[Rezension] Erdrich, Louise: Das Haus des Windes

Details:
Originaltitel: The Round Haus | Autorin: Louise Erdrich | übersetzt von: Gesine Schröder | Genre: Gegenwartsliteratur | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Aufbau Verlag ( 2014 ) | Seiten: 384

Der 12-jährige Joe ist Indianer und lebt mit seinen Eltern in einer schönen und gemütlichen Hütte in einem Reservat in den Vereinigten Staaten von Amerika. Joes Vater ist Richter und seine Mutter kümmert sich um unterschiedliche Anträge mit Stammes- und Reservatsbezug. Und obwohl seine Eltern nicht mehr die Jüngsten sind, versteht er sich sehr gut mit ihnen. Bis zu dem Tag, an dem seine Mutter blutverschmiert und völlig traumatisiert Zuhause auftaucht. Sie wurde brutal zusammengeschlagen und vergewaltigt.

Ein Kampf der Zuständigkeiten – das Schweigen im Walde

Danach herrscht Schweigen. Seine Mutter Geraldine schließt sich im Schlafzimmer ein, vegetiert vor sich hin, isst kaum und ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Joe muss sich damit anfreunden, dass seine Familie nicht mehr das ist, was sie einmal war. Hinzu kommt, dass der Ort des schrecklichen Geschehens im Dunkeln liegt. So werden die Untersuchungen vom örtlichen Sheriff, dem FBI und den Reservatsleuten nur halbherzig geführt. Und Geraldine schweigt weiterhin.

Um seine Mutter zu rächen, begibt sich ihr Sohn gemeinsam mit seinen besten Freunden auf die Suche nach dem Vergewaltiger und stößt dabei auf ungeahnte Konflikte. Er lernt die Arbeit seines Vaters kennen und erfährt, wie zwiegespalten die Geschichte der Indianer und des Weißen Mannes wirklich ist. Joe ist ein bemerkenswerter Charakter, der zwischen Recht und Unrecht steht, der Gerechtigkeit will, aber sieht, dass das Recht nicht immer auf der Seite der Gerechtigkeit ist. Seine Auffassungsgabe ist schnell und er lernt rasch, plötzlich auch sich allein gestellt zu sein. Aus den Erwachsenen bekommt er immer wieder das heraus, was er wissen muss, um der Wahrheit ein Stück näher zu kommen.

Über Gerechtigkeit – über die Welt – über das Leben

Louise Erdrich erzählt vom Leben und von den Entscheidungen, die wir fällen müssen. Sie zeigt, wie schwer es wird in einer ungerechten Welt Gerechtigkeit walten zu lassen. Mit Das Haus des Windes hat sie aber nicht nur einen Roman geschrieben, der sich mit einem so schweren Thema befasst, sondern ein Buch, das sich um Geschichten dreht. Gemeinsam am Lagerfeuer sitzen und den Geschichte der Vorfahren lauschen, aber auch Geschichten, die hinter jeder einzelnen ihrer Figuren steckt und die manchmal so niederträchtig oder traurig sind, dass man weghören möchte. Dieser Roman handelt von tiefer Freundschaft und von Verrat, von Liebe und unbändigem Hass und vom Leben und wie jeder selbst seinen Weg, seine Moralvorstellungen und seinen Begriff von Gerechtigkeit schaffen muss, um zu überleben.

 

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