[Rezension] Giordano, Paolo: Die Einsamkeit der Primzahlen

Details:

Originaltitel: La solitudine die numeri primi
Autor: Paolo Giordano
Genre: Romane und Erzählungen
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: Karl Blessing ( 2009 )
Seiten: 363

Inhalt:

Alice und Mattia – zwei Menschen, die eigentlich ganz unterschiedlich sind und doch viel gemeinsam haben. In ihrer Kindheit widerfahren ihnen Schicksalsschläge, die sie für ihr restliches Leben prägen. Auf dem Gymnasium treffen die beiden aufeinander und schließen Freundschaft, doch ihre Vergangenheit hängt ihnen immer hinterher und droht alles zu zerstören.

Meinung:

Als Alice ein kleines Mädchen ist, will ihr Vater sie zu einer perfekten Skifahrerin erziehen. Doch die Kleine hat Angst davor eines Tages Skirennen fahren zu müssen. An einem besonders nebligen Tag kommt sie von der Piste ab, was zurückbleibt ist eine große Narbe und ein Bein, das sie immer etwas hinter sich her schleift.

Mattia und Michaela Balossino sind Zwillinge, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Der Junge ist intelligent, seine Schwester dagegen geistig zurückgeblieben. Dennoch besuchen die beiden dieselbe Grundschule und Mattia sitzt neben seiner Schwester, denn sonst will niemand etwas mit dem Mädchen zu tun haben, das plötzlich ohne jeden Grund anfängt zu schreien und um sich zu schlagen. Nur Mattia kann sie beruhigen. Die Lehrer sind überfordert. Als er auf einen Kindergeburtstag eingeladen ist – zum ersten Mal in seinem Leben – beschließt er ohne seine Schwester dorthin zu gehen, denn sie würde ihm doch nur den Spaß verderben. Deshalb lässt er sie auf einem Spielplatz zurück – nur für ein paar Stunden. Als er zurückkehrt, ist Michaela verschwunden. Für immer.

Die beiden leben mit dem, was ihnen als Kindern widerfahren ist. Jeder auf seine eigene Art und als sie auf dem Gymnasium zusammentreffen, schließen sie Freundschaft. Doch die Vergangenheit begleitet sie ständig: Alice hungert sich zu Tode. Sie hat ein ganz verdrehtes Bild von sich selbst und will nur so sein wie Viola – eine Klassenkameradin – die eigentlich nicht wirklich ihre Freundin ist. Sie verletzt dabei Menschen, die ihr helfen wollen, wie das Hausmädchen Soledad aus Ecuador.

Mattia hingegen lebt in seiner eigenen Welt. Er verletzt sich selbst, um etwas zu fühlen. Er ist Klassenbester und lernt am liebsten, denn dann kann er sich aus der Welt zurückziehen. Zahlen sind seine Leidenschaft – oder vielmehr eine Flucht, denn die Mathematik folgt strukturierten Regeln.

Paolo Giordano hat mit Die Einsamkeit der Primzahlen ein bewegendes Buch geschrieben, das mich schon nach den ersten Seiten tief berührt hat. Er erzählt von zwei Menschen, die Schicksale erlebt haben, die man wohl selbst kaum nachempfinden kann. Alice und Mattia sind verletztlich ducrh das, was ihnen widerfahren ist. Sie versuchen auf irgendeine Art weiterzumachen und ihr Leben zu meistern.

Dabei treffen sie aufeinander doch jeder kämpft mit seiner eigenen Vergangenheit und diese hat sie so geprägt, dass sie nie ganz offen miteinander sprechen können. Als Leser ist man von der Tragik, die das Buch begleitet, wirklich ergriffen und fiebert mit den beiden Figuren mit. Hofft. Bangt. Dennoch kann man nie ganz fassen, was in Alice oder Mattia vorgeht. Ihr Handel hat doch immer mit dem zu tun, was ihnen widerfahren ist. Es hat sie geprägt.

Ihre eigene Vergangenheit haben sie selbst nie wirklich verarbeiten können. Alice hat das Vertrauen zu ihrem Vater verloren, zwischen ihnen existiert keine glückliche Vater-Tochter-Beziehung mehr. In Mattias Familie wird nicht über das gesprochen, was geschehen ist. Der Vater leugnet, dass mit seinem Sohn etwas nicht stimmen könnte – er sieht die Schnitte in dessen Haut, versucht sie aber zu ignorieren. Die Mutter ist machtlos.

Die Einsamkeit der Primzahlen ist ein packender Roman über zwei Leben, die außergewöhnlich sind. Ein Buch über zwei Menschen, die in ihrer Kindheit Etwas erleiden mussten, das sie nicht verarbeiten konnten und das ihr Leben für immer verändert sollte.

Fazit:

Paolo Giordanos Roman ist ein tief bewegendes Buch. Schon nach den ersten Seiten habe ich als Leser dieses tragische, teilnehmende Gefühl verspürt, das sich durch das gesamte Buch zieht. Die beiden Protagonisten Alice und Mattia sind außergewöhnliche Figuren, die man wohl nie ganz verstehen kann, da sie etwas erlebt haben, das nicht gewöhnlich ist. Ihre Vergangenheit begleitet sie in jeder Sekunde ihres Lebens und das auf eine allzu drastische Art und Weise.

Daher gibt es von mir 5 von 5 möglichen Sternen.

~~~

Danke an den Karl Blessing Verlag für das Rezensionsexemplar!

Ein Kommentar

  1. Danke für den super Tipp! Ich versuche auch gerade, mich ein wneig vom Mainstream zu befreien. Deine Rezension hat mich einmal mehr dazu angeregt, auch mal wieder nach anderen Schätzen zu schauen. Dieses Buch gehört auf jeden Fall dazu!

    LG,
    JED

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.