interessant zugleich ist. Für mich ein durchaus lesenswertes Buch, das sich besonders für Zwischendurch eignet. Science Fiction auf wenigen Seiten!

Bibliographische Angaben zum Buch:

Autor: Matt Haig | Originaltitel: Echo Boy | übersetzt von: Violeta Topalova | Genre: Jugendbuch, Science Fiction | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: dtv ( 2016 ) | Seiten: 400

Weitere Rezensionen zu „Echo Boy“:

Lillis Buchseite | Bücher wie Sterne | My Library of Dreams | Trallafitibooks

Ein Kommentar

  1. Hey!
    Es freut mich, dass dir Echo Boy gefallen hat 🙂
    Mir fehlte zeitweise die Authentizität was das (emotionale) Miteinander betroffen hat, aber ansonsten gefiel mir die Geschichte ganz gut. Ich bin gespannt auf andere Romane von ihm.

    Danke fürs Verlinken!

    Liebe Grüße,
    Nicci

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