[Rezension] Grémillon, Hélène: Das geheime Prinzip der Liebe

Details:
Originaltitel: Le confident| Autorin: Hélène Grémillon | übersetzt von: Claudia Steinitz | Genre: Romane und Erzählungen | Reihe: – | Gattung: Roman | Verlag: Knaur ( 2014 ) | Seiten: 256

Das geheime Prinzip der LiebeCamilles Mutter ist tot und während ihre Tochter noch unter Schock und Trauer steht enthält die Mittdreißigerin, die als Lektorin arbeitet, neben Beileidsbekundungen auch Briefe, die eigentlich gar nicht für sie bestimmt sein können. Ohne Absender wird ihr Stückweise eine tragische Liebesgeschichte erzählt. Mit jedem weiteren Brief zweifelt Camille an ihrer Überzeugung: handelt es sich wirklich um einen schlauen Autor, der ihr sein Skript in Briefformat zuschickt oder steht in den Zeilen ihre eigene Vergangenheit geschrieben?

Neid, Eifersucht und unbändiger Hass

Die Geschichte beginnt in einem kleinen Dorf N. in der Nähe von Paris. Es ist die Zeit des 2. Weltkrieges als der junge Louis bemerkt, dass die unnahbare Annie seine große Liebe ist. Kleien und unscheinbare Rituale verbinden die beiden. Doch als Madame M. mit ihrem Mann in das kleine Dorf zieht, verändert sich alles. Annie zieht sich von allen zurück und lebt nur noch für die Malerei und die Besuche bei Madame M. Aber hinter den Mauern des Hauses geschieht noch etwas Anderes. Etwas Erschreckendes, das Annie, Madame M. und ihren Mann ins Unglück stürzt. Die Geschichte erzählt von zwei ganz unterschiedlichen Frauen: Annie ist naiv und jung. Sie lebt für die Kunst und will ihrer Gönnerin jeden Herzenswunsch erfüllen. Madame M wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind. In der Pariser Gesellschaft wird sie als Aussätzige behandelt, weil sie immer noch, nach Jahren der Ehe, kein Kind in die Welt gesetzt hat. Und so beginnt ein Weg für die beiden Frauen, der, wenn er einmal beschritten wurde, unumkehrbar scheint. Gegenseitige Heimlichkeiten, Begierden und ein Netz aus Lügen breiten sich zwischen den einstigen Freundinnen aus und mitten in den Wirren des Krieges bleibt nur die Flucht in die Zukunft. Von Hass und Liebe geleitet gehen beide Frauen bis auf’s Ganze.

Ein Netz aus Lügen und Verletzungen

Aus drei unterschiedlichen Perspektiven wird die Geschichte erzählt, zum einen aus Camilles Sicht, die vermutet, die falsche Empfängerin der Briefe zu sein, die Briefe, die ihr der unbekannte Louis zuschickt, in welchem er seine spätere Begegnung mit Annie als Erwachsene schildert und die von Louis niedergeschriebenen Geständnisse der Madame M. Und dabei jagen schockierende Enthüllungen sich gegenseitig, die man so als Leser nie hätte vermuten können. Es ist eine Verstrickung aus gegenseitigen Verletzungen, deren sich nicht jeder voll bewusst ist. Hélène Grémillon schreibt authentische Figuren, die alle in irgendeiner Weise mit Schuld beladen sind, denn niemand kann sich rein waschen von dem, was geschehen ist und jeder trägt ein Stück dazu bei, dass das Unglück, in das alle gestürzt wurden, so geschehen konnte. Und auch wenn man am Anfang glaubt, dass man eine Figur einfach nur hassen möchte, für das was sie getan hat, so belehrt die Autorin uns eines besseren, denn es gibt immer zwei Seiten einer Medaille.

Das geheime Prinzip der Liebe ist keine Liebesgeschichte, aber dieses Buch erzählt, wie weit man aus Liebe gehen kann.

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