[Rezension] Hillenkamp, Sven: Das Ende der Liebe

Details:
Originaltitel: Das Ende der Liebe – Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit
Autor: Sven Hillenkamp
Genre: Sach-/Fachbuch
Reihe: –
Gattung: Sachbuch
Verlag: Klett Cotta ( 2009 )
Seiten: 309

Inhalt:

Das Ende der Liebe erzählt vom modernen Menschen, der mit der Unendlichkeit seiner Möglichkeiten in allen nur erdenklichen Bereichen des Lebens, ständig auf der Suche ist. Dabei beschreibt Sven Hillenkamp mit Hilfe von zahlreichen Beispielen wie die Gesellschaft von heute, deren höchstes Gut die Freiheit ist, sich in ihrer Freiheit selbst verliert.

Meinung:

„Früher nannte man alle Möglichkeitsmenschen, wie die freien Menschen es sind, Träumer und Spinner. Die Wirklichkeitsmenschen dagegen, die sich in allem ans Gewesen und Gegebene hielten, galten als Realisten, als vernünftig. Heute ist es umgekehrt. Die Möglichkeitsmenschen sind nun die Realisten. Sie leben nicht mehr in einem Gespinst von Einbildungen, sondern versuchen nur, ihre – nicht selten wirklichen – Chancen zu verwirklichen. Wo die Grenze liegt – die Klassen- oder Geschlechtergrenze, die Talent- oder Glücksgrenze -, das können die Menschen nicht mehr mit Sicherheit sagen.“ (S.45)

Der moderne Mensch von heute ist frei. Seine Freiheit geht ihm über alles und durch diese ist er immer auf der Suche. Er gibt sich nie mit dem zufrieden, was er hat, will immer mehr, sieht immer die Möglichkeiten, welche er noch haben könnte. Die freien Menschen sind auf der Suche, einer Suche, die niemals endet.

Diese unendlichen Möglichkeiten wirken sich auf den modernen Menschen, laut Sven Hillenkamp, als Zwang aus. Den Zwang ständig alles Mögliche im Auge zu behalten, niemals zur Ruhe zu kommen. Die Möglichkeit der Unendlichkeit der Möglichkeiten wird nicht mehr durch zwingende Regeln oder Gewohnheiten beschränkt. Das Alter oder Geschlecht spielt keine Rolle mehr. Der Mensch kann frei wählen. Dabei besteht die Wahlmöglichkeit nicht aus einer einzigen Wahl, sondern aus vielen verschiedenen Möglichkeiten.

Die Suche des modernen Menschen entsteht aus einem Mangel heraus, doch dieser ist die Folge des Überflusses, dem wir ausgesetzt sind. Der Autor beschreibt diese Konsequenz an einem Beispiel: Wir haben ein sehr großes Nahrungsangebot, suchen uns daher die beste Nahrung heraus, genauso wie wir in der Moderne unendlich viele potenzielle Partner vor uns haben und uns deshalb den besten Gefährten aussuchen wollen – selbst dann, wenn wir bereits einen Partner haben. Die Suche endet nie.

Die freien Menschen sind Gefangener ihrer eigenen Freiheit, ihres Bewusstseins von sich selbst. Sie verabscheuen Mechanismen oder Muster, die sie einschränken. Sie wollen deshalb das, was sie eigentlich nicht wollen und wollen nicht das, was sie wollen. Ein Paradox, welches sich durch das komplette Buch zieht.

Sven Hillenkamps Das Ende der Liebe ist ein Buch, das durchaus übertreibt. An vielen Beispielen beschreibt der Autor in großem metaphorischem Stil die Unendlichkeit der Möglichkeiten unserer Zeit und gerät dabei sicherlich in eine übertriebene Bahn. Aber genau das ist unsere Gesellschaft: Sie übertreibt, die Möglichkeiten, welche dem freien Menschen heutzutage zugänglich gemacht werden, sind übertrieben. Die Grenzen zwischen dem, was wirklich möglich ist, was realistisch erscheint und dem, was möglich sein könnte, aber eigentlich nicht im Bereich des Möglichen liegt, verschwimmen, werden unsichtbar.

Dieses Sachbuch lässt sich schwer in ein paar Worte packen. Es besticht allerdings durch seine metaphorische Sprache, die anregt zwischen den Zeilen zu lesen sowie auch sich und seine Umwelt zu achten, ja es ermuntert zum Nachdenken, zum Analysieren. Ein Punkt, der durchaus in Hillenkamps Werk kritisiert wird: Der Mensch, der sich selbst zu sehr analysiert und betrachtet.

Das Ende der Liebe ist keine Nachmittagslektüre für ruhige Stunden, sondern liest sich doch recht schwer und erfordert viel Konzentration. Auch fand ich die Beispiele teilweise nicht hilfreich, sondern sie erzeugten bei mir eher noch mehr Verwirrung. Sven Hillenkamps Buch wirft einen reflexiven Blick auf unsere Gesellschaft, in der die Möglichkeiten unerschöpflich erscheinen, ohne wirklich unbegrenzt zu sein.

Fazit:

Das Ende der Liebe ist ein metaphernreiches Buch über den modernen Menschen. Einen Menschen, dem seine Freiheit über alles geht, der durch die unbegrenzten Möglichkeiten, die sich heutzutage bieten ständig auf der Suche ist und darüber hinaus sich nicht mit dem zufrieden gibt, was er besitzt. Die vielen Beispiele verdeutlichen aber nicht immer das, was der Autor konkret meint, sondern der Leser muss dieses konzentriert und reflexiv lesen. Die aus Überfluss bestehende Gesellschaft, welche Sven Hillenkamp beschreibt, wird außerdem doch teilweise sehr übertrieben dargestellt, was aber zur Thematik des Buches, einer Gesellschaft der Möglichkeiten ohne Grenzen, passt.

Daher gibt es von mir 3 ½ von 5 möglichen Sternen.

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