[Rezension] Elisa Albert: Das Buch Dahlia

Das Buch DahliaDetails:

Autorin: Elisa Albert
Originaltitel: The Book of Dahlia
Genre: Gegenwartsliteratur
Reihe: –
Gattung: Romna
Verlag: dtv ( 2011)
Seiten: 296

Inhalt:

Dahlia Finger ist Ende Zwanzig, lebt in einem schönen Haus, das ihr Vater ihr gekauft hat, doch was sie mit ihrem Leben anfangen soll, das weiß sie nicht. Sie ist kein Menschenfreund, doch ihr verhasster Bruder, der Star der Familie, ist in ihren Augen noch viel niederträchtiger. Als Dahlia die Diagnose – ein bösartiger Hirntumor – erhält, macht sie nicht nur alle Stadien der Trauer durch, sondern lässt ihr Leben, samt der Menschen darin, Revue passieren.

Meinung:

Unter diesem hochgelobten Buch habe ich mir vor dem Lesen eine ganz andere Geschichte vorgestellt, als die, die Autorin Elisa Albert geschrieben hat. Ja, Dahlia hat Krebs, einen Tumor in ihrem Kopf, der sie ohnmächtig werden lässt, der dafür sorgt, dass sie immer mehr vergisst und ihren Körper nicht mehr unter Kontrolle hat.

Und doch ist Das Buch Dahlia kein Roman über die Leidensgeschichte einer Krebserkrankten, sondern es ist die Geschichte von Dahlia, einer jungen Jüden aus Los Angeles, die in einer zerrütteten Familie aufgewachsen ist, in welcher ihr Bruder eine abstoßende Wut und Hass gegen sie seit ihrer Kindheit ausgelebt hat, in der die Mutter nach Israel zurückgekehrt ist und ihre Kinder verlassen hat, in der der Vater alles versucht zurechtzubiegen, ohne dass es ihm gelingt.

Dahlia Finger ist die innerlich zerrissenste Protagonistin, die mir je in der fiktiven Welt begegnet bin. Sie ist exzentrisch, verletzlich, egoistisch und vieles mehr. Sie hasst andere Menschen, kommt mit keinem so wirklich klar, ihre Collegefreunde liegen in der Vergangenheit, in der Gegenwart präsentieren sich nur Leute, die Dahlia aufgrund ihres Lebensstils – den sie in der Jugend immer verachteten und nun selbst leben. Dahlia Finger ist bemitleidenswert, deshalb, weil sie die Welt und ihre Umgebung durchschaut, sich aber nicht traut diese nach außen zu kommunizieren. Und doch gelingt es ihr soweit, dass sie als Außenseiterin lebt, dass sie irgendwie immer ihr Ding durchgezogen hat, aber nie so, dass man es als erfolgreich bezeichnen kann.

Dahlia Finger versöhnt sich nicht mit Gott und der Welt, nur weil der Tod an ihre Türe klopft. Nein, dann erst recht besteht sie auf ihre Meinung, auf ihre Lebensweise, auf ihr Dasein. Und doch zwängt sich darin auch immer die Angst vor dem Vergehen, dem unbemerkten Verschwinden, wenn sie geht und keine Spur auf der Welt zurücklässt. Sie sucht nach Liebe, Liebe von ihrer Mutter und Liebe von ihrem Bruder, von Männern und Frauen. Eine beinahe schizophrene Persönlichkeit liegt Dahlia Finger an den Tag, die genauso aber auch nur das Innen und Außen eines Menschen sein kann, der täglich eine Maske trägt, um akzeptiert zu werden.

Fazit:

Viele schreiben, man brauche Empathie für dieses Buch. Und ja, es lebt von der Empathie für eine Person, die das Leben immer wieder beutelt, die sich nicht in das System einfügen kann, ohne daran zu zerbrechen. Aber es lebt nicht von der Empathie für eine Totkranke, sondern für eine Eigenbrötlerin, eine, die verzweifelt ihren Weg sucht und dabei eine innerliche Zerrissenheit an den Tag legt, die Autorin Elisa Albert zu beschreiben weiß. Dieses Buch ist Dahlia Finger, in all ihren Facetten, ob liebens- oder hassenswert. Ein Buch, das mehr einer Person gleichkommt, und eine Geschichte, die vom Leben, mit all seinen zu überwindenden Schwierigkeiten, erzählt.

Bewertung: [5/5]

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