[Rezension] Fry, Stephen Mrs.: Darling, fesselst du schon mal die Kinder? Das heimliche Tagebuch der Edna Fry

Darling, fesselst du schon mal die Kinder?

Details:

Originaltitel: Mrs Fry’s Diary
Autor: (Mrs.) Stephen Fry
übersetzt von: Ulrike Blumenbach
Genre: Humor & Satire
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: Aufbau Verlag (2012)
Seiten: 248

Inhalt:

Edna Fry ist Hausfrau und Mutter. Ihr Gatte, der (berühmte) Stephen Fry ist ein nichtsnutziger Fensterputzer und verbringt seine freie Zeit meistens im nächsten Pub oder läuft den Nachbarsfrauen hinterher. Aber nicht nur mit ihrem Ehemann hat Edna alle Hände voll zu tun, sondern auch mit den sechs (oder sieben?) Kindern steht jede Menge Ärger im Haus. Stephen junior, Vienetta und Brangelina glänzen nicht in der Schule durch gute Noten, sondern meist durch Gewaltausbrüche oder anderen Schabernack gegenüber Lehrern und Schülern. Als es dann auch noch so scheint, dass Stephen ihr etwas verheimlicht, ergreift Powerfrau und Dichttalent Edna die Initiative.

Meinung:

Mrs. Stephen Fry führt akkurat Tagebuch über ihr Leben, das sie mit ihrem Mann Stephen und den sechs oder doch sieben Kindern führt. Sie schreibt über ihre Freizeitaktivitäten, die verrückten Ideen ihres Ehegatten und die manchmal missratene Nachkommenschaft. Sie ist Mitglied in einem Buchclub, schreibt nebenbei ihrer Meinung nach phänomenale Gedichte und sorgt sich um ihre Kinder, die alles andere als wohlgeraten sind. Edna Fry ist eine selbstbewusste und von sich in hohem Maße überzeugte Frau. Sie ist Dichterin und Organisationstalent, was den Familienhaushalt betrifft. Ihren Mann hat sie im Griff, auch wenn er, so meint sie, ein Taugenichts ist.

Nach und nach machen ich Gerüchte breit, dass Stephen ein Geheimnis hat. Tante Audacia stirbt als sie mit ihrem letzten Atemzug Edna die Wahrheit über ihren Mann mitteilen will. Wenig später teilt ihr allerdings Doktor Laurie Hausmann – ein dezent unübersehbarer Wink für den Serien-Doktor House Hugh Laurie – mit, dass die alte Damen nicht Ednas Tante, sondern Maude Blenkinsopp war, die krankheitsbedingt ständig ihre Identitäten gewechselt hat.

Angespornt von diesem Geheimnis wird Edna aktiv. Was treibt Stephen heimlich in seinem Schuppen und wieso hat er einen Twitteraccount, welcher der Menschheit mitteilt, dass Stephen in der Oper war oder kulturellen Events beigewohnt hat. Und das obwohl Edna genau weiß, dass Stephens Lieblingsbeschäftigung Biertrinken im Pub oder Viagrapillen schlucken ist.

Von Stephen Fry als Autor halte ich sehr viel, so war ich doch gespannt, was er als sein Alter Ego Mrs. Edna Fry so alles produziert hat und schnell wurde klar: dieses Buch lebt von Anspielungen auf das aktuelle Weltgeschehen, egal ob politisch, gesellschaftlich, egal ob Schauspielkollegen oder Mr. Fry höchstpersönlich.

Neben dieser Fülle an Vieldeutigkeiten ist Mrs. Stephen Fry eine Frau von Welt, die sich nicht unterbuttern lässt. Sie hat ihre Ansichten und vertritt feste Standpunkte, die sich durch keine Tatsachen der Welt umwerfen lassen. Blind läuft sie durch die Welt, so erkennt sie auch nicht, wer ihr Stephen wirklich ist. Sie verkennt ihre eigenen Schwächen und macht aus Ihnen Talente, versteht die Welt so wie sie will und hat dabei ein wirkliches Realitätsproblem. Leider macht sie das, obwohl der satirische Tagebuchstil meist lustig beim Leser ankommt, ansonsten aber meist unsympathisch.

Welchen Sinn die vielen fast ausschließlich straffälligen Kinder der Frys haben, konnte ich während des gesamten Buches nicht wirklich entschlüsseln. Was der Hinweis auf Brad Pitt und Angelina Jolie , mit der Tochter Brangelina darstellen soll, habe ich nicht verstanden und auch Viennetta und Co. fand ich mehr als unnötig. An diesen Punkten war für mich auch letztendlich der Humor fehl am Platz.

Fazit:

Stephen Frys Satire als Ehefrau Edna Fry ist unterhaltsam und voller Anspielungen auf Schauspieler, aktuelle gesellschaftliche sowie politische Themen und natürlich sein eigenes Leben. Es versprüht wie immer den Fryschen Humor, kann aber eindeutig mit Frys anderen Werken nicht mithalten. Streckenweise ist es langatmig, wenn nicht sogar etwas langweilig, denn zu Mrs. Fry, die offensichtlich ein Realitätsproblem hat, kann man keine enge Bindung erzeugen, noch wirklich großartig Sympathien entwickeln. Das gesamte Buch ist nur darauf angelegt, zu erfahren, ob sie Stepehns wahres Ich – sein Schauspieler-Schriftsteller-Komiker-Dasein – endlich wahrnimmt oder nicht.

Bewertung: [3/5]

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