[Rezension] Ellen, Tom; Ivison, Lucy: Sannah & Ham

Details:
Originaltitel: Lobsters | Autoren: Tom Ellen und Lucy Ivison | übersetzt von: Ilse Rothfuss | Genre: Jugendbuch | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Chicken House ( 2014 ) | Seiten: 393

Sannah und Ham

Hannah und ihre Freundinnen haben die letzten Prüfungen der High School abgeschlossen. Die Ergebnisse stehen noch aus und bis sie diese erfahren, spielen ganz andere Themen eine Rolle: Stellas Party, auf der Hannah endlich ihre Jungfräulichkeit verlieren soll. Das erste Mal, Jungs, Erwachsen werden und die erste große Liebe und das „füreinander-bestimmt“-Sein darum dreht sich alles in Sannah und Ham.

Eine High-School-Komödie mit Witz und Charme

Schon nach wenigen Seiten vernimmt man die Musik des Textes: er ist witzig, spritzig und voller humorvoller Anekdoten. Die Freundinnen Hannah, Stella, Grace und Tilly sind typische Teenager auf dem Weg zum Erwachsensein, die sich nicht nur mit ihrem ersten Mal beschäftigen, sondern die zwischen wahrer Freundschaft, harter Konkurrenz, Vertrauen und Verrat stehen. Sannah und Ham bespricht das, was Jungs und Mädchen beschäftigt, wenn es gerade nicht um Schulergebnisse und die berufliche Zukunft geht, nämlich sich selbst finden, sich selbst treu bleiben und das Vertrauen in andere nicht verlieren oder überhaupt erst finden.

Dabei bleibt die eine oder andere absolut peinliche Situation nicht aus. Das Autorenduo Lucy Ivison und Tom Ellen leistet hier bravouröse Arbeit, denn sie sprechen Themen an, die Jugendliche beschäftigen und treffen dabei genau den richtigen Ton: nicht zu ernst, sondern witzig, aber nicht lächerlich oder übertrieben. Schamlos und offen lassen sie ihre Figuren über Intimrasur, Sex und Beziehungen sprechen. Es gibt Streit, es gibt Drama, es gibt Versöhnungen – boys and girls and life.

Soziale Grenzen und Druck – zielsicher getroffen

Aber nicht nur die Themen ihres Buches treffen die beiden Autoren sehr gut, sondern auch ihr Erzählstil sprudelt nur so vor humorvoller Anekdoten und Erlebnisse. Aus den sich immer wieder überschneidenden Perspektiven von Sam und Hannah ist dieses Buch perfekt auf seine Zielgruppe zugeschneidert: Jungs und Mädels, die sich gleichermaßen über das erste Mal unheilvolle Gedanken machen. Ellen und Ivison begreifen wie sich sozialer Druck unter jungen Erwachsenen aufbaut und wie wenig sie sich diesem – auch wenn sie ihn erkennen – entziehen können. Bis auf das Ende, das mir etwas zu kurz kam und ein Thema aufwirft, das im restlichen Buch keine Rolle spielt, ist Sannah und Ham ein wirklich toller Jugendroman.

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Das Doktor-Winter-Team

Ramona ist Expertin für zwischenmenschliche
Beziehungen und steht euch mit guten Ratschlägen zur Seite,
wie auch schon den Figuren aus „Sannah & Ham“
.

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Weitere Ratschläge des Doktor-Winter-Teams gibt es bei Katha auf ihrem wunderbaren Blog Textverliebt.

 

Stella:

Liebes Doktor Winter-Team,

es mag vielleicht eingebildet klingen, aber ich bin beliebt und habe jede Menge Freundinnen. Die Jungs stehen auf mich und ich wohne in einem großen Haus, um das mich meine Freunde beneiden. Und obwohl ich all diese Dinge habe, fühle ich mich einsam. Meine Eltern sind nie Zuhause und scheren sich nicht darum, was ich mache. Mein Freund trifft sich mit einer anderen und ich habe das Gefühl, dass mich niemand um meinetwegen wirklich will. Was soll ich tun?

