[Rezension] Faulkner, William: Eine Rose für Emily

Eine Rose für EmilyDetails:
Originaltitel: The Collected Stories of William Faulkner
Autor: William Faulkner
Genre: Weltliteratur
Reihe: –
Gattung: Erzählungen
Verlag: Diogenes ( 1972 )
Seiten: 228

Inhalt:

In Jefferson brodelt die Gerüchteküche, egal ob es sich dabei um die tote Emily handelt, in deren Haus ein Zimmer seit Jahrzehnten verschlossen ist oder um den intriganten Snopes, der seine schwarzen Angestellten gegeneinander ausspielen will oder um den Friseur Hawkshaw, der nur Augen für die junge Susan Reed hat. Stadtleben zwischen Apartheid, gesellschaftlichen Zwangsstrukturen und kleinstädtischer Tratscherei.

Meinung:

Schauplatz von Faulkners Erzählungen ist die amerikanische Kleinstadt Jefferson. Eine Stadt, in der jeder seinen Platz hat. Der Friseursalon ist Sammelhort und Gerüchteküche. Weitergabe von Geschichten, Erlebnissen und Ideen, egal ob wahr oder erlogen. Dort werden perfide Pläne geschmiedet, die einem „Nigger“ das Leben kosten (oder beinahe?). Dort werden Beobachtungen angestellt, die das kleine Städtchen im Nu in helle Aufregung oder in völliges Erstarren versetzen können.

Faulkners Erzählungen sind unterhaltsame Geschichten über eine geschäftige Welt, in der allerdings strikte Rassentrennung herrscht und in der schon ein Gerücht das unterdrückte Brodeln zum Explodieren bringen lassen kann. Obwohl jeder, egal ob Weißer oder Schwarzer, seinen Platz in dieser Gesellschaft kennt, so gibt es immer wieder Außenseiter, die auf irgendeine Weise nicht hineinpassen, aber geduldet oder gemieden werden.

Nie schreibt Faulkner Eindeutiges. Immer wandeln seine Figuren zwischen Licht und Schatten. Sie verfolgen Ziele, die weder für ihre Umgebung, noch für den Leser entschlüsselbar sind und schafft er es immer wieder blitzschnelle Handlungsänderungen einzubauen, die überraschen, wenn nicht sogar schockieren. Aber nicht alle Erzählungen hatten diesen Effekt. Manche waren, durch die Uneindeutigkeit zäh und eher langweilig, andere dagegen waren mitreißend und haben die Vorstellungskraft und das Mitdenken des Lesers gefordert.

An seiner Sprache erkennt man den Wert, den Faulkners Werte für die Literatur hinterlassen haben. Mit geballter Power führt er ein ums andere Mal in seine Erzählungen hinein, die Normalität und Kleinstadtleben repräsentieren, aber in ihrem Beginn fast immer ein sprachliches Kunstwerk sind, das man nur bewundern kann.

Fazit:

Mit einer beeindruckenden Wortgewandtheit beginnt Faulkner beinahe jede seiner Erzählungen. Er führt das Wort auf phantastische Weise in die Normalität einer amerikanischen Kleinstadt und lässt seine Figuren zwischen Licht und Schatten wandeln. Blitzschnell kann er eine Handlung in ihr Gegenteil verkehren oder bis zum bitteren Ende ausführen, aber niemals auf eine Eindeutigkeit, sondern die Vorstellungskraft und Aufmerksamkeit des Lesers sind gefordert, um die Komplexität der Erzählungen zu begreifen

Bewertung: [4/5]

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