[Rezension] Grégoire Delacourt: Die vier Jahreszeiten des Sommers

Es ist der 14. Juli 1999, der Nationalfeiertag Frankreichs, an welchem der Autor Grégoire Delacourt vier Geschichten miteinander verwebt, Geschichten, die von der Liebe, der Leidenschaft und dem Verlust erzählen. Das Jahr 1999, in welchem Nostradamus im siebten Monat den Weltuntergang vorhersagte, lässt die Menschen an ihr eigenes Ende denken, es ist ein merkwürdiger und zugleich ganz gewöhnlicher Sommer, an dem sich Liebende trennen, zueinanderfinden oder einen letzten gewagten Schritt gemeinsam gehen.

Von der Liebe und ihren verschlungenen Wegen

Louis liebt Victoria. Doch die Liebe des 15-Jährigen bleibt noch unerwidert. Victoria ist dreizehn und kann mit diesem großen Gefühl noch nichts anfangen. Aber Louis wird warten, so lange bis Victoria bereit ist. Das junge Mädchen dagegen erkundet lieber ihren Körper, der langsam zur Frau heranreift, und ihre Reize, die Männer nicht kalt lassen. Louis ist unglücklich verliebt und der Altersunterschied scheint unüberwindbar.

Isabelle ist 35 Jahre alt und träumt von ihrer einstigen Jugendsommerliebe Romain, der ihr Herz nach seinem Urlaub mit sich nahm und es nie wieder zurückgab. Isabelle ist Mutter von Hector, dessen Vater eines Tages ging und nicht zurückkehrte, ihnen alles hinterließ und ein neues Leben begann. Isabelle ist auf der Suche nach der perfekten Liebe, dem perfekten Mann und lebt sowie liebt doch in den Erinnerungen jenes Sommers, als ihr als 15-Jährige die Welt offen stand.

Monique ist von nun an Louise. Sie ist 55 Jahre alt, ihr Mann hat sich von ihr entliebt über 30 Jahre Ehe und drei Söhne. Louise sucht in La Touquet die Leidenschaft, das Begehren, die Sehnsucht nach einem Partner, der sie anbetet und mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen kann. Sie trifft auf Robert und  eine ungewöhnlich leidenschaftliche Zeit.

Rose und Pierre sind seit 50 Jahren verheiratet. 1949 heirateten sie nach dem Krieg, nachdem sie sich vier Jahre lang aus den Augen verloren hatten, kein Versprechen sie aneinander band und doch die Zeiten des Krieges, des Hoffen und Bangens sie nicht voneinander entfernten. Gezeichnet von Krankheit und Schmerzen ist La Touquet ihr letzter gemeinsamer Schritt.

Ein Sommer & die Sprache der Blumen

Eine Leichtigkeit umspielt die Zeilen dieses Buches, denn es ist kein glühend schwerer Sommer, sondern ein Sommer am Strand von La Touquet, mit einer Meeresbrise und der Verheißung vom Ende der Welt. Und an diesem Strand spielen sich Dramen ab, ganz persönlich, beinahe im Heimlichen zwischen zwei Menschen oder in der Einsamkeit einer verlorenen Liebe. Die Liebe, die ewig währen kann oder nur für einen kurze, beinahe verschwindend geringen Moment im Angesicht eines Lebens. Die Liebe, welche leidenschaftlich, kraftvoll, gar stürmisch sein kann. Die Liebe, die einen beinahe erschlagen kann auf den ersten Blick oder sich langsam, schleichend entfaltet, wie die Blütenblätter einer Blume.

In „Die vier Jahreszeiten des Sommers“ wird von der Liebe erzählt, von ihren sich in Blumen widerspiegelnden Eigenheiten und Seiten. Eben gerade nicht nur von der wunderbare, alles erfüllenden Liebe, sondern auch von den Schattenseiten, der einseitigen Liebe, dem unfreiwilligen Verlust, dem Schmerz, der danach einsetzt und dem Umgang mit diesem. Die Liebe als größtes Glück und gleichzeitig als selbstzerstörerische Kraft. Und dabei greift Grégoire Delacourt teilweise auf sich wiederholende Bilder zurück, teilweise schafft er wunderbare Sätze, die zum Nachdenken über die Vielfalt der Liebe nachdenken lassen.

Ein Sommerbuch über die Liebe

Delacourts Roman besteht aus vier unterschiedlichen Geschichten, die miteinander verwoben sind. Die Figuren treffen sich auf die eine oder andere Art, begegnen sich durch Zufall, verschwinden sofort wieder oder hinterlassen Eindruck, ändern das Leben des anderen. Die langsame Entfaltung und Entdeckung der Verflechtung durch den Leser macht dieses Buch aus. Nicht nur durch die Kapitelüberschriften, die alle etwas mit Blumen und ihrer Bedeutung zu tun haben, werden die vier ganz unterschiedlichen Liebesgeschichten zu einer großen Geschichte über das Leben, die Liebe und den Verlust dieser.

„Die vier Jahreszeit des Sommers“ ist ein recht entspanntes Buch, denn es liest sich ganz einfach und besitzt doch eine gewisse Tiefe, die nicht erdrückend ist, aber die eine lockere Oberflächlichkeit durchbricht und eintaucht in die Welt der Liebe; ihre Licht- und Schattenseiten präsentiert, aber ohne zu verurteilen.

Details zum Buch: Autor: Grégoire Delacourt | Genre: Gegenwartsliteratur | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Atlantik ( 2016 )

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