Stella

Liebe Stella,

das Gefühl allein zu sein, kennen viele, besonders dann, wenn man in einem großen Haus ganz alleine ist. Es ist sehr schade, dass deine Eltern so wenig Zeit für dich haben und wenn es geht, dann sprich mit ihnen darüber, wie sehr sie dir fehlen. Und wenn sie dennoch keine Zeit haben, dann denk daran, dass du Freundinnen hast, die dich lieben und die auf deiner Seite stehen, besonders dann, wenn es hart auf hart kommt. Und wenn dein Freund sich eine andere sucht, dann ist er es nicht wert, dein Freund zu sein. Das hört sich erst einmal wie ein beliebiger Spruch an und wird dich in diesem Moment wenig trösten, doch glaube mir: eines Tages findet sich jemand, der dich wirklich liebt und den du liebst ohne Hintergedanken, ohne Zweifel. Und bis dahin gilt: du bist ein wertvoller Mensch und auch wenn sich nicht jeder die Mühe macht das zu erkennen, so bist du nicht weniger wertvoll. Erinnere dich an deine Stärken, entdecke das, was dir Freude macht und der Rest kommt eines Tages von ganz allein.

Sei mutig!
Dein Dr. Winter Team

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Sam:

Ich fühle mich wie die letzte Jungfrau. Mit Mädchen sprechen ist der blanke Horror. Wie kann ich endlich Sex haben?

Ein Verzweifelter

Hallo Verzweifelter,

verliere nicht die Hoffnung! Deine Situation ist nicht so ausweglos, wie du jetzt vielleicht glaubst. Das erste Mal sollte etwas Besonderes sein, also überstürze nichts, nur um endlich keine Jungfrau mehr zu sein. Warte, bis du ein Mädchen triffst, mit dem du dich gut verstehst und mit dem du lachen kannst. Dabei hilft es immer dran zu denken, dass auch Mädchen nur Menschen sind, die sich ebenfalls um alles Gedanken machen, in peinliche Situationen geraten oder mal etwas Blödes sagen. Halte dich bei Gesprächen mit Mädchen einfach an die Dinge, die dir wichtig sind. Erkundige dich nach ihren Hobbys oder wie sie ihre Freizeit gestalten, wenn ihr Gemeinsamkeiten habt, dann habt ihr automatisch aus Gesprächsthemen und der Rest ergibt sich.

Dein Dr. Winter Team

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Robin:

Ich steh total auf Harry Potter. Das sind die tollsten Bücher der Welt, aber ich verheimliche vor meinen Freunden, dass ich Harry Potter mag. Ich habe Angst, dass sie mich auslachen und sagen, das sei Kinderkram und dass man sowas als echter Mann nicht lesen darf. Schließlich bin ich cool und will das auch bleiben; zu meinem Image passt Harry Potter einfach nicht. Soll ich es weiter verheimlichen?

R.W.

Hallo Ronald Weasley,

ich bin mir sicher, dass deine besten Freunde wissen, dass du Fan von Harry Potter bist. Und wenn es deine besten Freunde sind, dann werden sie dich deshalb auch nicht verurteilen oder dich auslachen. Jeder hat einen eigenen Geschmack und manchmal passt der eben nicht jedem. Dennoch werden sie deine Vorlieben respektieren, wenn sie diese auch nicht teilen mögen.

Natürlich musst du nicht jedem sofort alle deine Leidenschaften auf die Nase binden, aber wenn du genau hinhorchst, dann findet sich bei fast jedem ein Hobby oder eine Vorliebe, die dir nicht gefällt oder die du komisch findest. Aber genau das macht den Menschen aus, der dir gegenübersteht. Ganz nach dem Motto „Leben und leben lassen“ kannst du zu deinem Fandom stehen.

Dein Dr. Winter Team

 

3 Kommentare

  1. Huhuu, ich war auch gerade schon bei Katha..das ist so eine wundervolle Idee von euch mit dem Dr. Winter Team. Echt klasse geworden, vielen Dank dafür :). Musst ich bei mir gleich mal mit weiterempfehlen, einfach zu gut 🙂 glg Franzi

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