[Rezension] Eco, Umberto: Die große Zukunft des Buches

Details:
Originaltitel: N’espérez pas vous débarrasser des livres
Autor: Umberto Eco, Jean-Claude Carrière
Genre: Sachbuch, Buch über Bücher, Interview
Reihe: –
Gattung: Sachbuch
Verlag: Carl Hanser ( 2010 )
Seiten: 285

Inhalt:

„Das Buch ist wie das Rad. Hat man es erst einmal erfunden, kann man nicht mehr weiter gehen“, sagt der Schriftsteller und leidenschaftliche Buchsammler Umberto Eco im Gespräch mit Jean-Claude Carrière, französischer Drehbuchautor und Schriftsteller, und dem Journalisten Jean-Philippe de Tonnac. Gemeinsam sprechen sie nicht nur über ihre eigene Sammelleidenschaft, was Bücher betrifft, sondern auch über die Entwicklung des Buches noch vor dem Buchdruck und die möglichen Perspektiven, die das gedruckte Wort haben könnte.

Meinung:

Der Italiener Umberto Eco gehört zu den bekanntesten Schriftstellern unserer Zeit. Mit seinem ersten Roman Der Name der Rose erlangte er sogleich Weltruhm. Das Buch wurde 1986 mit Sean Connery verfilmt. Aber Eco ist nicht nur Buchautor, sondern auch Philosoph, Kolumnist und Medienwissenschaftler. Bis 2007 lehrte er außerdem an der Hochschule und war Lehrstuhlinhaber an der Universität von Bologna.

Jean-Claude Carrière ist ein bedeutender französischer Drehbuchautor und Schriftsteller. Er schrieb zahlreiche Drehbücher, darunter zu den Filmen „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“, nach dem gleichnamigen Roman, und „Die Blechtrommel“.

Die Zukunft des Buches ist ein Interviewgespräch gemeinsam mit dem Journalisten Jean-Philippe de Tonnac. Thema: das Buch. Aber nicht nur über Bücher soll die Rede sein, sondern weitreichende Verstrickungen führen über Film, Internet, Sprache bis hin zu unserer Kultur des Wissens und dem angeblichen Verschwinden des Mediums „Buch“.

Dabei führen Eco und Carrière gekonnt durch die Entwicklung des Buches, dem Buchdruck, ihrer eigenen Sammelleidenschaft für Bücher, erklären, was einen wahren Sammler ausmacht, was überhaupt Inkunabel sind und wie sie sich die Zukunft des Buches denken. Für Eco ist das Buch sogar die Perfektion schlechthin. Er vergleicht dessen  Erfindung mit der des Rades und – genau wie Carrière – sieht er keine Veranlassung zu befürchten, dass das Buch in Zukunft nicht mehr existent sein wird. Schließlich hat es eine lange Tradition hinter sich, die bisher auch andere Datenspeicher ausgestochen hat:

„Wir können diesen Text, der vor fünfhundert Jahren geschrieben wurde, also heute noch lesen. Aber eine Videokassette oder eine CD-ROM, die gerade einmal ein paar Jahre alt ist, können wir nicht mehr lesen oder ansehen. Außer wir bewahren unsere alten PCs im Keller auf.“ (S.22 | Jean-Claude Carrière)

Dennoch muss man sich vor Augen halten: Bücher zersetzen sich und dann können wir sie nicht mehr lesen. In welche Form sich das Buch also weiterentwickeln wird, bleibt noch im Dunkeln. Aber hier kommen wir zu einem weiteren Punkt, dem sich dieses Buch ausgiebig widmet: Welche Kriterien erfüllen literarische Werke, die die Jahrhunderte überdauern und heute noch von uns gelesen werden? Oder noch viel interessanter: Wie viele Bücher haben gerade die Zeit nicht überdauert und sind mit ihren Schöpfern in Vergessenheit geraten. Welche grandiosen Worte werden wir nie zu Gesicht bekommen? Und welche Bücher unserer Zeit werden diesen Schritt in die Zukunft schaffen?

Diese und weitere Fragen behandeln die beiden Schriftsteller ausführlich und als Leser, Bibliophiler oder Sammelwütiger ist man fasziniert von der beinahe schon philosophischen Reise, welche die beiden rund um die Sprache, die Schrift und das Buch machen. Immer wieder finden sie zu Vorangegangenem zurück, vertiefen sich in interessante Konstrukte, aber ohne dass es langweilig wird und erzählen dabei eigene Buch-Ereignisse aus ihrem Leben.

Schließlich sind beide leidenschaftliche Sammler und besitzen große Bibliotheken. Umberto Eco beispielswiese sammelt antiquarische Bücher über Irrtum, Dummheit und Unaufrichtigkeit. Carrière dagegen das Disparate, unterschiedliche Bücher nebeneinander, die auch im Widerspruch zueinander stehen. Was sind die Motive eines Sammlers? Ist nur eine Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellen lässt. Insgesamt betrachtet ist dieses Buch für alle Buchliebhaber geeignet, die auch gerne mal über den Tellerrand hinausschauen und sich intensiver, – ja niveauvoller – mit dem Medium Buch auseinandersetzen wollen und nicht zuletzt aus der Neugierde heraus: Was wird aus dem Buch in unserer technologischen, globalisierten Welt?

Fazit:

In den Medien ist die Zukunft des Buches oder besser gesagt sein Verschwinden ein großes Thema. Erfindungen wie E-Book-Reader oder das iPad könnten womöglich das Buch mit seinen bedruckten Seiten, die der Leser durchblättern kann, ersetzen. Diese und andere Gedanken verfolgen Umberto Eco und Jean-Claude Carrière in einem Interviewgespräch, das sich sowohl zeitlich als auch räumlich in verschiedene Richtungen streckt. Für alle Buchliebhaber und leidenschaftlichen Sammler bietet diese Lektüre viel Interessantes, aber sicherlich auch Neues.

Daher gibt es von mir 5 von 5 möglichen Sternen.

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