[Rezension] Gustafsson, Lars: Der Tod eines Bienenzüchters

Details:
Originaltitel: En biodlares död
Autorin: Lars Gustafsson
Genre: Romane und Erzählungen
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: Fischer ( 1980 )
Seiten: 138

Inhalt:

Der ehemaliger Grundschullehrer Lars Westin lebt einsam auf dem Land in einer kleinen Hütte. Hin und wieder erhält er Besuch von zwei Jungen und seiner Familie, die restliche Zeit verbringt er mit seinem Hund. Bis er eines Tages eine Gewebeprobe abgeben muss, da Verdacht auf eine Krebserkrankung besteht. Den Brief mit dem Ergebnis verbrennt er allerdings. Stattdessen beginnt er seine Gedanken aufzuschreiben.

Meinung:

Der Tod eines Bienenzüchters ist eine Sammlung von Tagebucheinträgen, von Bruchstücken eines Krebserkrankten, der in der selbstgewählten Einsamkeit auf dem Land in einer kleinen Hütte lebt. Dort besitzt er eine kleine Bienenkolonie, um die er sich kümmert und deren Honig er verkauft. Seine letzten Gedanken, bevor ihn der Schmerz und die Krankheit zwingen sein einsames Leben zu verlassen und ins Krankenhaus zu gehen, schreibt er nieder. Man erhält durch diverse Aufzeichnungen, Gedankenfetzen, Einkaufslisten einen Einblick in das Leben des Bienenzüchters und diese Gedanken lassen den Leser das eigene Leben reflektieren.

Der Protagonist Lars Westin erzählt in seinem Nachlass beinahe auf philosophische Art vom Leben. Er berichtet aus seiner Kindheit, lässt seine Ehe Revue passieren und hinterfragt seine Vergangenheit und damit zugleich auch seine Gegenwart. Der Schmerz, der immer wieder in ihm aufwallt, lässt ihn sein Dasein in der Welt erkennen. Er stellt sich Fragen, die vielleicht jedem von uns schon mal im Kopf herum geschwirrt sind. Er fragt nach der Liebe und dem Sinn von Beziehungen. Was ist es, das wir an jemandem lieben? Ist es die Liebe selbst, das Verliebtsein oder der Gedanke geliebt zu werden?

Lars Gustafsson verwendet eine einfache, knappe Sprache. Kein Wort ist zu viel, aber obwohl die Wörter begrenzt sind, vermag er mit ihnen weit mehr auszusagen. Er trifft mit jedem einzelnen Wort tief  in die Seele des Lesers. Dieser kurze Roman lässt nicht nur den Protagonisten seine Position in der Welt hinterfragen, sondern wirkt auch auf den Leser, der sich seinerseits fragt, wo sein Platz im Hier und Jetzt ist oder sein sollte. Dieses Buch wird nicht einfach nur gelesen, es findet automatisch eine Reflexion über das Gelesene statt und bezieht es auf sein eigenes Leben.

Fazit:

Der Roman Der Tod eines Bienenzüchters hat mich sehr beeindruckt. Mit wenigen Worten vermag der schwedische Autor Lars Gustafsson ein poetisches Kunstwerk zu schaffen, das beim Lesen zum Nachdenken anregt. Der Inhalt ist philosophischer Natur, bedarf aber keiner großen Anstrengung es zu lesen und ist vielleicht gerade durch die wenigen Worte unglaublich aussagekräftig.

Daher gibt es von mir 5 von 5 möglichen Sternen.

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