[Rezension] Greer, Andrew Sean: Ein unmögliches Leben

Details:
Originaltitel: The Impossible Lives of Greta Wells | Autor: Andrew Sean Greer | übersetzt von: Uda Strätling | Genre: Gegenwartsliteratur | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: S. Fischer Verlag ( 2014 ) | Seiten: 335

Ein unmögliches Leben von Andrew Sean GreerGreta Wells durchlebt 1986 die schockierendste Zeit ihres Lebens. Ihr geliebter Zwillingsbruder Feliyx, einst das blühende Leben, siecht einer schrecklichen Krankheit dem Tode entgegen und als er nicht mehr da ist, trennt sich ihr langjähriger Lebensgefährte von ihr. Im Haus ihrer Tante Ruth findet sie keine Ruhe, sondern stürzt in ein dunkles Loch. Elektrobehandlungen sollen ihr dabei helfen zurück ins Leben zu finden. Doch Nebenwirkungen zeichnen sich ab, als sich Greta plötzlich im Jahr 1918 und dann in 1941 wiederfindet. Sie lebt plötzlich die Leben einer anderen Greta und in diesen Leben weilt ihr geliebter Felix immer noch unter den Lebenden! Doch in jedem Leben ist der Verlust eines Menschen ein Teil, mit dem man sich arrangieren muss …

Ein literarischer Orgasmus

Ein unmögliches Leben beginnt sanft und zieht den Leser wie einen immer stärker werdenden Strudel in den Bann. Der Autor Andrew Sean Greer versteht es nicht nur seine Handlung wie eine sich öffnende Blütenknospe zu entfalten, sondern auch die Einführung seiner Greta Wells und jeder seiner Nebenfiguren wirkt wie ein sich langsam füllendes Glas. Hier und da wachsen Details an, welche die Geschichte zum Leben erwecken. Nach nur einer Seite hat er einen so gepackt, dass man sich seinen Worten nicht mehr entziehen kann.

Das Leseerlebnis von Ein unmögliches Leben gleicht einem literarischen Orgasmus, denn in der Sprache des Romans möchte ich mich hin- und herwälzen so gelungen finde ich sie. Beinahe jedes Kapitel beginnt sanft und wunderbar weich, so als würde man aus einem Traum erwachen; wie Greta es immer wieder erlebt. Drei Welten am Umbruch, drei Leben, die unterschiedlicher nicht sein können und Menschen, die fehlen, die sich ähneln oder doch ganz anders sind. Drei Leben und eine Greta Wells, die ihre eigene Identität wiederfindet.

„Es heißt, es gebe viele Welten. Rings um die eigene, dicht gepackt wie die Zellen unseres Herzens. Jede mit ihrer eigenen Logik, ihrer eigenen Physik, ihren Monden und Sternen.“ (S.46)

Die Handlung umkreist drei Geschichten und als vernetzendes Gegenstück die „im Raum schwebende“ Idee von parallelen Welten. Die Greta Wells, die uns diese Geschichte erzählt, hat ihre Charakterschwächen aber ebenso –stärken. Sie versucht sich in Welten zurechtzufinden, die nicht ihre eigenen sind und das, obwohl sie mit ihrem eigenen Leben nicht im Einklang ist. Überall tauchen Menschen auf, die sie aus ihrem eigenen Leben kennt, die aber ganz anders sind – die sich ihrer Zeit angepasst haben. Sie erlebt das Kriegsende und sie weiß, ein neuer Krieg naht, doch was kann ein einzelner Mensch in den Rädern der Zeit und der Geschichte letztendlich ausrichten? Wem kann sie helfen, wen dabei unterstützen, seine Träume zu verwirklichen? Und wer muss seinen Weg alleine finden? Ein gelungener Roman über die Zeiten des Krieges und der Generationen hinaus – der mich völlig begeistert hat.

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