[Rezension] Goldt, Max: Ein Buch namens Zimbo

Details:

Originaltitel: Ein Buch namens Zimbo. Sie werden kaum ertragen, was Ihnen mitgeteilt wird.
Autor: Max Goldt
Genre: Gegenwartsliteratur
Reihe: –
Gattung: Sammelband/Kolumnen
Verlag: Rowohlt ( 2011 )
Seiten: 199

Inhalt:

Auf 199 Seiten versammelt Max Goldt in diesem Sammelband insgesamt 24 Kolumnen/Kurzgeschichten/Texte, die sich einer genaueren Inhaltsangabe dadurch entziehen, dass sie einerseits von Alltagsthemen handeln, die der Schriftsteller gekonnt in kritische oder abstruse Richtungen lenkt. Man muss sie einfach selbst lesen, um ihre Wirkungsweise – den Goldtschen Stil – zu spüren.

Meinung:

Den Alltag als langweilig zu bezeichnen, das muss man revidieren, spätestens dann, wenn man Texte von Max Goldt gelesen hat. Der Wahlberliner begann seine Kolumnisten-Karriere zuerst für die unabhängige Berliner Zeitschrift Ich und mein Staubsauger und schrieb u.a. von 1989 bis 1998 Kolumnen für das Satire-Magazin Titanic unter Titeln wie Aus Onkel Max’ Kulturtagebuch, Diese Kolumne hat vorübergehend keinen Namen, Manfred Meyer berichtet aus Stuttgart und Informationen für Erwachsene. Derzeit arbeitet Goldt als freier Schriftstelle und Musiker.

Den Inhalt seines 2011 veröffentlichten Buches Ein Buch namens Zimbo. Sie werden kaum ertragen, was Ihnen mitgeteilt wird prägnant zusammenzufassen erscheint schier unmöglich. Denn Goldt ist ein Meister darin von alltäglichen Dingen, aus geradezu banalen Gegebenheiten, einen Bogen hin zu universalen Thematiken zu schlagen oder Alltagsgegenstände miteinander zu verbinden, die auf den ersten Blick disparat erscheinen. Auf den 199 Seiten dieses Bandes verbergen sich Texte von 2007 bis 2008, einer von 2006 und vier aus dem Jahr 2009, so erfährt der Leser noch vor Beginn der eigentlichen Sammlung.

Aus einem gemütlichen Abend bei gutem Essen und Wein entbrennt Goldt und seine Gesellschaft eine Diskussion zu „Verboten“, in welcher er sich – mit der brennenden Zigarette in der Hand – für ein rigoroses Rauchverbot ausspricht. Paradox? Ganz im Gegensatz. Laut Goldt schadet das Rauchen den Rauchern weit mehr, als allen Nichtrauchern, oder „als d(en)jenigen, die von ihnen hin und wieder mal freundlich oder unfreundlich angepustet werden“. Für alle Argumentationsspezialisten, die meinen ein Rauchverbot wäre nur der Anfang, den kann der Wahlberliner beruhigen: Der Alkohol bleibt, schließlich schöpft der Staat viel zu viele Vorteile daraus. Allein sein gesellschaftlicher Nutzen – man denke hier an Partys – überwiegt seiner Beeinträchtigung in das Leben. Von dort gelingt Goldt der Schwung zum „Genuss“ und seinem exzessiven kommerziellen Gebrauch für notwendige Alltagstätigkeiten, wie Rasieren oder Zeitungslesen. Würde das noch nicht ausreichen, so geht er noch einen Schritt weiter und prophezeit, wenn auch nur mit Vorbehalt, dass ein vollständiges Rauchverbot von der Bevölkerung angenommen werden würde. Sei es aufgrund von Bequemlichkeit oder der gesetzestreuen Bürger.

Dies ist nur eine beliebig herausgegriffene Konstruktion Goldts, die bei weitem nicht an seine sprachliche Raffinesse und Überspitztheit heranreicht, denn nur im Original wirken seine Texte herausfordern, kritisch und reflexiv.

Fazit:

„Ein Buch namens Zimbo“ enthält lustige und abstruse, aber auch kritische und herausfordernde Texte zwischen 2006 und 2009 von Max Goldt. Ausgehend von gewöhnlichen Alltagssituationen schafft er es mit sprachlichen Mitteln zu Politik, Kultur oder Gesellschaft zu gelangen, Zusammenhänge zu erschließen und schreibt damit nicht nur unterhaltsame Texte, sondern auch kritisch und überspitzt, Texte, die zum Weiterdenken motivieren.

Daher gibt es von mir 5 von 5 möglichen Sternen.

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