[Rezension] Harris, Joanne: Denk an mich in der Nacht

Details:

Originaltitel: The Evil Seed
Autor: Joanne Harris
Genre: Fiction
Reihe: –
Gattung: Roman
Verlag: List ( 2010 )
Seiten: 394

Klappentext:

Alice leidet unter der Trennung von ihrer großen Liebe Joe. Als sie seine neue Freundin kennenlernt, ahnt sie, dass mit der fast überirdisch schönen Frau etwas nicht stimmt. Dann entdeckt Alice ein lange verborgenes Tagebuch, und plötzlich schwebt sie in tödlicher Gefahr.

Inhalt:

Seit drei Jahren ist Alice wieder Single. Damals ist ihre große Liebe Joe aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Als Künstlerin hat sich seither in ihre Malerei gestützt, doch in letzter Zeit bleiben die Ideen aus. Gerade dann, als Joe auftaucht und ihr seine neue Freundin vorstellt: die junge und zerbrechlich wirkende Ginny. In ihrer Gegenwart ist Alice‘ Ex-Freund nicht mehr er selbst. Irgendetwas scheint mit dem verschüchterten Wesen nicht zu stimmen, denn sobald die beiden Frauen allein sind, erkennt sie das junge Mädchen nicht wieder und bald stellt Alice fest, dass das nichts mit Eifersucht zu tun hat …

Meinung:

Die Malerin Alice ist seit drei Jahren Single und immer noch nicht über ihren Ex-Freund Joe hinweg. Als sie seine neue Freundin Ginny kennenlernt, die gerademal 18 Jahre alt und eigentlich viel zu jung für ihn ist, flammt ihre Eifersucht wieder auf. Doch wie sich bald herausstellen soll, ist diese nicht unbegründet, denn Ginny ist nicht die Person, für die sie sich ausgibt.

In Joes Gegenwart ist sie ein verschüchtertes und zurückgezogenes Mädchen, sobald sie aber mit Alice allein ist, verwandelt sie sich in einen Vamp, der sich um nichts und niemanden schert. Bald lernt die Malerin auch Ginnys Freunde kennen, von denen Joe nichts weiß. Von ihnen geht ein seltsames, geradezu böses Gefühl aus. Schneller als sie sich versieht gerät Alice in einen Sog aus Drogen, Blut und einer Gruppe, die allem Anschein schon seit Jahrhunderten lebt.

Bei ihren Nachforschungen stößt sie auf das Tagebuch von Daniel Holmes. Einem Mann, der sich in einer Nervenheilanstalt umgebracht hat. Er erzählt darin von einer Frau, die ihn und seinen besten Freund Robert zerstört hat. Eine junge Frau mit roten lockigen Haaren und die Bilder, welche Alice mit dem Buch findet, zeigen das Unmögliche, nämlich Ginny, wie sie heute aussieht. Aber bei Joe stößt sie auf taube Ohren. Er ist völlig geblendet von seiner neuen Freundin. Statt auf Alice zu hören nimmt er jene in Schutz und reagiert aggressiv auf die Anschuldigungen, welche seine ehemalige Freundin anführt.

Joanne Harris‘ Roman zieht den Leser von Anfang an in seinen Bann, stiftet allerdings genauso viel Verwirrung. In unterschiedlichen Kapiteln werden sowohl die Protagonistin Alice, als auch der Tagebuchschreiber Daniel Holmes vorgestellt. Dies erschließt sich dem Leser aber erst nach und nach. Ebenso die Zusammenhänge der beiden Figuren, die durch die Figur der Ginny miteinander verbunden sind.

Dennoch konstruiert die Autorin in ihrem Buch ein faszinierendes Phänomen: Eine Frau mit einem engelsgleichem Aussehen und einem dämonischen Wesen, welche die Fähigkeiten besitzt aus Joe einen abhängigen, nicht mehr selbst entscheidenden Mann macht, der blind für das ist, was sich wirklich vor seinen Augen abspielt.

In diesen Sog aus Drogen, Blut und Mord gerät Alice, die zu Beginn nur aus Eifersucht handelt, doch schnell bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Sie zweifelt allerdings an ihrem eigenen Verstand und selbst als sie Daniels Tagebuch findet, kann sie nicht glauben, dass sie es mit Vampiren zu tun hat. Denn schließlich beging Daniel in einer Nervenheilanstalt Selbstmord.

Ob es Vampire im klassischen Sinne sind, welche die Autorin hier zeichnet, wird in diesem Buch nicht endgültig geklärt. Denn durch einen Kunstgriff verstrickt Joanne Harris die Ereignisse so miteinander, dass der Leser – wie auch die agierenden Figuren – nicht definitiv entscheiden können, was real und was eingebildet ist. Der Leser muss sich deshalb viel selbst zusammenreimen.

Im Mittelteil ziehen sich die Tagebuchpassagen sehr, da der Leser bereits den Ausgang kennt. Vielmehr steigert sich das Durcheinander der Handlung: Die Figuren trauen ihrem eigenen Auffassungsvermögen nicht mehr und obwohl der Leser meint, die Geschichte durchschauen zu können, beginnt er an dieser Stelle wieder zu zweifeln. Die anfangs gestiftete Verwirrung wird leider gegen Ende des Buches nur verstärkt und löst sich nicht wirklich auf.

Fazit:

Joanne Harris‘ Debütroman Denk an mich in der Nacht ist kein typischer Vampirroman, sondern spielt mit dem Verstand seiner Figuren und dem Auffassungsvermögen seiner Leser. Von Anfang an stiftet die Autorin durch häufige Kapitel- und damit auch Perspektivwechsel sowie eine komplexe Handlungsstruktur Verwirrung beim Leser. Diese wird noch dadurch gestärkt, dass Ginny auf schleichende Art und Weise in das Leben normaler Menschen eindringt und jene in einen Sog aus Drogen, Mord und Macht entführt. Leider bleibt die Handlung durch eine viel zu undurchsichtige Aufklärung bis zum Ende auf der Strecke und löst sich nicht endgültig auf.

Daher gibt es von mir 3 von 5 möglichen Sternen.

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Vielen Dank an den List Verlag für das Rezensionsexemplar!

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